By Pintér László | September 12, 2016 | Last update on September 14, 2016

Edurne Pasaban: Als Sandalenmodell tauge ich nicht mehr

Edurne ist die erste Frau, der es gelang, alle vierzehn Achttausender zu besteigen. Heute steht sie ihrem eigenen Reiseunternehmen vor, sie hält Vorträge, doch ganz hat sie dem Bergsteigen nicht abgeschworen.

Edurne über achttausend Metern
Edurne über achttausend Metern
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Auf der heurigen OutDoor Expo standen uns zwei lebende Legenden der Bergsteigerei Rede und Antwort. Wir beginnen unseren Interviewreigen mit der unglaublich ungekünstelten und direkten Edurne Pasaban. Edurne ist die erste Frau, der es gelang, alle vierzehn Achttausender zu besteigen. Heute steht sie ihrem eigenen Reiseunternehmen vor, sie hält Vorträge, doch ganz hat sie dem Bergsteigen nicht abgeschworen. Die Firma Haglöfs hat vor kurzem ihre neue Outdoor-Kollektion vorgestellt, die Edurnes Namen trägt und mit ihr entwickelt wurde. Wir haben uns am Messestand der schwedischen Marke unterhalten.

Meine Freundinnen und ich waren heillos in den Lehrer eines Bergsteigerclubs bei uns zuhause verschossen, darum trugen wir uns für einen Lehrgang ein.

Testundtipps: Beginnen wir mit einer klassischen ersten Frage: Wie hast du mit dem Klettern begonnen?

Edurne Pasaban: Ich war mit meinen Eltern immer wieder in den Bergen. Wir leben im Baskenland, wo die Menschen sehr gerne Ausflüge machen, obwohl wir keine hohen Berge haben. Es ist alles grün, die Landschaft ist wunderschön und es ist sowas wie Tradition, mit der Familie viel Zeit in der Natur zu verbringen. So habe auch ich angefangen. Dann begann ich mit 14 Jahren in meinem Geburtsort, in Tolosa, mit dem Felsklettern. Meine Freundinnen und ich waren heillos in den Lehrer eines Bergsteigerclubs bei uns zuhause verschossen, darum trugen wir uns für einen Lehrgang ein. (Sie lacht.) Wir hofften, dass er uns irgendwie bemerken würde. Natürlich hatte keine von uns Erfolg, ich habe aber im Felsklettern eine besondere Liebe gefunden, deshalb trat ich nach dem Kurs dem Club bei. Mit 15 habe ich mit Clubmitgliedern den Mont Blanc erklommen. Mit 18 Jahren war ich das erste Mal in den Anden, wir bestiegen den Chimborazo, den Cotopaxi. Ich hatte großes Glück, weil im Bergsteigerclub alle älter waren und natürlich viel erfahrender als ich und mich vieles lehrten. Das war sehr wichtig. Sie nahmen mich mit in die Berge, als wäre ich ihre eigene Tochter gewesen.

Dann organisierte mein Bergsteigerclub 1998 eine Expedition auf einen Achttausender. Das ist eine sehr lustige Geschichte. Wir Basken wetteifern gerne miteinander. Im Nachbardorf gab es jemanden, der 1997 einen Achttausender bestiegen hatte. Die Leute aus meinem Dorf haben sich da gedacht, es kann doch nicht sein, dass nur die Nachbarn einen Achttausender ihr Eigen nennen können. Wenn sie einen bestiegen haben, dann besteigen wir auch einen, einen anderen! Das war die Triebfeder für die Expedition. Ohne irgendwas über Achttausender zu wissen, entschieden wir uns für den Dhaulaghiri. Ich hatte einen guten Freund aus Pamplona, der schon 1979 dort gewesen war, gemeinsam mit der ersten baskischen Expedition. Er lag mir in den Ohren, dass wir unbedingt dorthin müssten, weil es dort sehr schön ist. Würde mich heute jemand fragen, welchen Achttausender ich für den Anfang empfehle, wäre der Dhaulaghiri einer der letzten, der mir einfiele, weil es ein sehr schwerer Gipfel ist. Wir organisierten aber unsere eigene Expedition. Wir machen uns zu fünft auf den Weg und mit absolut keiner Himalaya-Erfahrung kamen wir bis auf 7500 Meter, was wir als gutes Ergebnis ansahen.

Im Basislager von Achttausendern kann man viele Bekanntschaften schließen. Mich hat das Schicksal mit einer italienischen Truppe zusammengebracht, die schon über ernst zu nehmende Erfahrung auf Achttausendern verfügte. Es entwickelte sich zwischen uns ein gutes Verhältnis, besonders mit einem der Jungen. Wie ihr seht, dreht sich in meinem Leben alles um die Liebe. (Sie lächelt.) Also das Schicksal wollte es so, dass ich in den folgenden Jahren mit den Italienern in den Himalaya fuhr. Sie organisierten eine Expedition auf den Everest, luden mich ein und ich nahm an. Aber in diesem Jahr und auch im folgenden Jahr, 2000, erreichten wir den Gipfel nicht. 2001 gelang es mir schließlich beim dritten Versuch, mit den Italienern den Everest zu besteigen. Das war mein erster Achttausender.

Hast du Sauerstoff benützt?

Ja, damals habe ich eine Flasche benützt.

Nach dem Everest machtest du die Besteigung aller Achttausender zu deinem Ziel?

Der Everest war für mich der Erste und gleichzeitig der Höchste, doch seinerzeit dachte ich nicht daran, alle vierzehn zu besteigen. Mein italienischer Freund konzentrierte sich aber auf die Achttausender – er bestieg auch alle –, deshalb ging es das Jahr darauf ebenfalls in den Himalaya, auf den Makalu.

Der Makalu war eine sehr gute Wahl für mich, weil 2002, als wir ihn bestiegen, kaum eine andere Expedition dort unterwegs war. Wir konnten die echte Himalaya-Atmosphäre spüren. Nur wir waren dort und eine zweite kleine Expedition, sonst niemand. Damals wurden mir die Augen für den Himalaya geöffnet, ich stellte fest, dass mir Expeditionen dieser Art sehr gefallen.

Dann hat 2004, nach sechs Achttausendern, die spanische Fernsehsendung „An der Grenze zum Unmöglichen“ bei mir angeklopft. Sie war damals schon seit 25 Jahren in Programm; man hatte zahllose Dokumentationen über Abenteuersportarten gedreht, über Touren im Himalaya, man hatte auch viele eigene Expeditionen unternommen. Man hatte die Idee gehabt, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Erstbesteigung des K2 eine Expedition zu organisieren und dazu hat man auch mich eingeladen. Das war eine große Sache, weil das Fernsehen die gesamten Kosten übernahm. Davor hatte auch ich meine Expeditionen mit meiner Arbeit finanziert und versuchte natürlich immer Sponsoren zu finden. Mein Vater war mein erster Sponsor. Mit dem Fernsehen hat sich mir jedoch eine neue Möglichkeit aufgetan.

Mit dem K2 hatten wir Glück, weil es uns gleich beim ersten Versuch gelang, den Gipfel zu erreichen. Von diesem Zeitpunkt an setzte ich die Zusammenarbeit mit dem spanischen Fernsehen fort. Man bezahlte meine Expeditionen, leben kann man davon natürlich nicht, doch die Kletterei war finanziell gedeckt. Wir hatten auch weiterhin die Achttausender im Visier und 2007 sagten wir das erste Mal offen: Bezwingen wir doch alle vierzehn!

Es klingt für mich verrückt, wenn jemand nach drei Achttausendern erklärt, er wolle alle besteigen. Man kann nie wissen, was das Leben bringt. Vielleicht wirst du morgen heiraten und Kinder bekommen.

Hast du Kinder?

Nein, ich habe keine. Kinderkriegen ist schwer möglich. Bisher zumindest war es das. Und ich glaube, dass Gerlinde [Kaltenbrunner] sich in einer ähnlichen Zwickmühle befindet.

Möchtest du Kinder haben?

Ja, aber es ist halt nicht leicht.

Ich wollte früher noch keine Kinder, deshalb hat mich mein Partner verlassen. Ich verfiel in eine tiefe Depression.

Glaubst du, dass Bergsteigen auf diesem Niveau und Kinder vereinbart werden können?

Nein, nicht wirklich. Ich glaube, dass diese Frage für einen Mann viel weniger schwierig ist als für eine Frau. Ein Mann kann auf eine Expedition gehen und seine Kinder sind zuhause bei der Gattin. Das ist keine feministische Anklage meinerseits, sondern das hat was mit Gefühlen zu tun.

Als ich 33 Jahre alt war, verfiel ich in tiefe Depressionen. Mein damaliger Freund wollte sehr gern ein Kind haben. Er hatte mit dem Bergsteigen nichts am Hut, seine Lebensweise war völlig anders und er setzte mich schwer unter Druck. Nachdem ich damals noch keine Kinder wollte, verließ er mich. Das machte mir seelisch schwer zu schaffen. 2006 nahm ich an keiner Expedition teil, ich wurde mit schweren Depressionen ins Krankenhaus eingeliefert. Einer der Gründe war, dass Menschen, die mir nahekamen, ein alltägliches, normales Familienleben führten und wollten, dass auch ich es so mache. Mit so einem Leben kann ich aber nicht glücklich sein. Natürlich möchte auch ich Kinder haben. Aber damals hatte ich Angst, was geschehen würde, wenn ich ein Kind bekomme, ich sehr glücklich bin und dann nicht mehr an Expeditionen teilnehmen will? Das war eine sehr schwierige Entscheidung.

Hast du die Entscheidung jetzt schon gefasst?

Ja, habe ich. Ich möchte ein Kind, doch bin ich schon 42 Jahre alt und in diesem Alter ist das nicht mehr so einfach. Aber auch dabei muss man halt vorgehen wie bei den Achttausendern: immer und immer wieder versuchen.

Hast du deine Achttausender-Ära abgeschlossen?

Vorerst ja, war ich doch auf allen oben. Man kann nie wissen, wie es weitergeht, aber ich habe mich inzwischen schon einigermaßen beruhigt. Ich weiß nicht, was Gerlinde euch diesbezüglich erzählt hat, obwohl wir gute Freundinnen sind und oft reden…

Sie sagte, sie steigt nicht mehr über achttausend Meter.

Auch ich möchte mich eher anderen Zielen widmen. Wenn mich natürlich ein guter Freund ersuchen würde, mit ihm den Cho Oyu zu besteigen, würde ich wohl nicht nein sagen. Doch die Expeditionen in den Himalaya als „Hauptberuf“ möchte ich nicht mehr fortsetzen. Es tut auch der Seele gut, wenn man sich ein wenig aus dem Rampenlicht zurückzieht, wo man ständigen Erwartungen ausgesetzt ist, die schwer auf einem lasten können.

Du warst die erste Frau, der es gelang, alle vierzehn Achttausender zu besteigen. Zum Schluss gab es schon eine Art Wettrennen, weil eine Koreanerin aufgetaucht war.

Es war eine ziemlich eigenartige Situation. Zuerst waren wir drei Frauen, die nah daran waren, alle Achttausender zu besteigen: Gerlinde Kaltenbrunner, Nives Meroi und ich. Wir sind gute Freunde. Einmal bestieg die eine einen Gipfel, dann die andere, so arbeiteten wird und voran. Dann erschien 2007 plötzlich eine Koreanerin, die über keinerlei Himalaya-Erfahrung verfügte. Das war klar, als ich sie das erste Mal auf dem Shishapangma sah. Da sagte sie schon, sie wolle alle Achttausender besteigen. Ich erwiderte: „Mach nur!“ Sie kam dann ziemlich schnell voran, weil eine riesige Infrastruktur hinter ihr stand, wohl mit hohen Summen staatlichen Gelds. Die Koreaner machten daraus eine Sache von nationaler Bedeutung, sie wollten den Ruhm, dass eine Koreanerin die erste Frau auf allen Achttausendern sein soll, für sich haben. Hatte sie einen Gipfel erreicht, wurde sie anschließend mit dem Hubschrauber ins Basislager des nächsten Bergs geflogen. Als sie ankam, hatte eine Gruppe von Sherpas bereits den Weg auf den Berg erschlossen. So konnte sie in einem Jahr sogar drei Achttausender fürs Album „sammeln“. Von Seiten Gerlindes oder Nives‘ habe ich nie ein Wetteifern verspürt. Ich weiß, wie viel Anstrengungen es uns allen gekostet hat, um bis zur Möglichkeit zu kommen, die Erste zu sein. Auf verschiedenem Niveau natürlich, weil Gerlinde technisch viel bewanderter war, doch weiß ich, wie mühevoll auch sie sich das Geld für die Expeditionen zusammensparen musste. Sie musste auf viele Dinge verzichten wie eine Beziehung oder ein Alltagsleben. Und als wir schließlich in der Zielgerade waren, Gerlinde, Nives und ich, kommt diese Koreanerin mit dem vielen Geld daher. Allein für die Expedition zum Annapurna hatte sie ein Budget von fünf Millionen Euro! Für eine einzige Expedition! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Geld gesehen, aber auch andere nicht. Natürlich begann auch in uns das Ego zu arbeiten. Wir hatten hart gearbeitet, um es bis hierhin zu schaffen.

Habt ihr versucht, die Expeditionen zu beschleunigen, damit sie euch nicht nachkommen konnte?

Wir begannen keinen Wettkampf, wir dachten nur, es wird so kommen, wie es kommen soll. Schließlich hat sie es als erste geschafft. Sie war aber mit dem letzten noch nicht fertig, als man schon tuschelte, dass sie bei einigen Achttausendern gar nicht auf dem Gipfel war. Deshalb verlangte selbst der eigene Kletterverband von ihr, als sie wieder zuhause war, die Gipfelfotos vorzuzeigen. Dazu war sie jedoch nicht imstande. Was doch ein wenig eigenartig ist, weil du ja, wenn du schon mit jemanden wettstreitest, deine Leistung auch beweisen willst. Man drängte sie so lange, bis sie einige Fotos zeigte, doch auf einigen war erkennbar, dass sie nicht auf dem Gipfel gemacht worden waren. Wir wissen, wie diese Gipfel aussehen, und dass die Gipfelfotos von dir oder mir genauso aussehen würden. Als wir sie zur Rede stellten, antwortete sie, dass es kein Gipfelfoto gibt, weil sie erst 100 Meter unter dem Gipfel Fotos machte. Das ist Unsinn. Man macht doch das Foto nicht 100 Meter unter dem Gipfel, wenn man eine Karriere auf die Tatsache aufbauen will, dass man die Erste ist, die alle vierzehn Achttausender bestiegen hat. Das war weder für die Bergsteiger, für den Himalaya, noch für die Frauen eine schöne Geschichte. [Oh Eun-Sun gab später zu, dass sie am Kangchendzönga unterhalb des Gipfels umgekehrt war, damit sollte der Streit entschieden sein. Doch die Besteigung wurde von den bekannten Himalayachronistin Elizabeth Hawley nicht aberkannt, sondern nur als „Strittig“ gekennzeichnet.]

Wenn es sich nicht um Achttausender handelt, interessiert das niemanden.

Ist es schwieriger als Frau Sponsoren zu finden?

Es ist im Allgemeinen schwierig, Sponsoren für Freizeitaktivitäten zu finden. In Spanien wird alles Geld für den Fußball verwendet. Wir hatten viel Glück. Ich kann aber nur in meinem eigenen Namen sprechen, aber vielleicht hat das auch Gerlinde bestätigt, dass wir ins Rampenlicht rückten, als man anfing, die weibliche Kletterei ernster zu nehmen und sie an Beliebtheit gewann. So konnten wir Unterstützer finden, viel wichtiger war jedoch, was ich anbieten konnte. Das Projekt, dass ich die erste Frau sein könnte, die alle vierzehn Achttausender besteigt, klang doch sehr gut. Bei der Sponsorensuche ist immer das Dilemma, was man denn zu bieten hat. Willst du einen technisch schwierigen Sechstausender in China besteigen? Das interessiert kein Schwein. Nur die Achttausender und wer der Erste ist. Heute habe ich es mit der Sponsorensuche sehr schwer. Ich habe viele Ideen, Gerlinde und ich haben oft davon gesprochen, dass wir ein gemeinsames Projekt verwirklichen sollten – doch, wenn wir etwas gemeinsam machen wollen, müssen wir es ebenso mit eigenem Geld verwirklichen wie alle anderen. Es ist wirklich schwer, einen Sponsor zu fangen, auch wenn wir aus Bergsteigerperspektive einen interessanten Aufstieg verwirklichen könnten. Geht es nicht um Achttausender, interessiert das niemanden.

Es ist interessant, was du sagst, denn bei den Bergsteigern treten die technisch schwierigeren, niedrigeren Gipfel immer mehr in den Vordergrund. Mit dieser Information im Hinterkopf ist es interessant zu hören, dass sich die Sponsoren nicht für diese Touren interessieren. Natürlich liegt der Grund wahrscheinlich darin, dass die Öffentlichkeit nicht wirklich versteht, welche enorme Anstrengungen hinter solchen Erfolgen stecken.

Genauso ist es. Das Ganze liegt dem Durchschnittsmenschen so fern, dass er es nicht einschätzen kann. Für solche Verrückten wie wir es sind, ist das eine Sensation, doch wir Verrückten machen nur zwei Prozent der Bevölkerung aus. Die restlichen 98 % interessieren sich nicht dafür.

Glaubst du, dass deine Zusammenarbeit mit Haglöfs auch dazu beiträgt, das Bergsteigen beliebter zu machen? Die Kollektion, die deinen Namen trägt, folgt eher der Lifestyle-Linie, wie man sehen kann. So erreicht sie vielleicht eine größere weibliche Zielgruppe. Bist du der Meinung, dass sie hilft, deine Bekanntheit in Frauenkreisen zu erhöhen und damit auch die des Bergsteigens?

Eine so bekannte Marke trägt natürlich viel zu deiner Bekanntheit bei, insbesondere im Ausland. Im Inland ist es einfacher, bekannt zu werden, doch eine internationale Marke trägt eher dazu bei, dass man dich auch im Ausland kennt. Das hat den Vorteil, dass man zu mehr Vorträgen eingeladen wird, andere Vorteile sehe ich nicht wirklich. Aber auch das ist ok und eine Unterstützung durch solche Marken ist notwendig. Und ich denke, dass auch sie die Zusammenarbeit mit Sportlern, die Vorbildwirkung haben, benötigen.

Du hast auch ein eigenes Unternehmen, willst du uns darüber etwas erzählen?

Als ich vor vier Jahren mein Achttausenderprojekt beendete, begann ich zu überlegen, wie ich weitermachen könnte. Ich wollte auf jeden Fall auch weiterhin etwas mit Bergen und Bergsteigen machen. Also habe ich ein Reisebüro eröffnet, das auch Bergführer vermittelt und in den Pyrenäen und im Baskenland tätig ist. Mein Traum ist es, den Menschen meine Heimat zu zeigen, die Orte, an denen ich meine Liebe zum Klettern entdeckte. Es gibt hier wunderschöne Plätze, an denen man wandern, klettern und Schi fahren kann. Mein Büro bietet in diesen Themenbereichen verschiedene Touren an. Das ist nicht einfach, weil allen im Zusammenhang mit Spanien immer nur das Meer einfällt und auch der Staat in erster Linie diese Art von Tourismus dotiert und nicht das Bergwandern. Mit kleinen Schritten zwar und langsam, doch komme ich voran. Es kommen immer mehr Menschen aus Großbritannien und Skandinavien zu uns. Es ist nicht einfach, doch ich habe die einfachen Dinge niemals gemocht.

Wie sieht es mit Wintertouren im Himalaya aus? Hast du sowas schon versucht?

Heutzutage erhalte ich viele Angebote dieser Art. Viele meiner Freund beschäftigen sich damit wie Alex [Txikon] oder Simone [Moro]. Es ist schwierig, aber ich würde es gerne versuchen. Das Klettern im Winter wird immer beliebter. Früher bestieg kaum jemand sechstausend, siebentausend Meter hohe Gipfel, doch heute werden auch diese immer beliebter. Von den Achttausendern blieb nur mehr der K2 über, doch auch auf niedrigeren Bergen gibt es zahlreiche Herausforderungen. Die Zukunft des Bergsteigens geht, – wenn vielleicht auch nicht mehr für mich -, in diese Richtung. Man kann noch viele Ziele finden.

Wie denkst du über die kommerziellen Expeditionen auf die Achttausender?

Huhh, das ist eine schwierige Frage, die nicht einfach beantwortet werden kann. Einerseits gibt es sie schon, es gibt einen Markt dafür. Ich kann nicht sagen, dass sie schlecht wären. Wir leben in einer freien Welt, jeder hat das Recht, in die Berge zu gehen. Wenn jemand daherkommt und sagt, es ist sein Traum, den Mount Everest zu besteigen, auf welcher Grundlage kann man ihm das verbieten? Man müsste jedoch darüber nachdenken, was für Erfahrungen von den Teilnehmern gefordert werden, denn mit eigenen Augen habe ich gesehen, dass jemand im Basislager das erste Mal in seinem Leben Steigeisen anprobierte. Ich kann nicht sagen, dass die kommerziellen Expeditionen nicht gut wären. Viele kommen mit der abgedroschenen Phrase, dass dadurch die ursprüngliche Philosophie der Bergsteigerexpeditionen zerstört würde, daher… Ihnen würde ich sagen, wenn sie schon einen leeren Everest vor sich haben wollen, können sie ja die 10 der 12 Routen gehen, auf denen nie eine kommerzielle Expedition unterwegs ist. Außerdem muss man auch nicht im Frühjahr fahren, wenn sich dort Menschenmassen tummeln.

Hattest du je einen ernsthafteren Unfall in den Bergen?

Ich habe bei Expeditionen Freunde verloren, doch ich hatte zum Glück keine schwereren Unfälle und ich geriet auch nie in eine Lawine. Ich hatte wirklich riesiges Glück. Auf dem K2 sind mir aber zwei Zehen abgefroren. Als Sandalenmodell tauge ich also nicht mehr.

Welchen Rat würdest du jungen Frauen geben, die sich ernsthafter mit dem Bergsteigen befassen möchten?

Versucht es einfach und glaubt an euch! Oft verschwinden wir im Schatten der Männer, obwohl es zahlreiche Bergsteigerinnen mit herausragenden Fähigkeiten gibt. Wenn es dir gefällt und du es mir Leidenschaft machen kannst, höre nicht darauf, was andere denken oder sagen, auch wenn es deine Familie oder deine Freunde sind. Mache, was du gerne machst!

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