By Andras Kakuk | April 1, 2016 | Last update on Mai 11, 2016

Camp Matik Sicherungsgerät

Halbautomatisches Sicherungsgerät für jedermann, aber vor allem für Kletterer mit dünnem Seil

Ich hätte auch „idiotensicheres Sicherungsgerät“ als Titel wählen können, das wäre jedoch ein wenig stark gewesen. Unrichtig ist es aber nicht, denn Camp gibt mit dem Matik Anfängern (und Kletterern mit dünnem Seil) was ihr Herz begehren soll.

Äußerlichkeiten

Das Matik ist mit dem zugehörigen Karabiner einfach wunderschön anzuschauen. Daran konnten wir uns bei Camp schon gewöhnen, doch das strahlende Blau des Matik macht dieses zu etwas Besonderem. Nehmen wir es in die Hand, können wir sofort zwei auffällige Charakteristika feststellen. In dem Ding steckt anständig viel Material! Das Matik ist nämlich bedeutend schwerer als ähnlich große Geräte, die von mir in letzter Zeit verwendet wurden (CT Click-up, Alpine-up, Petzl Gri-gri 2).

Das ist wohl der Tatsache zu schulden, dass das Gehäuse aus einer Aluminiumlegierung gegossen wurde und das Innere aus Stahl besteht.

Das gibt einerseits ein Gefühl von Sicherheit, andererseits ist es eine schlechte Nachricht für Gewichtsfanatiker. Das Gewicht hat natürlich auch etwas mit der Verwendung zu tun. Heutzutage wird der Klettersport immer beliebter, ein Sport, der Großteils in Kletterhallen passiert. In der Halle oder beim Sportklettern können wir wirklich ein wenig Zusatzgewicht auf dem Altar der Sicherheit opfern.

 

Einhängen kann man es nur bei richtigem Gebrauch
Einhängen kann man es nur bei richtigem Gebrauch

Gebrauch

Beim ersten Gebrauch mag das neue Gerät ein wenig eigenartig erscheinen. Es liegt mir anders in der Hand als jene, an die ich mich bisher gewöhnt habe. Das Seil lassen wir durch den oberen Teil des Geräts gleiten (der Kletterer muss natürlich am entsprechenden Seilende sein, das ist aber ordentlich gekennzeichnet) und schlingen es um die innere, bewegliche Zunge.

Die erste Sicherungseigenschaft zeigt sich gleich hier. Wir können den Karabiner nämlich nicht ins Gerät einhängen, solange die Zunge nicht am für sie vorgesehenen Ort ist!

Sicherung des Vorsteigers

Während der Verwendung hatte ich den Eindruck, dass das Gerät eher für Anfänger erdacht wurde. Ich kam zu dieser Ansicht, weil man ganz einfach Seil geben kann, solange der Vorsteiger in angenehmen Tempo unterwegs ist. Vorne ziehen wir einfach am Seil und mit der Bremshand geben wir Seil aus. Eine weitere Voraussetzung für einen effektiven Bewegungsablauf ist ein gutes und in der Größe passendes Seil. Es darf maximal 9,6 mm dick sein, obwohl man auch ein Seil mit 10,5 mm Durchmesser verwenden kann. Dieses wird sich aber oft verklemmen, sein Gebrauch ist alles andere als optimal. Wenn das Seil auch nur ein wenig klemmt, vermag man kein Seil mehr zu geben.
Wenn man das Seil dynamisch, schnell ausgeben muss, sieht man sich beim Camp Matik mit mehr Fummelei konfrontiert als bei den bisher auf dem Markt befindlichen Geräten.

Wenn man das Seil dynamisch, schnell ausgeben muss, muss man auf die bewegliche Zunge drücken, damit das Seil schnell durch das Gerät laufen kann. Wir sind versucht, das mit unserer Bremshand zu machen, irgendwie geht es leichter von der Hand, wenn wir das Bremsseil auslassen. Brrrr! Nein, das dürfen wir nicht!

Bei der richtigen Technik wickeln wir viel Seil auf, nehmen es in die Hand und drücken gegen die Zunge. Vom Seil geben wir dann unserem Vorsteiger. In unserem Fall ging das Manöver ein wenig stockend vor sich, weil die Handgriffe nicht schnell genug waren, um dem Kletterer folgen zu können.

In Verwendung
In Verwendung

Ablassen

Die Hauptfunktion des Matik ist, und das unterscheidet es im Wesentlichen von der Konkurrenz, die Anti-Panik-Funktion. Ablassen können wir auf zweierlei Art:

Mit dem Hebel an der Seite des Matik, den wir in unsere Richtung ziehen und somit das Seil und unseren Kletterpartner ablassen. Wenn wir den Hebel zu weit ziehen, dient er als eine Art Notbremse. Das ist ein großer Unterschied, da bei mehreren ähnlichen Produkten, wenn jemand nicht erfahren genug ist oder Gott behüte! in Panik verfällt und in einer Notsituation (Fall) stark am Gerät zieht, das Gegenteil geschieht. Das Seil gleitet dann schnell durchs Gerät und unser Partner stürzt ab. In den von mir besuchten Kletterhallen sind solche Unfälle schon vorgekommen, deshalb ist die Verwendung von automatischen Geräten dort verboten.

Während des Gebrauchs merkten wir, dass der Hebel sehr sensibel ist und man ihn leicht – das wird von einem Klicklaut verdeutlicht – über den toten Punkt hinüberziehen kann. Besonders nachteilig war diese Sensibilität bei der Verwendung eines dickeren Seils. Wenn das Seil klemmt, ist die Verwendung des Hebels nicht möglich, da er wegen des verklemmten Seils sofort in die Anti-Panik-Funktion, über den toten Punkt, springt. Durch kurze Übung können wir uns den entsprechenden Gebrauch rasch aneignen, besonders, wenn wir das optimale Seil verwenden.

Wenn wir den Hebel nicht verwenden, sondern nur auf die Zunge drücken, gibt es keine Anti-Panik-Funktion. Das könnte die Lösung in jenem Fall sein, wenn das Ablassen mit dem Hebel wegen des klemmenden Seils nicht funktioniert. Während der Versuche drückte die Zunge störend und schmerzhaft auf meinen Finger.

Neben dem unangenehmen schneidenden Gefühl hat diese Technik noch den Nachteil, dass wir ohne Anti-Panik-Funktion ganz leicht einen Unfall verursachen können. Deshalb sollten wir beim Sichern diese Funktion ganz schnell vergessen.

Diese Technik haben wir aber auf jeden Fall anzuwenden, wenn wir unseren Kletterpartner schon zu Boden abgelassen haben und wir ihm genügend Seil geben müssen, damit er das Gerät abnehmen kann.

Weil mehr Augen mehr sehen, lieh ich das Gerät Balázs Erdélyi, der als Klettertrainer und Tourenführer bekannt ist.

„Voller Neugier nahm ich das halbautomatische Sicherungsgerät Matik von Camp in die Hand. Im Vergleich zum Grigri, das von mir oft benützt wird, ist die große Neuigkeit die Anti-Panik-Funktion. Beim Ablassen des Kletterpartners muss man einen Hebel nach hinten ziehen. Wenn wir den Hebel auslassen, blockiert das Seil, und wenn wir ihn überziehen, dann auch. Früher geschahen Unfälle, weil man den Hebel überzog, diese Gefahrenquelle wurde von den Entwicklern durch diese Funktion behoben.
Das Matik wurde laut Abbildung auf dem Gerät für Seile mit der Stärke 8,6 – 10,2 mm gemacht. Am besten funktioniert es mit 8,6 – 9,6 mm dicken Seilen, auch mit Seilen von 9,6-10,2 kann das Gerät gerade noch verwendet werden.
Ich testete das Gerät mit einem relativ neuen Tendon Hattrick 9,7er Seil beim Vorsteigen.
Beim Aufstieg in normalem Tempo funktionierte alles ohne Probleme. Als dem Vorsteiger plötzlich Seil zu geben war, z. B. beim Umhängen, verklemmte sich das Seil leicht. Man muss bei der Sicherung genau auf den Kletterer achten und darf keine plötzlichen Bewegungen machen.
Beim Ablassen bedarf es auch entsprechender Aufmerksamkeit, denn man kann den Hebel leicht „überziehen“. Wenn wir den Kletterer zu Boden abgelassen haben, kann es noch ein kleineres Problem verursachen, genügend lockeres Seil zu geben.“

Der effektive und angenehme Gebrauch des Geräts hängt eindeutig mit der Dicke des Seils zusammen. Unter 9,6 mm ist es ein herausragendes Gerät, in erster Linie für langsamere Kletterpartien. Nach einer schnellen Google-ei können wir sagen, dass in den Webshops heute Seile, dicker als 9,6 mm, in der Überzahl sind, aber langsam Seile dünner als 9,6 mm zum Gipfelsturm ansetzen. Mammut, Edelrid, Beal bieten bereits 9,5 mm dicke Seile an, einige Hersteller haben sogar Seile unter 9 mm im Programm.

Je dünner ein Seil, desto schwieriger ist es, den Kletterpartner mit klassischen Sicherheitsgeräten zu halten und hier kommen dann die halbautomatischen Geräte ins Spiel. Bei einer Seildicke unter 9,6 mm würde ich auf jeden Fall ein halbautomatisches Gerät benützen und das Matik ist beim Sportklettern hier der Jolly Joker.

Durch die Anti-Panik-Funktion würde ich mich mit dem Matik, ohne zu zögern, auch einem Anfänger anvertrauen, also selbst meiner Ehegattin.

Das Matik bringt also nur Gutes: meine Klettertechnik verbessert sich und auch unsere Beziehung erreicht bald unerwartete Höhen.

Offizial video

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