By Paraferee | September 4, 2015 | Last update on Oktober 22, 2015

Die große Rucksack-Schau – OutDoor 2015

Die unrealistisch riesigen Modelle mit 100-150 Litern Inhalt sind verschwunden.

Im Aufgebot der OutDoor-Messe ist eine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr im Segment von Rucksäcken über 65 Litern augenscheinlich: die unrealistisch riesigen Modelle mit 100-150 Litern Inhalt sind verschwunden.

Angesichts der ausgestellten Rucksäcke hatte ich den Eindruck, dass die Hersteller besonders im 35-50 Liter Segment und den Nutzern dieser Größen den großen Hoffnungsmarkt sehen. In diesem Segment gab es nämlich riesige Auswahl und viele Innovationen. Diese Rucksäcke werden von Menschen benutzt, die 2-3-Tagestouren unternehmen, also vom Großteil der Wanderer und Biker. Wir suchten demgegenüber aber ein Produkt, das für größere, mehrtägige Touren geeignet ist.

Je ein Model von 7 Herstellern haben wir genauer beäugt und zwar bezüglich – Packbarkeit, – Verstellbarkeit, – Wasserdichtheit, – Tragekomfort, – leicht erreichbarer Taschen, – Gewicht und – Extras Unsere ersten Eindrücke haben wir hier zusammengefasst.

Mountain Hardware – South Col™ 70 OutDry

Ein großer Name mit Tradition in der Outdoor-Welt! Also stürzten wir uns wie schlafwandelnde Zombies auf den Stand, wo in militärischer Reihe die Rucksäcke stramm standen, jeder mit einer OutDry-Zettelchen versehen. Die derartige Betonung des Membran-Materials, aus dem die Säcke gefertigt sind, ist kein Zufall. Die Rucksäcke erhalten diesen wasserfesten und atmenden Überzug von innen, deshalb wird der Inhalt garantiert nicht nass, ohne sich mit einer Regenhülle herumschlagen zu müssen. Dieses Membranmaterial wird wie ein zusätzlicher Sack in den fertigen Sack gesteckt und draufgeschmolzen. Der Nachteil dieses Verfahrens ist jedoch, dass der Sack nirgendwo „durchtrennt“ wird, also ausschließlich von oben befüllt werden kann. Auch die übliche innere Einteilung von 2/3 – 1/3 ist in diesem Rucksack nicht zu finden. Der Rücken kann nicht individuell eingestellt werden, der Rucksack ist jedoch in zwei Größen erhältlich, also doch irgendwie „individualisierbar“, egal ob wir 187 oder gerade mal 155 cm groß sind. Auf dem Hüftgurt – der übrigens nicht elastisch ist, weshalb er beim Balancieren, Bücken unsere Taille fest umklammert, was sehr unangenehm sein kann – befindet sich keine Tasche, aber zwei Schlaufen, an denen man eine Feldflasche oder anderes befestigen kann. Dem Sack fehlen die üblichen zwei kleinen Seitentaschen, doch gibt es Kompressionsriemen. Der Rücken ist dünn und hart gepolstert. Mit seinen 1,66 kg Gewicht gehört dieser Sack zu den leichteren Exemplaren. Wegen seiner minimalistischen Ausgestaltung und der Tatsache, dass er wegen seiner Wasserdichtheit nur von oben befüllt werden kann, gingen unsere Meinungen auseinander.

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Karrimor – Jaguar 65

Hier handelt es sich wohl um den Rucksack mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis, den wir auf der Messe entdeckt haben. Nachdem ich schon seit einiger Zeit den Vorgänger des Jaguar 65 (Tryfan) in alle möglichen und unmöglichen Lebenslagen mitnehme und sehr zufrieden bin, war ich sehr neugierig, was der britische Produzent wohl an neuem zu bieten hätte. Die 2/3 – 1/3 Fächer können wie üblich durch eine obere und untere Öffnung, in diesem Fall aber auch von vorne befüllt werden. Im Übrigen kann bei letzterem, wenn wir den Reißverschluss rundum öffnen, der Deckel der Öffnung abgenommen werden und der Rucksack als kleiner Rucksack verwendet werden, der für kurze, für Tagestouren ausreicht. Die Rückenhöhe ist durch das supereinfache SA-System (Size Adjustable, davon schon die dritte Generation) leicht individuell einstellbar. Vor Regen können wir den Sackinhalt mit der Regenhaut schützen, die sich an der Unterseite verbirgt. Der Hüftgurt ist nicht elastisch, er ist hart und dick gepolstert. Auf dem Gurt befindet sich eine Tasche mit Reißverschluss. Unter der Klappe des Rucksacks gibt es eine Durchführung für einen Flüssigkeitsbehälter. 1,7 kg – was hinsichtlich der Rückenverstellbarkeit und der vielen kleinen Taschen insgesamt ein hervorragendes Gewicht ist.

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Berg – Guide Pro 65

In Mitteleuropa kennt man diese portugiesische Marke kaum, was nicht weiter verwundert, da es sie erst seit rund 10 Jahren gibt. Unter all den genauer betrachteten Modellen war dieses das am wenigsten innovative (null), was die Details oder die Form betrifft. Ein wirklich klassisches Stück, bei dem, als wir es genauer betrachteten, ungewollt der Satz: „Der ist aus den 90ern übrig geblieben“ meinen Mund verließ. Die traditionellen 2/3 – 1/3 Fächer können von oben und unten befüllt werden. Der dünn gepolsterte Rücken kann in der Höhe nicht verstellt werden. Auf beiden Seiten des Sacks befindet sich eine riesige Tasche aus Netzmaterial, in der auch eine anderthalb Liter Leichtflasche ohne Probleme Platz hat. Der Hüftgurt ist nicht elastisch, jedoch sehr breit gepolstert, wodurch das Gewicht, das auf der Hüfte lastet, gut verteilt wird. Auf beiden Hälften des Hüftgurts gibt es eine Tasche mit Reißverschluss, was selten vorkommt. Gewicht: 1,7 Kilo – ein Leichtgewicht.

Vaude – Astrum 70

Dieses Unternehmen hat eine lange Geschichte und legte in den letzten Jahren seinen Schwerpunkt auf das „Grünwerden“. Deswegen ist der ökologische Fußabdruck, den die Produktionsverfahren und die Herstellung der Materialen für die Rücksäcke hinterlassen, von Mal zu Mal kleiner. Hinter einem gigantischen Monitor, der zum Präsentationstisch umgebaut wurde, gab es natürlich auch die Produkte selbst. Wir konnten den schönen Astrum mit seiner klaren Formgebung also auch in natura betrachten. Der riesige Sack verfügt über die übliche 2/3 – 1/3-Einteilung und kann von oben und unten befüllt werden. Seine Rückenhöhe ist individuell einstellbar. Die gesamte Rückenstruktur ist entsprechend dick, dennoch hart gepolstert. Seitlich ist am Rumpf je eine Tasche zu finden. Die Taschen können auch, wenn man den Sack trägt, befüllt werden, da die Öffnungen ein wenig nach vorne zeigen. Der besonders dick gepolsterte Hüftgurt – an dem sich eine Tasche befindet, ist nicht elastisch. Als Regenschutz für unsere Sachen dient die übliche Regenhaut. Mit seinen 2,6 Kilo ist er ein richtiger Bomber…

Thule – Versant 70

Die gesamte Redakt ion liebt das skandinavische Design, seien es nun Kleidung oder Accessoires – wie z. B. Thule-Rucksäcke. Das heurige große Modell haben wir bereits getestet, doch angesichts der Säcke des nächsten Jahres blickten wir den nächsten Tests schon sehnsüchtig entgegen. Der Versant hat klare Formen, auf den ersten Blick hebt er sich im Gesamteindruck nicht sonderlich von den anderen Rucksäcken ab (obwohl das Pastell-Stahlblau und Ockergelb wunderbar getroffen wurde). Das Hauptfach des Sacks ist im üblichen 2/3 – 1/3-Verhältnis geteilt und kann von oben, vorne und unten befüllt werden. Der obere Teil, der voller Taschen ist, kann für kleinere Touren in eine Schultertasche verwandelt werden. Die Einstellbarkeit erschöpft sich nicht in der Einstellung der Rückenhöhe. Auch die Länge des Hüftgurts kann verstellt werden! Letzterer gibt übrigens nicht nach wie beim getesteten 2015er Modell, ist aber minimal beweglich. Auf dem linken Schultergurt befindet sich ein neu entwickeltes Schnallensystem, mit dem man eine Extratasche, einen Landkartenhalter oder eine Feldflasche befestigen kann. Auf dem Torso befinden sich die üblichen zwei Seitentaschen, die, wenn man sich leicht nach vorne neigt, leicht bepackt werden können. Man kann also auch während des Gehens einfach eine Flasche entnehmen und wieder zurückstecken. Das Material ist nicht wasserfest, wir erhalten dazu jedoch eine Regenhülle. Der Sack ist rund 2 Kilo schwer. Damit gehört er nicht zu den leichtesten, die praktischen Lösungen, die an ihm zu finden sind, wiegen diese paar hundert Gramm mehr an Gewicht jedoch auf.

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Ferrino – Radical 80

Die Kinnlade, die uns hinuntergefallen ist, liegt wohl immer noch irgendwo auf der Stand des italienischen Unternehmens herum. Der Hersteller, der außerhalb Italiens weniger bekannt ist, kann auf eine mehr als 140-jährige Geschichte zurückblicken. Wir gingen zum Stand in der Erwartung, weitere Dutzendware präsentiert zu bekommen. Stattdessen sahen wir einen überaus leichten und außergewöhnlich minimalistischen Rucksack, mit dem wir, nachdem wir uns vom großen Staunen erholt hatten, im ersten unbeobachteten Moment davonlaufen hätten wollen. Der Radical wurde aus einem Leinenstoff namens Cubic Tech gefertigt, der superreißfest und superleicht ist (und auch leicht durchsichtig, deshalb muss man darauf achten, wohin man die dreckigen Unterhosen packt). Dieser Rucksack erhielt eine sehr dünne Rückenpolsterung – in das minimalistische Konzept passte auch keine Höhenverstellung für den Rücken mehr. Die Schultergurte und der Hüftgurt sind ungefähr 4-5 mm dick. Die üblichen 2/3 – 1/3 Fächer können von oben und von unten bepackt werden. Der Hüftgurt ist nicht elastisch, doch befindet sich auf ihm eine kleine Tasche mit Reißverschluss. Dieser Sack benötigt keine Regenhülle, da das Material wasserfest ist. Und das Gewicht…??? Der 80 Liter große Sack wiegt insgesamt nur 900 Gramm! Jawohl, nicht einmal ein Kilogramm.

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Tatonka – Hinterland 70

Im gesamtem Ausstellungsbereich waren, wohin man auch blickte, Plakate mit dem neuen Rückensystem von Tatonka, dem X Vent Zero Plus, affichiert. Auch auf verteilten Magazinen und in Prospekten war es abgebildet. Es berührt den Rücken kaum (vom oberen Ende der Schultergurte zieht sich schmaler, 1 cm breiter Streifen aus Netzmaterial bis zur Hüfte hinunter, wo die schmalen Streifen sich dann verbreitern). Verständlicherweise sind wir da neugierig geworden. Natürlich erhielt die Kategorie, die wir genauer betrachteten, dieses System nicht – nur die Säcke unter 50 Liter Fassungsvermögen -, dennoch probierten wir es aus und waren verwirrt, nachdem es zu sehr eigenartigen Empfindungen rund um die Schulterblätter führte. „Unser“ Hinterland-Rucksack erhielt aber das neue Rückensystem nicht, sondern nur die übliche dünne Polsterung und Rückenverstellbarkeit. Die riesigen Fächer können im 2/3 – 1/3-Verhältnis geteilt und von oben und unten bepackt werden. Das Verstauen von kleineren Dingen wird durch eine Tasche auf beiden Seiten des Rumpfes erleichtert. Es verursacht kaum zusätzliche Produktionskosten, doch auf dem Berg können die zwei Schlaufen oben auf dem Sack (eine an der üblichen Stelle beim Rücken und eine vorne) beim Packen eine große Hilfe sein. Der Hüftgurt gibt nicht nach und leider befindet sich auch keine Tasche auf ihm. Eine Regenhülle schützt die Sachen vor allem Guten, das von oben kommt. Er ist ein Schwergewicht, bringt er doch schon leer 2,5 Kilo auf die Waage.

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Nach Abwägung aller Pros und Kontras kamen wir einstimmig zu dem Schluss, dass der Thule- Rucksack wohl die erste Wahl ist. Er hat es uns sowohl in der Funktionalität wie auch im Design angetan.

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ÜBER TEST UND TIPPS

Hier findest du wahre Meinungen von Outdoor Freaks, die nicht nur das Positive erzählen. Wenn wir aber sagen, dass ein Produkt cool ist, kannst du es ruhig glauben.

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