By Pintér László | Februar 5, 2018 | Last update on Februar 26, 2018

Elisabeth Revol: Überleben ist wichtiger als der Gipfelsieg

Exklusives Interview mit einer der stärksten Vertreterinnen der kleinen Elite von Höhenbergsteigerinnen, die heuer innerhalb dreier Wochen neben dem Nebengipfel des Makalu und dem Lhotse fast auch den Everest geschafft hätte – ohne Sauerstoff und ohne Sherpas.

Elisabeth Revol machte im Jahr 2008 das erste Mal auf sich aufmerksam, als sie innerhalb von 16 Tagen ohne Hilfe von Sherpas oder Sauerstoff den Broad Peak (8051 m) sowie den Gasherbrum I (8068 m) und Gasherbrum II (8035 m) im Alpinstil bestieg. Letztere zwei erklomm sie außerdem in der Rekordzeit von 52 Stunden, ohne ins Basislager zurückzukehren. Später dann bezwang sie den Ostgipfel des Annapurna, während des Abstiegs verlor sie jedoch ihren Kletterpartner Martin Minarik. Das nahm sie seelisch so mit, dass sie jahrelang nicht mehr auf hohe Berge ging. Sie nahm stattdessen an Adventure Racing-Bewerben (Raids) teil, bei denen sie ernst zu nehmende Erfolge erzielte. Mit dem Lafuma-Team wurde sie Europameisterin, bei der Weltmeisterschaft erreichte sie den fünften Platz. Sie standen bei zahlreichen traditionellen Raid-Bewerben auf dem Stockerl.

2013 rief sie ihr Herz jedoch zurück in den Himalaya. Sie versuchte sich mehrere Male am winterlichen Nanga Parbat, wo sie 2015 mit Tomasz Mackiewicz im alpinen Stil die 7800 Meter erreichte.
       

Heuer war der Makalu ihr erstes Ziel, doch wegen des ungünstigen Wetters und des vielen Schnees gelang es ihr nur, den Nebengipfel des 8485 Meter hohen Bergs zu erreichen. 12 Tage später erreichte sie den 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse. Auch diesen bestieg sie ohne Hilfe von Sherpas und ohne Einsatz von Sauerstoff.

Nach einigen Tagen Pause versuchte sie sich auch noch am Everest, ebenfalls ohne zusätzlichen Sauerstoff. Doch wegen des starken Winds wurde nichts daraus: Nach sieben Stunden Aufstieg kehrte sie auf 8400 Metern um.

An jenem Tag brachen viele auf der normalen Südroute ohne Sauerstoff auf den Everest auf, von all den Gipfelstürmern gelang es jedoch nur dem Österreicher Hans Wenzl, den Gipfel zu erreichen. Der Franzose Yannick Graziani kehrte um, der Katalane Ferran Latorre griff zum Sauerstoff, damit er endlich auch den vierzehnten Achttausender als erledigt verbuchen konnte.

Auf der Nordseite versuchten ebenfalls vier Bergsteiger an jenem Tag den Aufstieg: zwei Amerikaner – Cory Richards (er griff auf 8600  m zum Sauerstoff) und Adrian Ballinger (er erreichte mit Unterstützung seiner Mitkletterer, die Sauerstoff benützten, den Gipfel); weiters der Deutsche Ralf Dujmovits, der es auch beim achten Versuch nicht ohne Sauerstoff auf den Everest schaffte. Und dann war da noch Kilian Jornet, der katalanische Bergläufer. Er stellte fast den Geschwindigkeitsrekord ein. Vom Basislager aus erreichte er nach 17 Stunden, am Abend, den Gipfel. Er hatte innerhalb von 6 Tagen, den höchsten Punkt der Erde schon das zweite Mal erreicht.

Elizabeth war überaus enttäuscht, dass sie umdrehen musste, da sie sich sehr stark fühlte. Der Wind war jedoch einfach zu extrem gewesen. Im Internet beschrieb sie die Situation folgendermaßen:

Der plötzlich aufkommende Wind und der Schnee fühlen sich an, als würde man dir Steine ins Gesicht werfen. Innerhalb eines Augenblicks sitzt du auch schon in der Falle. Es ist wirklich schade, denn die Höhe hätte mir nichts ausgemacht.

Wir haben uns mit der fröhlichen und sehr direkten französischen Bergsteigerin, die ihre Freunde einfach nur „Zab“ nennen, vor kurzem auf der deutschen Outdoor-Messe unterhalten. Revol hat sich für uns viel Zeit genommen, deshalb konnten wir sie nicht nur zum Everest befragen, sondern erfuhren auch viel über ihren Lebensweg bis zum Himalaya.

Testundtipps: Dein Everest-Erlebnis ist noch relativ frisch, beginnen wir damit. Du hast in kaum drei Wochen fast drei der fünf höchsten Gipfel der Welt ohne Sauerstoff bestiegen. An einer Aufgabe wie dieser versuchen sich nur wenige, wie bist du auf die Idee gekommen?

Elisabeth Revol: Es war ein großartiges Erlebnis für mich. Ich war damals das erste Mal wirklich in großer Höhe. Davor hatte ich natürlich schon einmal die achttausend Meter erreicht, aber 8500  m sind schon eine ganz andere Geschichte. Meine Absicht war, so hoch wie möglich zu kommen und nacheinander zwei Achttausender zu besteigen. Schließlich wurden fast drei daraus. Ich lernte nämlich auf dem Makalu ein Mädchen kennen, dem ich erzählte, dass seit meiner Jugend einer meiner größten Träume sei, den Everest zu besteigen. Sie sagte: „Ich bezahle dir die Gipfelgebühr, steig auf den Everest!“

Dann war also der Everest ursprünglich gar nicht geplant? Wer war die Wohltäterin?
Nein. Ursprünglich wollte ich den Makalu und den Lhotse besteigen. Nachdem ich dieses Mädel getroffen hatte, wurde jedoch noch ein Gipfel ins Programm aufgenommen. Sie heißt Masha Gordon, verfügt über eine Stiftung, die den Spitzenalpinismus von Frauen in der ganzen Welt unterstützt. Sie fördert besonders die Erstbesteigungen oder Projekte, die versprechen, auf irgendeine Art ein historischer Meilenstein zu sein.

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#ThisGirlCanClimb

Maria „Masha” Gordon ist eine 42 Jahre alte, erfolgreiche Geschäftsfrau mit mehreren Abschlüssen, Mutter zweier Kinder, eines sechsjährigen Sohns und einer achtjährige Tochter. Sie war als Journalistin bei der Washington Post tätig und setzte ihre Arbeit im Finanzsektor fort. Sie leitete das Asset Management von Goldman Sachs, das lässt in etwa erahnen, um welches Kaliber von Businesswoman es sich bei ihr handelt. Als Kind war sie bei den Leistungsprüfungen im Turnunterricht immer durchgefallen und auch mit 30 Jahren konnte sie keine fünf Kilometer laufen. Nach der Geburt ihrer Kinder, in der plötzlich fast unendlichen „Freizeit“, besann sie sich auf einen aktiveren Lebensstil, den sie ziemlich ehrgeizig anlegte. Derzeit ist sie die schnellste Frau auf den Seven Summits (238 Tage, 23 Stunden und 30 Minuten), außerdem hat sie auch den Grand Slam der Entdecker (Explorers Grand Slam) geschafft: die Seven Summits und die schnellste Frau am Nord- und Südpol (dafür reicht es, die letzte geografische Breite mit Schiern oder zu Fuß zu erreichen). Das machte sie aber alles nicht nur zum eigenen Vergnügen. Mit diesen Leistungen will sie junge Mädchen, auch die eigene Tochter dazu inspirieren, in freier Natur Sport zu treiben, auf Berge zu steigen, weil das die Führungsqualitäten entwickelte, die Ausdauer und das Selbstvertrauen. Über die Stiftung gibt es hier mehr zu erfahren. Die Stiftung verfügt sogar über einen eigenen Hashtag: #ThisGirlCanClimb

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Wegen des Wetters schaffte ich es schließlich nicht auf den Gipfel des Everest und kam ziemlich enttäuscht wieder herunter. Nach einem Abenteuer wie diesem brauchte ich ein wenig Zeit, um die Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen und die ganzen Kletterpartien zu überdenken. Rückblickend kann ich jetzt aber sagen, dass es zweifellos ein sehr gutes Erlebnis war und kein bisschen Bitterkeit in mir steckt wie unmittelbar nach dem Everest.

Elizabeths Video aus dem Himalaja:

Das war aber nicht die erste große Unternehmung in der Welt der Achttausender. Vor vielen Jahren warst du auf der Gasherbrum-Gruppe unterwegs.

Ja, 2008. Das war mein erstes Erlebnis in wirklich großer Höhe. Bis dahin war ich nur auf 6500  m gewesen, in Südamerika. Ein Freund erzählte von seinem Projekt im Baltoro-Gebiet, damals war er vom K2 zurückgekehrt. Er hat mir praktisch angeboten, dass ich, wenn ich Lust dazu hätte, mit ihm kommen könnte. Ich habe natürlich ja gesagt. Schon seit meiner Jugend hatten mich Hochgebirgstouren fasziniert. Damals war ich 28 Jahre.

War das Bergsteigen der erste Sport, der dich so richtig faszinierte?

Nein. Ich habe als Turnerin begonnen und diesen Sport auch bis zu meinem 18. Lebensjahr als Wettbewerbssport betrieben. Dann schrieb ich mich auf der Uni ein, wo ich einen Haufen Bergsteiger kennenlernte. Viele von ihnen waren Mitglieder des Bergsteigerklubs. Mit ihnen bin ich in die Berge gestartet. Die folgenden sechs Jahre war ich fast ständig auf dem Berg. Ich machte bei der Ausbildung für junge Alpinisten des französischen Bergsteigerbunds mit. Die ersten zwei Jahre kletterst du da mit einem Führer, du lernst die verschiedenen Kletterarten kennen vom Felsklettern bis zum Eisklettern und zum Schluss gibt es eine gemeinsame Expedition. So bin ich dann nach Südamerika gelangt. Und schon war mein Schicksal besiegelt.

Eine Zeitlang hast du dann den Bergen den Rücken gekehrt und dich bei Adventure-Racing-Wettkämpfen herumgetrieben. Was war der Grund dafür?

2009 war ich mit Martin auf dem Annapurna East, wo er das Leben verlor. Da habe ich dann völlig mit dem Klettern aufgehört, vier Jahre lang bin ich auf keinen Berg gegangen, ich fühlte mich äußerst übel. Mein Kopf war voller Fragen, aber keiner einzigen Antwort. Wenn dich aber die Höhe einmal erwischt hat, bist du abhängig und früher oder später ist einfach der Ruf der Berge zu laut, um ihm nicht zu gehorchen. Nach vier Jahren Pause entschied ich mich 2013, dass ich weitermache und mich im Winter am Nanga Parbat versuche. Der Nanga Parbat ist im Winter eine wirklich harte Nuss. Du verlierst schon alleine, weil du dort bist, im Basislager, einen Haufen Energie. Auf dem Berg erwartet dich dann der erbarmungslose Kampf mit der Kälte, der Höhe und dem Wind. Man braucht wahnsinnig viel Geduld und man muss auch Misserfolge einstecken können, was gar nicht einfach ist. Du brauchst eine sehr starke Motivation, sonst versuchst du es nicht noch einmal.



Wie schlecht war denn das Wetter am Tag vor deinem Gipfelversuch?

Am Nachmittag war das Wetter sehr schlecht. Am frühen Morgen war es dann nicht mehr schlimm. Ich bin um 4 auf und ging vom Lager 2 schnurstracks ins Lager 4. Ich war da viel weiter unten, deshalb weiß ich nicht, wie stark oben der Wind geblasen hat. Das schlechte Wetter kam immer zu Mittag, es war wirklich schlecht. Starker Wind, Schneefall. Über dem Lager 3 war der Sturm schon so stark, dass ich schließlich den Südsattel nicht erreichen konnte und die Nacht im Lager 4 des Lhotse, auf 7800 Meter, verbrachte. Am folgenden Tag (27. Mai, dem Tag von Elizabeths Gipfelversuch) verschlechterte sich das Wetter schon viel früher, in der Nacht, um 3 Uhr. Es war sehr kalt. Vielleicht hätte ich weitermachen können, doch versprach ich meinem Mann, dass ich nicht zu viel riskieren werde und hier weiterzumachen, wäre zu riskant gewesen.

Wenn du es deinem Mann nicht versprochen hättest, wärst du weitergegangen?

Nein. Ich habe ungefähr eine Stunde lang mit mir gekämpft, ob ich nun weitergehen oder umkehren soll. Ich bin nicht gesessen, sondern gegangen, aufgestiegen, hatte aber starke Zweifel. Mein Hirn drehte sich nur mehr um die Frage, wo ist die Grenze, wie sehr kann ich den Bogen spannen? Dann kam plötzlich ein unvorstellbarer Windstoß und ich beschloss, umzukehren. Natürlich beruhigte sich der Wind wieder ein wenig, aber wenn man sich entschieden hat, umzukehren, ist das beschlossene Sache. Und ich hatte keine Möglichkeit mehr, es nochmals zu versuchen. Ich war damals schon das dritte Mal innerhalb weniger Wochen in sehr großer Höhe und spürte beim Abstieg, dass ich sehr müde war. Ich hatte einfach keine Kraft mehr, es ein weiteres Mal zu versuchen.

Wie müde warst du, als du unten ankamst? Hattest du noch Kraftreserven, weil du ja nicht auf dem Gipfel gewesen warst?

Als ich umkehrte, begann ich die Müdigkeit zu spüren. Als ich im Lager 4 ankam, war ich schon ziemlich fertig. Aber da spielt ein starker mentaler Faktor mit. Beim Kehrtmachen ist das starke Motiv plötzlich weg und auch der Druck verschwindet. Du bist wütend, hast Fragen, kämpfst gegen den Sturm. Wenn du dann endlich das Zelt erreichst, ist die psychische Last gänzlich verschwunden und du fühlst, wie müde, wie ausgelaugt du bist.

Ich sprach mit Hans Wenzl (an jenem Tag war er der einzige Erfolgreiche von vieren, die versuchten den Gipfel zu erklimmen). Er erzählte, dass er eine Stunde lang auf 8500 Metern saß und wartete, bis der Wind nachließ, während die anderen entweder umkehrten oder zur Sauerstoffflasche griffen. Sowas habe ich noch nie gehört.

Hans ist sehr stark. Ferran (Latorre) griff zum Sauerstoff und auf der Nordseite tat es ihm Ralf (Dujmovits) gleich, nachdem er umgekehrt war. Für sowas musst du sehr stark sein. Ich wäre nicht imstande gewesen, eine ganze Stunde zu warten, bis sich der Wind beruhigt. Dadurch ist er dem Sonnenaufgang um eine Stunde nähergekommen, wodurch es ein wenig wärmer wurde und vielleicht war er deshalb imstande weiterzumachen.

Hast du es bereut, dass du umgedreht hast, als du hörtest, dass ihm der Aufstieg gelungen war?

Neeeeein…. (ein wenig unsicher), denn ich habe mich ja dazu entschieden umzukehren. Im Nachhinein denkst du natürlich darüber nach, was du hättest anders machen können. Wäre ich ein wenig später gestartet, hätte ich nicht in der größten Kälte mit dem Sturm kämpfen müssen. Meine Strategie musste ich jedoch an der Wettervorhersage ausrichten und die hatte gutes Wetter versprochen. Im Nachhinein kann man natürlich sagen, man hat einen Fehler begangen, aber da ist es halt schon zu spät.

Wenn bist du zum Gipfel aufgebrochen?

Am 26., um 9 am Abend. Aber nicht aus dem Lager 4 des Everest, sondern des Lhotse. Die Strecke von dort ist um anderthalb Stunden länger zum Südsattel. Heute bin ich davon überzeugt, dass ich zu früh aufgebrochen bin. Auf den Lhotse bin ich erst um 9 in der Früh gestartet. Dort hatte ich eine nicht allzu gute Nacht und war mir nicht sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, den Gipfelsturm zu wagen. In der Früh entschied ich mich dann aber, es zu versuchen. Zwischen 17 Uhr und 17.30 Uhr erreichte ich den Gipfel des Lhotse, der späte Start war also vollkommen in Ordnung. Wenn du auf dem Everest erst um 3 am Morgen losgehst, kannst du den kältesten Stunden ausweichen.

Das war auch die Strategie des Briten James Brooman, der zwei Tage vor deinem Gipfelversuch, am 25., es als Mitglieder der IMG-Expedition ohne Sauerstoff geschafft hatte. Außerdem berichtete er über Windstille, die 10-12 Stunden lang gedauert hatte und in diesem Monat eine seltene Ausnahme war. Er war auch sehr schnell, denn er schaffte es innerhalb von 8-8,5 Stunden auf den Gipfel.

Ja, das ist wirklich sehr schnell. Auf dem Everest sind 100 Höhenmeter pro Stunde sehr schnell.

Hans Wenzl brauchte beispielsweise fast 16 Stunden nur für den Weg hinauf. Er sagt aber, er hätte auch noch weiter aufsteigen können.

Ja, aber es war für alle ein großer Kampf. Wenn du gegen Wind und Kälte ankämpfen musst, zehrt das sehr an dir und du wirst langsam. Ist das Wetter schön, muss man sich nicht so plagen. Auf den Makalu sind wir am Abend, um 10 Uhr, aufgebrochen und in der Nacht war es sehr kalt. Auf dem Everest war der frühe Abmarsch wahrscheinlich ein Fehler. Doch diese Erfahrungen kannst du nur auf dem Berg machen und das war eben mein erster Versuch auf dem Everest. Der Everest ohne Sauerstoff ist eine ganz schöne Herausforderung. Ralf Dujmovits hat es acht Mal versucht. Doch die allerwichtigste Regel ist ausschließlich: Man muss heil wieder herunterkommen. Für einen Gipfelsieg muss alles bis ins kleinste Detail klappen. Du schaffst es nach oben nur, wenn du in perfekter körperlicher Verfassung bist, wenn du nicht krank bist, wenn das Wetter gut ist, wenn…, wenn…, wenn…

Und du kannst es nur dann noch einmal versuchen, wenn du am Leben bleibst.

Bist du professionelle Bergsteigerin oder arbeitest du auch neben dem Klettern?

Dieses Jahr habe ich mich von der Arbeit beurlauben lassen, um klettern zu können. Im Übrigen bin ich Sportlehrerin. Wahrscheinlich werde ich mich aber auch kommendes Jahr nur aufs Klettern konzentrieren. Danach muss ich aber wieder in die Arbeit zurückkehren. Ich habe einige Sponsoren, sie zahlen nur die Ausgaben im Zusammenhang mit den Expeditionen, fürs tägliche Brot muss ich selber sorgen. Heutzutage ist das mit den Sponsorverträgen nicht so einfach. In Frankreich gibt es derzeit keinen professionellen Bergsteiger, der nur von Sponsorgeldern leben kann. Die meisten arbeiten als Bergführer.

Wie sieht deine Trainingsarbeit aus, damit du so große Leistungen erbringen kannst?

Ich trainiere täglich zwei Mal. Ich laufe sehr viel im Gelände und fahre Rad. Am Morgen laufe ich im Allgemeinen, dann folgt das Intervalltraining. Am Nachmittag setze ich mich 2-3 Stunden aufs Rad. Daneben gehe ich 2 bis 3 Mal die Woche Bouldern. Das mache ich schon sehr lange, praktisch seitdem ich mit dem Höhenbergsteigen begonnen habe.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Willst du mich veralbern!? Ich bin gerade nach Hause gekommen.

Ich weiß, aber du hast sicher Träume, Ideen…

Vorerst kann ich nichts Konkretes sagen, das für die Öffentlichkeit bestimmt wäre. Natürlich habe ich Träume, wer hat die nicht! Ich möchte auf den Everest zurück und ohne Sauerstoff den Gipfel erreichen. Auch würde ich gerne über den Westgrat aufsteigen und nicht auf der normalen Route. Ein weiterer großer Traum ist das Everest-Lhotse-Doppel mit Berührung des Basislagers. Das ist ein wunderbarer Plan. Es ist ein sehr, sehr schweres Unterfangen, aber wenn du entsprechend vorbereitet bist und davor nicht noch einen 8400 Meter hohen Berg besteigst, kann es schon gelingen. Projekte wie diese finde ich aufregend. Vielleicht werde ich es schon im kommenden Frühjahr versuchen. Ich mag die Achttausender auch im Winter sehr gerne und möchte auch dieses Projekt zum Erfolg führen. Bisher habe ich vier Versuche unternommen, davon galten drei dem Nanga Parbat, zuletzt einer dem Manaslu, auf dem sieben Meter Schnee gefallen waren.

Wie sieht es mit dem K2 im Winter aus?

Der ist unmöglich. Er steht voll im Wind. Man bräuchte sehr gute Ausrüstung und eine große Mannschaft, außerdem kann man ihn nicht im Alpinstil besteigen. Man braucht fixe Seile; ich find es nicht sonderlich spannend, drei Monate lang Seile anzubringen und währenddessen im Basislager auf das richtige Wetter für den Aufstieg zu warten. Der K2 gehört nicht zu meinen Träumen. Und auch der Everest im Winter nicht. Ich möchte nur einen einzigen Achttausender im Winter, sonst nichts! Aber das ist halt sehr schwer.

Willst du alle Vierzehn besteigen?

Nein, das reizt mich vorerst nicht wirklich. Ich möchte im Alpinstil bergsteigen und das vielleicht im Winter. Dafür braucht es aber viel Zeit. Die Versuche gelingen oft nicht beim ersten Mal, deshalb braucht es viel Zeit. Wenn die 14 Achttausender das Ziel sind, muss man viel Kompromisse eingehen, denke ich, die normalen Routen nehmen und das Ganze einfach durchziehen. Das ist aber nicht mein Stil.

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