By Pressebüro Kammerlander/Walther Lücker | Juni 26, 2017 | Last update on Juni 26, 2017

Portrait Hans Kammerlander (Foto: Facebook)

Hans Kammerlander überrascht die Bergsteigerszene

Der südtiroler Extrembergsteiger kehrt zu den Achttausendern zurück

26 Jahre nach der Tragödie: Südtiroler Extrembergsteiger will noch einmal den Manaslu in Nepal versuchen

Hans Kammerlander will noch einmal auf die große Bühne der Achttausender zurückkehren. Der Südtiroler Extrembergsteiger, der im Dezember 2016 60 Jahre alt geworden ist und zwölf der vierzehn höchsten Berge der Welt bestiegen hat, kündigte nun offiziell an, im Herbst 2017 den 8156 Meter hohen Manaslu in Nepal besteigen zu wollen. Über drei Jahre nach seinem Rücktritt vom Höhenbergsteigen gilt dieser Entschluss in der alpinen Szene als große Überraschung.

Manaslu – der Schicksalsberg Kammerlanders

Viele Jahre hatte Kammerlander wiederholt betont, dass er nicht mehr zum Manaslu zurück möchte, weil er fürchte, „alte Wunden“ wieder aufzureißen. „Doch ich glaube, man muss sich auch einmal korrigieren können“, erklärte Kammerlander nun. Der Südtiroler, der 1996 als erster Bergsteiger der Welt mit Ski vom Gipfel des Mount Everest abfuhr, hatte sich schon einmal am Manaslu versucht, doch diese Expedition endete in einer Tragödie.

1991 und nachdem Kammerlander bereits sieben Achttausender zusammen mit Reinhold Messner bestiegen hatte, organisierte er zum ersten Mal selbst eine Expedition. Am 10. Mai brach er damals nach einer anhaltenden Schlechtwetterperiode vom Hochlager aus zusammen mit seinen beiden Bergführer-Kollegen Friedl Mutschlechner aus Bruneck und Karl Großrubatscher aus dem Grödnertal in Richtung Gipfel auf. Nachdem seine Begleiter den Aufstieg vorzeitig abgebrochen hatten, kämpfte sich Kammerlander im zunehmenden Sturm noch bis auf den Gipfelgrat, musste dort aber im Sturm ebenfalls aufgeben. Als er in das Hochlager zurückkam, fehlte von Karl Großrubatscher jede Spur.

Bald darauf jedoch stießen Kammerlander und Mutschlechner unterhalb der Zelte auf den Leichnam des Grödner Spitzenkletterers. Aus bis heute ungeklärten Umständen war er im Bereich eines Seracs abgestürzt. In einem immer stärker werdenden Schneesturm, der schließlich in ein Gewitterinferno mündete, kämpften sich die beiden Pustertaler Alpinisten Meter für Meter und Stunde um Stunde den Berg hinunter, bevor Friedl Mutschlechner tödlich vom Blitz getroffen wurde. Kammerlander überlebte die Nacht nur knapp.

Von den Ereignissen schwer gezeichnet kehrte Kammerlander nach Südtirol zurück und beschloss, den Manaslu nicht zu besteigen, auch wenn seine Sammlung an Achttausendern damit unvollständig bliebe. „Dieses Unglück lastete schwer auf mir – viele, viele Jahre lang“, sagt Kammerlander. 2007 erlebte der Südtiroler dann eine Tragödie von vergleichbaren Ausmaß.

Kammerlander verliert einen weiteren Freund

Damals kam bei dem Versuch einen unbestiegenen Grat am 7350 Meter hohen Jasemba in Nepal zu bezwingen, der Ahrntaler Bergführer Alois Brugger ums Leben. Ein Jahr später jedoch kehrte Kammerlander zusammen mit dem Grödner Bergführer Karl Unterkircher zum Jasemba zurück und vollendete die begonnene Route bis zum Gipfel.

„Danach verlor der Berg seinen Schrecken und der Tod des Freundes wurde wenigstens ein klein wenig erträglicher“, erinnert sich Kammerlander an seine Gemütsverfassung von damals.

Für den Manaslu hatte der Südtiroler Spitzenbergsteiger einen weiteren Versuch nach 1998 schließlich kategorisch ausgeschlossen. Nachdem er sich bei der Besteigung des Kangchendzönga, dem dritthöchsten Berg der Erde, mittelschwere Erfrierungen zugezogen hatte, musste er sowohl die geplante Blitzbesteigung des Manaslu absagen, als auch den Traum vom Gipfel des K2 begraben, den er damals im Rahmen einer Achttausender-Trilogie ebenfalls erreichen wollte.

Eine aussergewöhnliche Karriere

Heute hat Kammerlander zwölf der vierzehn Achttausender bestiegen. Neben dem Manaslu fehlt in seiner persönlichen Erfolgsbilanz auch die Shisha Pangma, der kleinste der Giganten. Dort ist ihm 1996 zwar der Mittelgipfel gelungen, doch der ist wenige Meter niedriger als der höchste Punkt. Überdies hat der Südtiroler als Erster die „Seven Second Summits“ bestiegen, die sieben zweithöchsten Gipfel aller Kontinente (nach Kammerlander-Liste). In seiner Vita stehen über 2500 Klettertouren, darunter rund 50 schwere Erstbegehungen und 60 Alleinbegehungen großer Alpenwände.

Zuletzt widmete er sich der Besteigung der „Matterhörner der Welt“ und suchte dabei nach den  formschönsten Gipfeln der Erde. Seine Karriere, vor allem die Kombination hoher Berge mit legendären Skiabfahrten, gilt in dieser Form als einzigartig.

Nur der Manaslu liegt wie ein langer Schatten über dem so außergewöhnlich erfolgreichen Bergsteigerleben Kammerlanders.

„Heute habe ich – immer stärker werdend – das Gefühl, ich sollte den Weg am Manaslu beenden“, sagt er. Es bedrücke ihn, was damals passiert sei. „Und es ist nicht abgeschlossen. Ich glaube, ich sollte das nun zu Ende bringen“.

Kammerlander, der als sechstes Kind einer Bergbauernfamilie im Südtiroler Ahrntal geboren wurde und in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, galt stets als „Hans im Glück“, bis zu jenem Tag im November 2013, an dem er einen schweren Verkehrsunfall verursachte, in dessen Folge ein 21jähriger ums Leben kam. Seitdem lebt Kammerlander zurückgezogen in seinem Heimatdorf.

Im Frühjahr 2016 unternahm er eine Trekkingtour rund um den Manaslu: „Da habe ich gesehen, dass der Berg mich nicht mehr schreckt und nun will ich dort noch einmal hin“.

Im Herbst 2017 will er nun, zusammen mit dem Nordtiroler Höhenbergsteiger Stefan Keck am Manaslu die Besteigung versuchen. Keck war bereits auf dem Gipfel des Manaslu. Und erlebte 2012 die Lawinen-Katastrophe mit, als im Lager 2 elf Bergsteiger ums Leben kamen.

Wie schon 1991, will Kammerlander zum Manaslu erneut seine Ski mitnehmen und eine Abfahrt versuchen. Und diese Expedition wird Teil eines ehrgeizigen Filmprojektes des österreichischen Filmemachers Gerald Salmina („Die Streif“ und „Mount St. Elias“) sein, der das Leben von Hans Kammerlander auf die Kinoleinwände bringen will.

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