Darf man in der Schwangerschaft Raclette essen?
Ja, wenn alles durcherhitzt ist. Am wenigsten offen bleibt es bei Käse aus pasteurisierter Milch ohne Rinde und durchgegartem Fleisch. Bei Rohmilchkäse widersprechen sich die Stellen, kalt naschen sollte man Raclettekäse nicht.
Das ist die kurze Fassung für den Einkaufszettel. Die längere hat einen Haken, und deshalb gibt es diesen Text: Von sechs Behörden und Fachstellen, deren Unterlagen wir gelesen haben, schreibt nur eine einzige das Wort Raclette. Es ist das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Die deutschen Stellen nennen die Mahlzeit nicht, sie geben allgemeine Regeln, die man selbst auf das Pfännchen übertragen muss.
Drei Fragen zum Käse auf dem Tisch
Das Ergebnis gibt wieder, was die Fachstellen schreiben. Eine medizinische Auskunft ist es nicht.
Ergebnis
Nach den Fachstellen in Ordnung
Für diese Kombination gibt es bei keiner der sechs Stellen einen Einwand.
Alle Wege dieses Assistenten im Klartext
- Wenn Zubereitung: Kalt oder nur angeschmolzen, dann Nicht so essen. Das BLV rät, Halbhartkäse ungeschmolzen auch aus pasteurisierter Milch zu meiden. Von Rohmilchkäse raten BLV, BfR, DGE und Gesund ins Leben kalt ebenfalls ab.
- Wenn Zubereitung: Vollständig durchgeschmolzen und heiß und Rinde: Noch dran, dann Erst die Rinde abschneiden. Gesund ins Leben und das BZfE verlangen das bei jedem Käse, ausdrücklich auch bei pasteurisiertem.
- Wenn Milch: Pasteurisierte Milch, kein Rohmilch-Hinweis und Zubereitung: Vollständig durchgeschmolzen und heiß und Rinde: Abgeschnitten, dann Nach den Fachstellen in Ordnung. Für diese Kombination gibt es bei keiner der sechs Stellen einen Einwand.
- Wenn Milch: „Aus Rohmilch“ oder Walliser AOP und Zubereitung: Vollständig durchgeschmolzen und heiß und Rinde: Abgeschnitten, dann Die Stellen sind uneins. BLV: ohne Bedenken. BfR: nur vollständig durchgegart. Gesund ins Leben: nicht empfehlenswert. Wer sicher gehen will, nimmt pasteurisierten Käse.
- Wenn Milch: Weiß ich nicht, lose gekauft und Zubereitung: Vollständig durchgeschmolzen und heiß und Rinde: Abgeschnitten, dann An der Theke nachfragen. Ohne Antwort wie Rohmilchkäse behandeln. Für lose Ware nennt keine der Stellen ein Erkennungszeichen.
- In jedem anderen Fall: Nicht hinterlegt. Für diese Kombination steht hier keine Angabe. Im Zweifel die Hebamme oder Praxis fragen.
Zuordnung aus BLV-Broschüre (August 2020), BfR-FAQ (22.08.2024), Gesund ins Leben (Stand 14.07.2026) und BZfE.
„Geschmolzen ist sicher“: stimmt nur halb
Hinter der Annahme steckt ein richtiger Kern. Hitze tötet Listerien und Toxoplasmen ab, das schreiben Gesund ins Leben und das BLV gleichermaßen. Der Maßstab ist auch einheitlich: im Lebensmittel mindestens 70 °C über mindestens zwei Minuten. Nur beschreiben die Texte damit das Durchgaren, und durchgaren ist nicht dasselbe wie schmelzen. Geschmolzener Käse sieht fertig aus, sobald er verläuft. Ob sein Inneres dann zwei Minuten lang 70 °C hatte, kann niemand am Anblick ablesen.
Das BLV stellt in seiner Broschüre „Fondue und andere geschmolzene oder erhitzte Käse wie: Raclette“ auf die Liste der Lebensmittel, die man ohne Bedenken genießen kann, und macht dabei keinen Unterschied zwischen den Milcharten. Dieselbe Broschüre führt Halbhartkäse aus roher, thermisierter und pasteurisierter Milch unter „meiden“. Der Zustand entscheidet in der Schweiz also über die Einstufung, nicht die Milch. In Deutschland steht es anders. Das BfR hält Rohmilchkäse für Schwangere für nicht empfehlenswert, „es sei denn, die Produkte werden vor dem Verzehr vollständig durchgegart“. Gesund ins Leben nennt gar keine Hitze-Ausnahme für diesen Käse.
| Stelle | Käse kalt | Käse heiß |
|---|---|---|
| BLV Schweiz (Broschüre, August 2020) | Halbhartkäse aus roher, thermisierter und pasteurisierter Milch meiden | Raclette namentlich unter „Geniessen ohne Bedenken“, als geschmolzener Käse, ohne Unterschied nach Milch |
| BfR (FAQ, 22.08.2024) | Rohmilchkäse nicht empfehlenswert, außer mindestens 6 Monate gereifte Sorten | Ausnahme, wenn vor dem Verzehr vollständig durchgegart; Raclette nicht genannt |
| Netzwerk Gesund ins Leben (Stand 14.07.2026) | Käse aus Rohmilch nicht empfehlenswert, Ausnahme lang gereifter Hartkäse; Rinde immer ab | Kein Wort zu erhitztem Rohmilchkäse; Raclette nicht genannt |
| BZfE (Pressemeldung) | Rohmilchprodukte können Listerien tragen, Ausnahme lang gereifter Hartkäse; Rinde gründlich ab | Kein Wort zu erhitztem Rohmilchkäse; Raclette nicht genannt |
| DGE (Pressemeldung 2013) | Keine rohen tierischen Lebensmittel, dazu zählt Käse aus Rohmilch | Listeriengefahr vor allem bei Speisen, die nicht noch einmal erhitzt werden; Raclette nicht genannt |
| RKI (Ratgeber Listeriose, Stand 24.11.2023) | Verzicht auf Rohmilchweichkäse; Halbhartkäse nicht erwähnt | Erreger vor allem in nicht erhitzten tierischen Lebensmitteln; Raclette nicht genannt |
Praktisch folgt daraus unsere eigene Linie, keine amtliche: Pasteurisierter Käse nimmt der Frage die Schärfe, weil ein unvollständig erhitztes Stück dann nicht zugleich aus Rohmilch stammt. Wie stark die Hitze am Gerät ausfällt, hängt außerdem vom Modell ab. Ein Raclette mit Teelicht arbeitet mit sehr wenig Leistung, wer Rohmilchkäse überhaupt in Betracht zieht, sollte sich darauf nicht verlassen.
Die Wege als Liste
- Ist der Käse durchgeschmolzen?
- Nein, kalt → Meiden
- Ja, pasteurisiert, ohne Rinde → Kein Einwand
- Ja, aus Rohmilch → Stellen uneins
„Raclettekäse ist doch immer pasteurisiert“: falsch
Gerade der Käse mit dem besten Ruf ist es nicht. Der Produktflyer der Interprofession sagt über Raclette du Valais AOP: aus Rohmilch hergestellt, halbhart, mindestens drei Monate gereift. Das Pflichtenheft Walliser Raclette wird deutlicher: „Mit Ausnahme der Kühlung ist jegliche thermische Behandlung der Milch untersagt.“ Eine pasteurisierte Walliser AOP-Variante kann es danach nicht geben. Die Ausnahme für lang gereiften Käse hilft dabei nicht: Das BfR setzt sie bei mindestens sechs Monaten an und nennt Parmigiano Reggiano und Grana Padano, drei Monate Reifung erfüllen diese Schwelle nicht.
Bei abgepacktem Käse hilft das Etikett. Gesund ins Leben nennt als Erkennungszeichen die Hinweise „Rohmilch“, „Vorzugsmilch“ oder „aus Rohmilch hergestellt“. Die Herkunftsangabe allein reicht jedoch nicht: Die Liste der Mindestangaben in Artikel 16 des Pflichtenhefts, in der von uns gelesenen Fassung, enthält keinen Rohmilch-Hinweis. Wer „Raclette du Valais AOP“ liest, sollte also auch ohne dieses Wort von Rohmilch ausgehen. Für die Käsetheke beschreibt keine der Stellen ein Merkmal. Da hilft nur die Frage an die Bedienung, und ohne klare Antwort würden wir den Käse wie Rohmilchkäse behandeln. Wie viel Käse Sie insgesamt brauchen, steht im Ratgeber zur Raclette-Menge pro Person.
Auch pasteurisiert heißt nicht, dass die Rinde bleiben kann. Gesund ins Leben schreibt für Käse aus Rohmilch und aus pasteurisierter Milch: „die Rinde muss ab“, weil sich gerade dort Erreger ansiedeln und vermehren. Das BZfE sagt es genauso. Beim Raclette wird die Rinde oft mitgeschmolzen. Die Schweizer Broschüre verlangt das Entfernen nur beim Hartkäse und äußert sich zur Rinde von geschmolzenem Käse nicht. Wir halten uns an die strengere Angabe. Dass auch Käse aus dem Supermarkt betroffen sein kann, zeigt eine öffentliche Warnung vom 8. Mai 2025: Damals wurden Listerien in Raclettekäse eines Schweizer Herstellers nachgewiesen. Bei einem Rückruf gilt die Empfehlung, das Produkt nicht zu verzehren, und die Warnung macht davon keine Ausnahme für geschmolzenen Käse.
„Im Pfännchen gart das Fleisch schon durch“: nur, wenn man hinsieht
Rohes oder ungenügend durchgegartes Fleisch nennen BLV und RKI als Ansteckungsquelle für Toxoplasmose. Beim Raclette kommt das Fleisch roh auf Pfännchen oder Grillplatte und jeder gart für sich. Das BfR nennt prüfbare Zeichen: Der austretende Fleischsaft ist klar, die dickste Stelle faserig und bei Geflügel weißlich, bei Schwein graurosafarben, bei Rind graubraun. Ein rosa Kern oder ein Steak medium fällt ausdrücklich durch. Schneiden Sie Fleisch dünn und nehmen Sie im Zweifel ein Stück länger. Beim Thermometer, das das BfR empfiehlt, stößt ein Pfännchen nach unserer Einschätzung an seine Grenzen, in hauchdünnem Fleisch lässt sich die Temperatur kaum messen. Auf der Grillplatte sehen Sie den Garzustand leichter als unter dem Heizstab, das ist unsere Einschätzung.
Die Werte als Liste
- BfR: 70 °C, 2 Min. °C
- BLV: 70 °C, 2 Min. °C
- BZfE: 70 °C, 2 Min. °C
- Gesund ins Leben: 70 °C, 2 Min. °C
- DGE: über 67 °C °C
- RKI: 50 °C, 20 Min. °C
Die abweichenden Werte sind kein Grund, sich den bequemsten herauszusuchen. Die DGE und das RKI sprechen nur über Toxoplasmen im Fleisch, und 20 Minuten gart niemand ein Stück im Pfännchen. Maßgeblich für den Haushalt bleibt die 70-Grad-Regel. Salami und Räucherlachs, die oft mit auf dem Tisch stehen, nimmt das BfR nur aus, wenn sie vollständig durchgegart wurden; rohen Schinken nennt Gesund ins Leben als ungeeignet. Für rohe Eier im Pfännchen gilt die BfR-Regel ebenso.
Bleibt das Hin und Her am Tisch. Das BfR verlangt, nie dieselben Utensilien für rohe und gegarte Lebensmittel zu verwenden. Beim Raclette heißt das: eine eigene Gabel fürs rohe Fleisch, nie dieselbe zum Essen, und rohes Fleisch auf einem eigenen Teller. Hinterher hilft die Anleitung zum Reinigen von Pfännchen und Platte.
„Ein paar Scheiben kalt schaden nicht“: und was nach dem Abend gilt
Kalt ist Raclettekäse laut BLV zu meiden, auch aus pasteurisierter Milch, weil er halbhart ist. Die deutschen Stellen formulieren milder und raten zu festen Sorten; pasteurisierten Halbhartkäse ohne Blauschimmel nennen sie nicht als Risiko. Eine Einschränkung macht das BfR: Weiche Sorten mit Gelb- oder Rotschmiere, darunter Tilsiter, sollen auch pasteurisiert durchgegart werden. Wer die Scheiben also vom Teller nascht, hält sich an die deutsche Linie nur, wenn der Käse pasteurisiert ist und die Rinde fehlt. Einfacher ist es, gar nicht erst damit anzufangen. Lange Abende verschieben das Problem. Das BfR verlangt, leicht verderbliche Lebensmittel, die über längere Zeit angeboten werden, ausreichend zu kühlen. Wenn an Silvester Fleisch und Käse stundenlang auf dem Tisch stehen, holen Sie Ihre Portion besser frisch aus dem Kühlschrank.
Reste gegarter Speisen bewahrt man nach BfR im Kühlschrank auf, verbraucht sie innerhalb von zwei bis drei Tagen und erhitzt sie erneut auf 70 °C. Das RKI weist darauf hin, dass Vakuumverpackung und Kühlschrank Listerien nicht aufhalten. Verschlossene Raclette-Scheiben verbrauchen Sie deshalb zügig und deutlich vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.
Und wenn es schon passiert ist? Zur Einordnung: Die DGE nannte 2013 unter Berufung auf das RKI rund 50 gemeldete Fälle mit Komplikationen durch Toxoplasmose und Listeriose jährlich bei etwa 700.000 Geburten, bei den Toxoplasmosen mit hoher Dunkelziffer. Über den Einzelfall sagt diese Zahl nichts. Das RKI beschreibt die Listeriose bei Schwangeren als meist unauffällig grippeähnlich oder symptomfrei; in der Literatur wird eine Inkubationszeit von 17 bis 67 Tagen genannt. Gesund ins Leben rät Schwangeren, die eine Infektion befürchten, zu ärztlichem Rat. Ob eine Untersuchung sinnvoll ist, entscheidet die Praxis, nicht dieser Text. Für Fragen rund um die Runde am Tisch lohnt der Blick auf Raclette zu Weihnachten und die Übersicht zum Raclette.
Was nicht herauszufinden war
Die wichtigste Zahl fehlt. Wir haben keine Messung und keine Veröffentlichung einer Behörde gefunden, die angibt, welche Temperatur Käse im Raclette-Pfännchen und wie lange er sie erreicht. Ob ein normaler Raclette-Abend die 70 °C über zwei Minuten liefert, an die sich alle Stellen halten, bleibt deshalb unbeantwortet. Das BLV sagt für Raclette „ohne Bedenken“, ohne in der Broschüre zu erklären, wovon es dabei ausgeht.
Das Dokument, auf das die Broschüre für die Hintergründe verweist, „Empfehlungen und Hintergrundinformationen zum Konsum von Milch und Milchprodukten während der Schwangerschaft“, ließ sich unter der uns bekannten Adresse beim BLV am Prüftag nicht abrufen. Was dort zum geschmolzenen Käse steht, geben wir deshalb nicht wieder. Das Verbraucherblatt des BfR speziell zu Listerien war unter der geprüften Adresse ebenfalls nicht erreichbar, den Wortlaut der EU-Hygienevorschriften zur Rohmilch-Kennzeichnung konnten wir nicht auswerten. Das Pflichtenheft für Walliser Raclette lag uns in einer älteren Fassung vor, spätere Änderungen an Artikel 16 können wir nicht ausschließen.
Keine der deutschen Stellen beantwortet die einfache Frage, ob vollständig geschmolzener Rohmilch-Raclettekäse in der Schwangerschaft in Ordnung ist. Wer es genau wissen will, könnte beim BfR oder bei einer Verbraucherzentrale nachfragen; bis eine Antwort vorliegt, bleibt die Wahl des pasteurisierten Käses der einfachste Weg um eine ungeklärte Frage herum.

