Dieser Bereich hat einen tragenden Befund, und er steht am Anfang, weil alles Weitere von ihm abzweigt: Für Büro-Arbeitsstühle gibt es in Deutschland einen frei abrufbaren, achtteiligen Maßstab, und die Angebote für Gaming-Stühle setzen sich mit ihm nicht auseinander. Der Maßstab steht in Abschnitt 6.3.12 Absatz 2 der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A6, seit dem 1. Juli 2024 in Kraft. Acht Punkte, nummeriert, in klarer Sprache. Wer sie an einem Angebot abhakt, kann die Hälfte davon meist nicht beantworten.
Der Befund: ein Maßstab, der niemanden zu interessieren scheint
Ein Gaming-Stuhl ist ein Drehstuhl mit fünfarmigem Fußkreuz, Gasfeder, Rollen, hoher Lehne und hochgezogenen Seitenwangen. Bis auf die Wangen ist das die Bauart eines Büro-Arbeitsstuhls. Die Angebote sprechen aber eine völlig andere Sprache: Sie werben mit Sportwagensitzen, mit Königsklasse, mit Heldenrüstung und mit dem ungeschützten Wort ergonomisch. Was sie fast nie nennen, ist eine Zahl, mit der sich etwas nachrechnen ließe.
Dieser Gegensatz ist nicht bloß stilistisch. Er hat eine praktische Folge: Wer zwei Angebote derselben Preisklasse nebeneinanderlegt, kann sie an keiner Zahl unterscheiden, weil beide dieselben Zahlen weglassen. Was übrig bleibt, sind Bilder und Adjektive, und die lassen sich nicht vergleichen. Der Markt für Gaming-Stühle ist damit einer der wenigen Möbelmärkte, in dem der Kunde beim besten Willen nicht rational entscheiden kann, solange er sich auf die Produktseiten beschränkt.
Dabei gäbe es den Maßstab. Die ASR A6 zählt in Abschnitt 6.3.12 Absatz 2 acht Eigenschaften auf, die ein Büro-Arbeitsstuhl mindestens haben muss. Ihr Anhang enthält unter Tabelle 3 acht Maßempfehlungen, von der Sitzhöhe bis zur Rückenlehnenbreite. Beides ist kostenlos abrufbar, beides ist mit Fundstelle zitierbar, und beides lässt sich mit einem Zollstock nachprüfen.
Warum er nicht genutzt wird, lässt sich nur vermuten, und Vermutungen gehören nicht hierher. Feststellen lässt sich dagegen zweierlei. Erstens richtet sich die Regel an Arbeitgeber, nicht an Verbraucher; ein Anbieter, der überwiegend an Privatleute verkauft, hat keinen Anlass, sie zu zitieren. Zweitens ist die Angabe einer Sitzhöhe mit Verstellbereich eine Festlegung, an der ein Käufer den Anbieter messen kann, und ein Werbetext ohne Zahlen ist in dieser Hinsicht risikoärmer.
Dass sich die Angebote damit nicht befassen, ist rechtlich nicht zu beanstanden: Eine Pflicht zur Normnennung gibt es beim Verkauf an Privatleute nicht. Für den Käufer, der acht Stunden am Tag darauf arbeiten will, ist es trotzdem der entscheidende Mangel. Wie sich das an fünf konkreten Angeboten darstellt, steht im Abgleich am Maßstab der ASR A6.
Die drei Wege aus diesem Befund
Je nachdem, warum jemand hier gelandet ist, führt der Befund an einen anderen Ort. Die folgende Übersicht ordnet die drei Fragen den Seiten zu, die sie behandeln. Der dritte Weg führt bewusst aus diesem Bereich heraus.
Erfüllt dieses Modell den Maßstab?
Wer ein konkretes Angebot vor sich hat und wissen will, was davon belegt ist
Fünf konkrete Angebote, die acht Mindesteigenschaften und die Maßtabelle daneben. Mit der Auszählung, wer die Norm überhaupt nennt, und mit den Stellen, an denen sich die Unterlagen eines Angebots selbst widersprechen
Fünf Gaming-Stühle am Maßstab der ASR A6Darf ich damit arbeiten, und wer bezahlt ihn?
Wer den Stuhl für einen Arbeitsplatz braucht, im Betrieb oder am Telearbeitsplatz
Vier Regelungsebenen sauber getrennt, der Anwendungsbereich der ASR A6 mit den Fällen, in denen sie nicht gilt, die Definition des Telearbeitsplatzes und die Frage, wer die Ausstattung stellt
Gaming-Stuhl am Bildschirmarbeitsplatz: Vorschrift, Pflicht, Folge, AusnahmeIst die Rennsitzform überhaupt das Richtige für mich?
Wer acht Stunden am Tag sitzt und die Optik nachrangig findet
Klassische Drehstühle, sortiert nach Budget, Körpermaß, Lebensalter, Beschwerde und Ausstattung. Für die meisten Arbeitsplätze ist das der passendere Ausgangspunkt, und das sollte ein Gaming-Bereich sagen dürfen
Der Bürostuhl-Bereich mit 35 SeitenDie drei Wege schließen einander nicht aus. Wer einen Stuhl für einen Telearbeitsplatz sucht, wird regelmäßig alle drei gehen: zuerst den zweiten, um zu klären, was überhaupt gefordert ist und wer zahlt; dann den ersten, um zu sehen, was die Angebote dieser Warengruppe dazu hergeben; und je nach Ergebnis den dritten. Die Reihenfolge ist dabei nicht gleichgültig. Wer mit dem Produktvergleich beginnt, ohne den Maßstab zu kennen, vergleicht Adjektive.
Dass ein Bereich einen seiner drei Wege nach draußen legt, ist ungewöhnlich und hier beabsichtigt. Für die Mehrzahl der Arbeitsplätze ist ein klassischer Drehstuhl die passendere Wahl, und ein Bereich, der das verschwiege, wäre unbrauchbar. Die Auswahl dafür steht im Bürostuhl-Bereich.
Woher der Maßstab stammt und warum gerade dieser
Für Büro-Arbeitsstühle gilt die Produktnorm DIN EN 1335. Teil 1 regelt die Maße, Teil 2 die Sicherheitsanforderungen und seit April 2019 auch die Prüfverfahren, die bis dahin in einem eigenen Teil 3 standen. Diese Norm wäre der naheliegende Maßstab, hat aber zwei Nachteile: Sie ist kostenpflichtig, und sie bindet aus sich heraus niemanden.
Die ASR A6 hat beide Nachteile nicht. Sie ist als PDF frei abrufbar, sie ist im Gemeinsamen Ministerialblatt unter GMBl 2024 S. 470 bekanntgemacht, und sie hat für Arbeitgeber Vermutungswirkung: Wer sie einhält, darf davon ausgehen, die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung zu erfüllen. Für den privaten Käufer bindet sie nicht, aber sie ist die beste verfügbare Einkaufsliste.
Ein dritter Vorzug kommt hinzu, der beim Kauf den Ausschlag gibt: Die acht Eigenschaften sind so formuliert, dass sie sich an einem Angebotstext abhaken lassen, ohne dass man den Stuhl in der Hand hätte. Sie fragen nach Eigenschaften, die ein Hersteller kennt und beziffern kann, und nicht nach Empfindungen. Damit unterscheiden sie sich von praktisch allem, was im Handel unter der Überschrift Ergonomie steht.
Der zweite Grund, gerade diese Quelle zu nehmen, ist ihre Unabhängigkeit vom Handel. Sie wurde vom Ausschuss für Arbeitsstätten erarbeitet, nicht von jemandem, der Stühle verkauft. Was rechtlich daraus folgt, steht im Ratgeber zur Rechtslage am Bildschirmarbeitsplatz.
Die acht Eigenschaften in Kurzform
Die Liste ist so kurz, dass sie sich abdrucken lässt. Die dritte Spalte nennt jeweils, woran man die Eigenschaft an einem Angebot festmacht. Sie ist der eigentliche Gebrauchswert dieser Seite.
| Nr. | Was verlangt wird | Woran man es festmacht |
|---|---|---|
| 1 | Gepolsterte, atmungsaktive Sitzfläche und Rückenlehne, Netz für die Lehne erlaubt | Materialangabe im Angebot |
| 2 | Drehbar und stufenlos höhenverstellbar, sodass die Referenzsitzhaltung nach Abschnitt 6.3.11 eingenommen werden kann | Sitzhöhe und Verstellweg in Millimetern. Eine Angabe von Höhenpositionen spricht dem Wortlaut nach gegen stufenlos. Die Maßempfehlung nennt unter 400 bis 530 Millimeter Sitzhöhe bei mehr als 120 Millimetern Verstellweg |
| 3 | Rückenlehne neigbar, unterstützt den Wechsel zwischen vorderer, mittlerer und hinterer Sitzhaltung und ist auf das Benutzergewicht anpassbar | Federkraftverstellung, nicht die Gradzahl. Unterstützen beim Wechsel heißt, dass die Stützwirkung in allen drei Positionen erhalten bleibt und nicht nur in einer arretierten Stellung |
| 4 | Sitzfläche so beschaffen, dass die Rückenlehne nutzbar bleibt, die Oberschenkel möglichst vollständig aufliegen und die Kniekehlen frei bleiben | Sitztiefe, empfohlen 370 bis 470 Millimeter. Bei Schalensitzen kommt die nutzbare Breite zwischen den Innenkanten der Seitenwangen hinzu, die kleiner ist als das Außenmaß des Polsters |
| 5 | Untergestell stabil und standsicher | Zahl der Arme des Fußkreuzes, fünf gelten als standsicher |
| 6 | Die Konstruktion fängt das Körpergewicht beim Hinsetzen auch in der untersten Sitzposition federnd ab | Angaben zur Gasfeder. Der Zusatz auch in der untersten Sitzposition ist der eigentliche Gehalt: Viele Gasfedern federn im mittleren Bereich und stehen ganz unten auf Anschlag, was vor allem kleinere Menschen betrifft |
| 7 | Rollen verhindern beim unbelasteten Stuhl unbeabsichtigtes Wegrollen | Lastabhängig gebremste Rollen |
| 8 | Verfügt der Stuhl über Armauflagen, müssen diese auf Arbeitsflächenhöhe einstellbar sein | Verstellweg in Zentimetern gegen die eigene Tischhöhe. Bei einer Arbeitsfläche auf 720 Millimetern und einer Sitzhöhe von 450 Millimetern liegt die Auflage rund 270 Millimeter über der Sitzfläche, bei 500 Millimetern Sitzhöhe noch 220 |
Zwei Hinweise der Regel gehören unmittelbar zu dieser Liste, auch wenn sie nicht Teil der acht Nummern sind. Der erste stellt fest, fünfarmige Untergestelle gälten als standsicher, und erklärt damit Nummer 5 für nahezu jeden heutigen Drehstuhl als erfüllt. Der zweite begründet Nummer 8: Armstützen an Arbeitsstühlen entlasten die Schulter- und Nackenmuskulatur. Das ist der einzige Satz der Liste, der eine Wirkung benennt, und er benennt sie zurückhaltend.
Ein dritter Hinweis nennt eine Eigenschaft, die in keinem Datenblatt steht und beim täglichen Gebrauch dennoch entscheidet: Die Funktion der Einstellelemente soll eindeutig erkennbar sein, und die Einstellung soll ohne Hilfsmittel möglich sein. Wer die Hebel unter der Sitzfläche nicht zuordnen kann, stellt den Stuhl einmal beim Aufbau ein und danach nie wieder. Ein nicht eingestellter Stuhl erfüllt keine der acht Eigenschaften in der Sache, mag er sie der Bauart nach auch alle haben.
Drei dieser acht sind in dieser Warengruppe die neuralgischen: Nummer 2, weil ohne Sitzhöhe und Verstellweg keine Sitzhaltung einstellbar ist. Nummer 3, weil die Anpassbarkeit an das Benutzergewicht in Gaming-Angeboten praktisch nie erwähnt wird. Und Nummer 7, weil lastabhängig gebremste Rollen der unscheinbarste Punkt der Liste sind.
Die Rennsitzform und was sie am Schreibtisch tut
Die hochgezogenen Wangen an Sitz und Lehne stammen aus dem Motorsport. Dort halten sie den Fahrer bei Querbeschleunigung an seinem Platz, damit er sich beim Lenken nicht abstützen muss. Der Schalensitz ist die Antwort auf eine Kraft, die seitlich am Körper zieht. Am Schreibtisch gibt es diese Kraft nicht.
Was bleibt, sind die Wangen. Sie begrenzen die nutzbare Sitzbreite und den seitlichen Bewegungsraum. Die Maßempfehlung für die Sitzbreite lautet mehr als 450 Millimeter, und gemeint ist die nutzbare Breite zwischen den Wangen, nicht das Außenmaß. Zugleich erschweren sie den Wechsel zwischen vorderer, mittlerer und hinterer Sitzhaltung, den die Regel als dynamisches Sitzen beschreibt.
Der Vollständigkeit halber gehört dazu, was die Bauform tatsächlich leistet. Die Seitenwangen an der Lehne geben dem Oberkörper in der hinteren Sitzhaltung seitlichen Halt, und das ist beim längeren Zurücklehnen angenehm. Die hohe Lehne mit Kopfstütze trägt Kopf und Nacken in Positionen, in denen ein Bürostuhl mit niedriger Lehne nichts mehr trägt. Für die Pause und für das Spielen am Abend ist das ein echter Gewinn, und niemand sollte ihn kleinreden. Nur ist es eben ein Gewinn für die hintere Sitzhaltung und nicht für die acht Stunden davor.
Historisch ist die Übertragung leicht nachzuvollziehen. Die Bauform kam mit dem Computerspielen um Rennsimulationen in die Wohnzimmer und übernahm mit der Optik auch die Konstruktion, obwohl die Aufgabe eine andere geworden war. Dass daraus ein Möbel für Büroarbeit wurde, ist eine spätere Entwicklung, die die Bauform nicht mitgemacht hat. Die Wangen sind geblieben, die Querkräfte sind nie gekommen.
Praktisch messbar wird das an einer Stelle: der nutzbaren Sitzbreite. Sie ist nicht das Außenmaß des Polsters, sondern der Abstand zwischen den Innenkanten der Wangen, und sie ist bei einem Schalensitz systematisch kleiner als bei einem flachen Sitz gleicher Außenbreite. Für breiter gebaute Menschen ist das der Punkt, an dem die Bauform tatsächlich zum Problem wird, und die entsprechende Auswahl steht unter Bürostuhl für schwere Personen.
Daraus folgt kein Ausschluss. Die Regel nennt an keiner Stelle eine Bauform als ungeeignet, mit einer einzigen Ausnahme: Sitzbälle und Pendelhocker werden ausdrücklich als nicht geeignet bezeichnet. Für Schalensitze steht das nirgends. Wer die Form mag und die acht Eigenschaften prüft, macht nichts falsch.
Die Maße, an denen sich alles entscheidet
Der Anhang der ASR A6 enthält eine Tabelle mit acht Maßempfehlungen, als Quelle nennt die Regel die DGUV Regel 115-401. Unter der Tabelle steht der Hinweis, die Veränderungen der Körpermaße durch den demografischen Wandel seien berücksichtigt und die Werte gingen über die Anforderungen der DIN EN 1335-1:2020-07 hinaus.
Vier Zahlen daraus genügen für die meisten Kaufentscheidungen. Die Sitzhöhe soll von unter 400 bis 530 Millimeter reichen, der Verstellbereich mehr als 120 Millimeter betragen. Die Sitztiefe soll zwischen 370 und 470 Millimetern liegen. Und der Abstützpunkt der Lordosenstütze soll sich im Bereich zwischen 170 und 230 Millimetern über der Sitzfläche verstellen lassen.
Wie man diese vier Zahlen benutzt, ist einfacher, als es klingt. Man misst die Höhe der eigenen Arbeitsfläche und zieht davon die Höhe ab, in der die Unterarme locker aufliegen sollen; daraus ergibt sich die Sitzhöhe, die man braucht. Man misst den Abstand von der Kniekehle bis zum Gesäß im Sitzen und zieht zwei bis drei Zentimeter ab; daraus ergibt sich die Sitztiefe. Beide Werte hält man gegen die Angaben im Angebot. Stehen sie dort nicht, endet die Rechnung an dieser Stelle.
Der Hinweis unter Tabelle 3 verdient dabei eigene Beachtung, weil er die Werte einordnet: Die Veränderungen der Körpermaße und Proportionen durch den demografischen Wandel seien berücksichtigt, und die empfohlenen Maße gingen über die Anforderungen der DIN EN 1335-1:2020-07 hinaus. Die Empfehlung ist also bewusst anspruchsvoller als die Norm, und zwar mit einer Begründung, die sich auf die Bevölkerung bezieht und nicht auf die Technik.
Diese letzte Zahl ist die aufschlussreichste des ganzen Regelwerks, weil sie eine Bauart ausschließt: Ein mit Gurten befestigtes Lendenkissen lässt sich nicht in einem definierten Bereich verstellen, weil es beim Sitzen wandert. Wie eine echte Stütze aussieht, zeigt Bürostuhl mit Lordosenstütze.
Die Bauteile, aus denen sich der Unterschied ergibt
Ein Drehstuhl besteht aus rund sieben Baugruppen, die den Sitzkomfort und die Haltbarkeit bestimmen. Die folgende Übersicht nennt für jede die verbreiteten Varianten, ihre Bedeutung und das, was in dieser Warengruppe typischerweise dazu gesagt wird oder eben nicht.
| Baugruppe | Verbreitete Varianten | Wofür sie entscheidet | Was die Angebote dazu sagen |
|---|---|---|---|
| Mechanik | Wippmechanik, Synchronmechanik, reine Neigungsverstellung mit Arretierung, jeweils mit oder ohne Federkraftverstellung. Erkennbar an der Zahl der Bedienhebel: Eine Synchronmechanik mit Federkraftverstellung braucht mindestens drei, eine reine Neigungsverstellung kommt mit zwei aus | Entscheidet, ob der Stuhl den Haltungswechsel trägt oder nur eine Liegeposition anbietet. Sie ist zugleich das Bauteil, das sich nicht tauschen lässt und damit über die Lebensdauer des ganzen Möbels bestimmt | Im Gaming-Segment wird durchgehend ein Neigungsbereich in Grad genannt und die Bauart dahinter fast nie. Eine Federkraftverstellung, die Nummer 3 der acht Eigenschaften ausdrücklich verlangt, wird praktisch nirgends erwähnt |
| Polsterung | Kaltschaum, Formschaum auch als Memory Foam, Taschenfederkern, nicht näher bezeichneter Schaumstoff. Gelegentlich auch Kombinationen, etwa Federkern unter einer Schaumauflage | Entscheidet, wie stark sich der Sitz über Jahre setzt und wie gut er Wärme abgibt. Wie die Mechanik ist sie nicht tauschbar: Eine durchgesessene Polsterung ist das Ende des Stuhls | Die Angabe Schaumstoff überdeckt drei sehr verschiedene Bauarten und ist die häufigste Auskunft. Sie schließt einfachen Blockschaum nicht aus und lässt weder auf die Rückstellkraft noch auf das Setzverhalten schließen |
| Bezug | Kunstleder und Wildlederimitat, Gewebe und Polsterstoff, Netzgewebe, dazu Mischformen mit seitlichen Netzeinsätzen an den Flanken | Entscheidet über das Klima an Rücken und Oberschenkeln über eine lange Sitzung. Nummer 1 der acht Eigenschaften verlangt Atmungsaktivität und erlaubt für die Lehne ausdrücklich netzähnliches Material | Aufzählung und Datenfeld widersprechen sich hier häufiger als bei jedem anderen Bauteil. Kunstleder ist dabei nicht regelwidrig, sondern die Variante, bei der sich die Frage am ehesten stellt |
| Gasfeder | Klassenangaben nach EN 16955, häufig ohne Nennung der Norm und mit einer Nummer, die es nicht gibt. Die Klasse beschreibt, wie viel Kraft ein konisches Druckrohr über wie viele Zyklen aushält | Das Bauteil, das bei Drehstühlen am häufigsten zuerst aufgibt, und ein genormtes Austauschteil. Ein Wechsel kostet regelmäßig weniger als ein Zehntel des Stuhlpreises und ist ohne Werkzeug möglich | Die meisten Angebote schweigen dazu vollständig. Nummer 6 der acht Eigenschaften, das federnde Abfangen auch in der untersten Sitzposition, ist deshalb aus kaum einem Angebot zu beantworten |
| Rollen | Hart für weiche Böden, weich für harte Böden, mit oder ohne lastabhängige Bremse. Der erste Hinweis zur Regel verlangt zudem fünf baugleiche Rollen an einem Stuhl | Nummer 7 der Mindesteigenschaften hängt daran, und die falsche Härte beschädigt den Boden. Wie die Gasfeder sind Rollen genormte Steckteile und lassen sich ohne Werkzeug tauschen | Polyurethan wird oft genannt, eine Bremse fast nie. Die Materialangabe sagt etwas über die Härte und nichts über die Bremswirkung im unbelasteten Zustand |
| Armlehnen | 2D, 3D, 4D, mitlaufend oder starr. 2D heißt Höhe und Breite, 3D ergänzt Drehung oder Tiefe, 4D beides | Nummer 8 hängt daran, und zwar relativ zur Höhe der eigenen Arbeitsfläche. Der zweite Hinweis zur Regel begründet die Anforderung damit, dass Armstützen die Schulter- und Nackenmuskulatur entlasten | Die Ziffer vor dem D zählt Richtungen und nennt keine Wege. Eine Armlehne mit vier Richtungen und je zwei Zentimetern Weg ist schlechter einstellbar als eine mit drei Richtungen und je sieben |
| Lendenunterstützung | Integrierte Stütze, tiefenverstellbar oder höhenverstellbar, oder ein mit Gurten befestigtes Kissen. Nur die integrierte und höhenverstellbare Ausführung lässt sich in einem definierten Bereich einstellen | Die Maßempfehlung nennt einen Abstützpunkt, verstellbar zwischen 170 und 230 Millimetern über der Sitzfläche. Sechs Zentimeter Spielraum, weil die Höhe der Lendenwölbung von Mensch zu Mensch verschieden ist | Eine Höhenangabe in Millimetern findet sich in dieser Warengruppe praktisch nie. Ein Gurtkissen wandert beim Sitzen und erfüllt die Verstellbarkeit im Sinne der Empfehlung nicht |
Zwei dieser sieben Baugruppen sind Verschleißteile im engeren Sinn, und beide sind genormte Austauschteile: die Gasfeder und die Rollen. Das ist eine gute Nachricht, die in dieser Warengruppe selten ausgesprochen wird. Ein Stuhl, dessen Sitz nach zwei Jahren unter Last absinkt, ist nicht defekt, sondern braucht ein Bauteil, das im Fachhandel wenige Euro kostet und sich ohne Werkzeug tauschen lässt. Dasselbe gilt für Rollen, die auf dem falschen Bodenbelag laufen.
Für die Frage der Ersatzteile gibt es einen Anhaltspunkt, der in jedem Angebot steht und selten beachtet wird: die Modellnummer. Eine sprechende Bezeichnung aus Buchstaben und Ziffern lässt sich beim Hersteller oder im Fachhandel nachschlagen; eine maschinell erzeugte Kennung aus einer langen Zeichenfolge tut das nicht. Wer in zwei Jahren eine Armlehnenauflage nachbestellen will, merkt den Unterschied. Er kostet beim Kauf nichts und ist im Datenblatt mit einem Blick zu erkennen.
Zwei weitere Baugruppen bestimmen dagegen über die Lebensdauer des ganzen Möbels, weil sie sich nicht tauschen lassen: die Polsterung und die Mechanik. Eine durchgesessene Polsterung ist das Ende des Stuhls, und eine ausgeschlagene Mechanik ebenfalls. Wer beim Kauf Prioritäten setzen muss, sollte sie deshalb bei diesen beiden setzen und nicht bei der Zahl der Armlehnenrichtungen.
Eine Baugruppe fehlt in dieser Aufzählung bewusst: das Fußkreuz. Es ist bei praktisch allen Stühlen dieser Bauart fünfarmig und damit nach dem ersten Hinweis zur Regel standsicher, und es besteht in aller Regel aus Stahl oder Kunststoff. Der Unterschied zwischen beiden Werkstoffen macht sich im Gewicht des Stuhls bemerkbar und in der Frage, was passiert, wenn jemand mit vollem Gewicht auf einen Arm tritt. Angegeben wird das Material selten; das Gewicht des ganzen Stuhls ist dafür ein grober Anhaltspunkt.
Wer nur eine Zeile dieser Tabelle liest, sollte die erste nehmen. Die Mechanik ist das Bauteil, das darüber entscheidet, ob ein Stuhl den Haltungswechsel trägt, und es ist zugleich das, über das im Gaming-Segment am wenigsten gesagt wird.
Wippmechanik gegen Synchronmechanik
Bei einer Wippmechanik sind Sitz und Lehne starr verbunden und kippen gemeinsam um einen Punkt unter der Sitzfläche. Beim Zurücklehnen hebt sich die Vorderkante des Sitzes, die Oberschenkel werden angehoben, und der Druck wandert in die Kniekehle. Das ist die einfachere und billigere Bauart.
Bei einer Synchronmechanik bewegen sich Sitz und Lehne in einem festen Verhältnis, meist rund 1 zu 2 oder 1 zu 3: Die Lehne legt sich weiter zurück als der Sitz. Der Öffnungswinkel zwischen Rumpf und Oberschenkel wächst, ohne dass die Sitzvorderkante nach oben drückt. Das ist die Bauart, die dynamisches Sitzen im Sinne der Regel trägt.
Die Federkraftverstellung gehört zu beiden Bauarten und ist von ihnen unabhängig. Sie stellt ein, wie viel Gegendruck die Lehne aufbaut, und sie ist der Grund, warum zwei Menschen mit unterschiedlichem Gewicht denselben Stuhl unterschiedlich erleben. Ohne sie ist ein Stuhl auf ein bestimmtes Gewicht ausgelegt, und wer deutlich darüber oder darunter liegt, sitzt falsch, ohne dass er den Grund sehen könnte. Das ist der Punkt, an dem Nummer 3 der acht Eigenschaften von der Theorie in den Alltag übergeht.
Der Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Bei der Wippmechanik hebt sich die Sitzvorderkante, bei der Synchronmechanik bleibt sie, wo sie ist. Wer über den Tag hinweg immer wieder ein Ziehen in der Kniekehle spürt, sobald er sich zurücklehnt, sitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Wippmechanik, und kein Kissen der Welt ändert daran etwas.
Im Gaming-Segment wird meist eine dritte Variante verbaut: eine reine Neigungsverstellung mit Arretierung, bei der die Lehne nach hinten gelegt und dort festgestellt wird, während der Sitz waagerecht bleibt. Das ist gut zum Zurücklehnen in der Pause und ohne Wirkung auf den Haltungswechsel während der Arbeit. Benannt wird sie in den Angeboten praktisch nie.
Kaltschaum, Formschaum und Taschenfederkern
Kaltschaum ist im kalten Verfahren geschäumter Polyurethanschaum mit grober, offener Zellstruktur. Er behält die Rückstellkraft über lange Sitzzeiten besser als Formschaum und bleibt luftdurchlässiger. Formschaum wird in einer Form geschäumt, hat eine feinere und geschlossenere Struktur und wird oft als Memory Foam beworben; er passt sich der Körperform an, gibt Wärme schlechter ab und setzt sich über die Jahre stärker.
Der Taschenfederkern ist die Bauart des Matratzenbaus: einzeln in Stofftaschen eingenähte Federn unter einer Schaumauflage. Er verteilt den Druck punktweise statt flächig und behält die Höhe länger, ist aber schwerer und teurer in der Fertigung. In dieser Warengruppe kommt er gelegentlich vor und ist dann ein echtes Unterscheidungsmerkmal.
Für die Kaufentscheidung lässt sich daraus eine Reihenfolge ableiten, die unabhängig vom Geschmack gilt. Wer täglich viele Stunden sitzt, fährt mit Kaltschaum oder einem Federkern besser, weil beide die Höhe länger halten. Wer den Stuhl überwiegend abends nutzt, wird den Unterschied kaum bemerken. Und wer stark schwitzt, sollte Formschaum meiden, weil seine geschlossenere Struktur Wärme schlechter abführt als grober Kaltschaum.
Die häufigste Auskunft in den Datenblättern lautet schlicht Schaumstoff. Sie überdeckt alle drei Bauarten und schließt einfachen Blockschaum nicht aus. Wer lange am Stück sitzt, sollte danach suchen, welches der drei Wörter tatsächlich dasteht, und vergleichend Bürostuhl für langes Sitzen lesen.
Kunstleder, Stoff und Netz
Nummer 1 der acht Eigenschaften verlangt eine gepolsterte, atmungsaktive Sitzfläche und Rückenlehne und erlaubt für die Lehne ausdrücklich netzähnliches Material. Atmungsaktiv ist keine Zahl, sondern eine Beschaffenheitsaussage, und genau deshalb wird das Wort im Handel großzügig verwendet.
Kunstleder und Wildlederimitat haben eine geschlossene Oberfläche und eine geringe Luftdurchlässigkeit; über mehrere Stunden staut sich Wärme zwischen Rücken und Lehne. Dafür sind sie feucht abwischbar und unempfindlich gegen Verschüttetes, neigen aber an den Kanten zum Abplatzen. Gewebe ist durchlässiger, nimmt Feuchtigkeit auf und lässt sich nicht abwischen.
Eine Zwischenform verdient Erwähnung, weil sie im Gaming-Segment häufig vorkommt und selten benannt wird: der geschlossene Bezug mit seitlichen Netzeinsätzen an den Flanken. Er verbindet die Abwischbarkeit des Kunstleders mit einer gewissen Durchlüftung dort, wo der Körper die Lehne nicht berührt. Ob das genügt, hängt vom Raumklima ab; belegen lässt es sich aus einem Angebot nicht.
Netzgewebe ist die durchlässigste Variante und die einzige, die die Regel ausdrücklich benennt. Es muss abgesaugt statt abgewischt werden und ist empfindlich gegen Spitzes und gegen Reißverschlüsse. Wer nach diesem Merkmal aussucht, findet die Auswahl unter atmungsaktiver Bürostuhl.
Die Gasfeder und eine Normnummer, die es nicht gibt
Die Gasfeder trägt das Körpergewicht, federt das Hinsetzen ab und hält die eingestellte Höhe. Nummer 6 der acht Eigenschaften zielt genau auf sie: Die Konstruktion muss das Körpergewicht beim Hinsetzen auch in der untersten Sitzposition federnd abfangen.
Im Handel begegnet man dazu einer Klassenangabe, meist Klasse 4, und häufig mit einer Normnummer davor, die so nicht existiert. Zuständig für konische Druckrohre selbsttragender Gasfedern zur Höhenverstellung von Sitzmöbeln ist seit August 2017 die EN 16955. Sie hat die deutsche DIN 4550 abgelöst, die zurückgezogen ist. Die verbreitete Bezeichnung DIN EN 4550 mischt die zurückgezogene deutsche Nummer mit dem europäischen Präfix und bezeichnet kein gültiges Dokument.
Praktisch bedeutsam ist das vor allem deshalb, weil Gasfedern genormte Austauschteile sind. Sinkt der Sitz nach einigen Monaten unter Last langsam ab, ist das der klassische Defekt dieser Bauart, und der Wechsel kostet regelmäßig weniger als ein Zehntel des Stuhlpreises.
Rollen: die Anforderung, die am leichtesten untergeht
Nummer 7 verlangt, dass Rollen beim unbelasteten Stuhl ein unbeabsichtigtes Wegrollen verhindern. Gemeint sind lastabhängig gebremste Rollen: Sie laufen unter dem Gewicht der sitzenden Person frei und blockieren ohne dieses Gewicht. Der Stuhl bleibt also stehen, wenn man sich daraufsetzen will, und rollt, wenn man sitzt.
Der erste Hinweis zu den Absätzen 2 und 3 ergänzt eine zweite Anforderung, die noch seltener beachtet wird: Die Beschaffenheit der fünf baugleichen Rollen richtet sich nach der Härte des Fußbodens. Harte Rollen eignen sich für weiche Böden, weiche Rollen für harte Böden. Rollen sind genormte Steckteile und lassen sich ohne Werkzeug tauschen, siehe Bürostuhl mit leisen Rollen.
Armlehnen: warum die Ziffer vor dem D wenig sagt
Die Ziffer zählt Bewegungsrichtungen. 2D heißt Höhe und Breite, 3D ergänzt Drehung oder Tiefe, 4D beides. Was sie nicht sagt, ist der Weg. Eine Armlehne mit vier Richtungen und je zwei Zentimetern Weg ist schlechter einstellbar als eine mit drei Richtungen und je sieben.
Nummer 8 der acht Eigenschaften ist relativ formuliert: Armauflagen müssen auf Arbeitsflächenhöhe einstellbar sein. Der Maßstab ist also der eigene Schreibtisch, und ohne bezifferten Verstellweg lässt sich die Anforderung für keinen Tisch beantworten. Die Bauartunterschiede stehen unter Bürostuhl mit Armlehnen.
Prüfzeichen: GS, Vereinssiegel und Selbstauskunft
Das GS-Zeichen wird von einer zugelassenen Stelle nach dem Produktsicherheitsgesetz vergeben. Zum Zeichen gehören die Kennung der Stelle und ein Zertifikat mit Nummer, und beides lässt sich nachfragen. Das ist der belastbarste Nachweis in diesem Feld.
Daneben stehen Siegel von eingetragenen Vereinen, etwa das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken oder das Zertifikat des Instituts für Gesundheit und Ergonomie. Hersteller beantragen sie und tragen die Kosten des Verfahrens; die Bewertung erfolgt nach eigenen Kriterien durch eine eigene Kommission. Das ist nicht wertlos, aber es ist eine Empfehlung nach Vereinsmaßstab und keine Prüfung durch eine staatlich benannte Stelle.
Für die Einordnung der Vereinssiegel ist eine Unterscheidung wichtig, die leicht untergeht: Es geht nicht darum, ob die Prüfung fachlich sorgfältig ist. Beide genannten Vereine arbeiten mit medizinisch besetzten Kommissionen und veröffentlichten Kriterien. Es geht darum, wer die Regeln setzt und wer das Verfahren bezahlt. Beim GS-Zeichen setzt der Gesetzgeber den Rahmen und eine staatlich zugelassene Stelle prüft; beim Vereinssiegel setzt der Verein die Kriterien und der Hersteller trägt die Kosten. Beides kann zu richtigen Ergebnissen führen, aber es sind verschiedene Arten von Aussage, und ein Käufer sollte wissen, welche er vor sich hat.
Ganz unten steht die Selbstauskunft: eine Auszeichnungsbehauptung im Angebotstitel, eine Formel wie normkonform ohne Prüfstelle, ein Hinweis auf eine Prüfung unter schwersten Bedingungen ohne Nennung der Bedingungen. Diese Titel werden vom Anbieter geschrieben. Wo kein Institut, kein Verfahren und kein Datum genannt ist, steht dahinter nichts.
Zehn Begriffe, die man zum Mitlesen braucht
Die Fachsprache dieses Feldes stammt aus zwei Welten, die sich selten begegnen: aus dem Arbeitsschutz und aus dem Möbelmarketing. Die folgenden zehn Begriffe stammen aus der ersten und kommen in der zweiten praktisch nicht vor. Wer sie kennt, liest jedes Angebot anders.
| Begriff | Was er bezeichnet | Warum er hier vorkommt |
|---|---|---|
| Referenzsitzhaltung | Die in Abschnitt 6.3.11 der ASR A6 beschriebene Zielhaltung: aufrecht sitzen, die gesamte Sitzfläche nutzen, Kontakt zur Rückenlehne halten, Füße vollflächig auf dem Boden, Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel sowie zwischen Oberschenkel und Becken etwa 90 Grad oder etwas mehr | Nummer 2 der acht Mindesteigenschaften verlangt, der Stuhl müsse so höhenverstellbar sein, dass diese Haltung eingenommen werden kann. Ohne sie ist die Anforderung inhaltsleer |
| Dynamisches Sitzen | Der häufige Wechsel zwischen vorderer, mittlerer und hinterer Sitzhaltung, wie ihn der zweite Hinweis zu Abschnitt 6.3.11 beschreibt | Der Punkt, an dem die Bauform eines Schalensitzes praktisch relevant wird, weil Seitenwangen den Wechsel erschweren |
| Lordose | Die nach vorn gerichtete Krümmung der Lendenwirbelsäule. Sie flacht beim Sitzen ab, wenn das Becken nach hinten kippt | Die Lordosenstütze ist die Wölbung, die dieser Abflachung entgegenwirkt. Ihre Höhe muss zum Menschen passen, deshalb der Bereich von 170 bis 230 Millimetern |
| Synchronmechanik | Eine Mechanik, bei der sich Sitz und Lehne in einem festen Verhältnis bewegen, meist rund 1 zu 2 oder 1 zu 3 | Die Bauart, die dynamisches Sitzen trägt, weil der Öffnungswinkel wächst, ohne dass die Sitzvorderkante nach oben drückt |
| Federkraftverstellung | Ein Bedienelement, mit dem sich der Widerstand der Rückenlehne auf das Körpergewicht einstellen lässt | Nummer 3 der acht Eigenschaften verlangt ausdrücklich die Anpassbarkeit an das Benutzergewicht. Eine Gradangabe erfüllt das nicht |
| Lastabhängig gebremste Rollen | Rollen, die unter dem Gewicht der sitzenden Person frei laufen und ohne dieses Gewicht durch Federkraft blockieren | Nummer 7 der acht Eigenschaften. Der Stuhl soll stehen bleiben, wenn man sich daraufsetzen will |
| Vermutungswirkung | Wer eine Technische Regel einhält, darf davon ausgehen, die Anforderungen der zugrundeliegenden Verordnung zu erfüllen | Der Grund, warum eine nicht unmittelbar verbindliche Regel in der Praxis wie eine Pflicht wirkt, und zugleich der Grund, warum eine begründete Abweichung zulässig bleibt |
| Telearbeitsplatz | Ein vom Arbeitgeber fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz im Privatbereich mit vereinbarter wöchentlicher Arbeitszeit und festgelegter Einrichtungsdauer | An dieser Einstufung hängt die Pflicht, Mobiliar einschließlich Arbeitsstuhl bereitzustellen. Das Wort Homeoffice kommt in den Vorschriften nicht vor |
| GS-Zeichen | Ein Zeichen für geprüfte Sicherheit, vergeben von einer zugelassenen Stelle nach dem Produktsicherheitsgesetz, mit Kennung der Stelle und Zertifikat mit Nummer | Der einzige in dieser Warengruppe gebräuchliche Nachweis, der sich bei einer dritten Stelle nachfragen lässt |
| Typ Ax | Der 2020 in DIN EN 1335-1 eingeführte Stuhltyp mit erweiterten Maßbereichen gegenüber Typ A | Der Beleg dafür, dass die Normenreihe vier Typen kennt und nicht drei. Wer Typ Ax nicht kennt, arbeitet mit einer Quelle von vor Juli 2020 |
Auffällig an dieser Liste ist, wie wenig davon in einem durchschnittlichen Angebotstext vorkommt. Von zehn Begriffen tauchen dort regelmäßig zwei auf, nämlich Lordose in der Form Lordosenstütze und gelegentlich Synchronmechanik. Die übrigen acht gehören zu einer Sprache, die im Handel nicht gesprochen wird. Das ist keine Böswilligkeit, sondern eine Folge davon, dass Arbeitsschutz und Möbelhandel getrennte Textsorten hervorgebracht haben. Für den Käufer bedeutet es, dass er die Übersetzung selbst leisten muss.
Zwei dieser Begriffe verdienen eine Hervorhebung, weil sie am häufigsten falsch verwendet werden. Dynamisches Sitzen bezeichnet nicht das Wippen auf einem beweglichen Möbel, sondern den bewussten Wechsel zwischen drei Sitzhaltungen. Und die Vermutungswirkung bedeutet nicht, dass eine Technische Regel Gesetzeskraft hätte, sondern dass die Beweislast auf die Seite dessen wandert, der von ihr abweicht.
Wie ein Gaming-Stuhl eingestellt wird
Ein richtig gebauter Stuhl, der falsch eingestellt ist, erfüllt keine einzige der acht Eigenschaften in der Sache. Die Reihenfolge der Einstellung ergibt sich aus der Beschreibung der Referenzsitzhaltung und ist immer dieselbe, unabhängig von Bauform und Preis.
Zuerst die Sitzhöhe: so hoch, dass die Füße vollflächig auf dem Boden stehen und der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel etwa 90 Grad oder etwas mehr beträgt. Reicht die Verstellung nach unten nicht aus, weil der Tisch fest steht und die Höhe vorgibt, gehört eine Fußstütze darunter; das ist der Fall, den der zweite Mindestinhalt der Unterweisung ausdrücklich nennt. Reicht sie nach oben nicht aus, ist der Stuhl zu klein für den Menschen.
Dann die Sitztiefe, sofern sie verstellbar ist: so tief, dass die Oberschenkel möglichst vollständig aufliegen und die Kniekehlen frei bleiben, während der Rücken Kontakt zur Lehne hat. Bei den meisten Stühlen dieser Bauart ist die Sitztiefe nicht verstellbar; dann entscheidet sich an dieser Stelle, ob der Stuhl passt oder nicht, und zwar endgültig.
Dann die Lendenunterstützung: auf die Höhe der stärksten Krümmung der Lendenwirbelsäule, nach der Maßempfehlung im Bereich zwischen 170 und 230 Millimetern über der Sitzfläche. Dann die Federkraft der Lehne auf das eigene Gewicht, sofern ein Verstellelement vorhanden ist. Und zuletzt die Armlehnen auf die Höhe der Arbeitsfläche, sodass die Unterarme locker aufliegen und die Schultern weder hochgezogen noch nach vorn hängend sind.
Ein häufiger Fehler liegt in der Reihenfolge. Wer die Armlehnen zuerst einstellt und danach die Sitzhöhe ändert, muss die Armlehnen noch einmal einstellen, denn ihre Höhe wird von der Sitzfläche aus gemessen und die Arbeitsfläche bleibt, wo sie ist. Die Reihenfolge von unten nach oben ist deshalb keine Konvention, sondern ergibt sich aus der Geometrie: Jeder Schritt verändert die Bezugsgröße für den nächsten.
Fünf Schritte, und der dritte Hinweis zur Regel verlangt dazu, die Funktion der Einstellelemente solle eindeutig erkennbar und die Einstellung ohne Hilfsmittel möglich sein. Ein Stuhl, dessen Hebel man nicht zuordnen kann, wird in der Praxis nie eingestellt. Wer an einem Steh-Sitz-Tisch arbeitet, wiederholt den ersten und den fünften Schritt bei jedem Wechsel, siehe Bürostuhl für den Steh-Sitz-Arbeitsplatz.
Was der Markt preislich hergibt
Gaming-Stühle werden im deutschen Versandhandel überwiegend zwischen 60 und 250 Euro angeboten, mit einzelnen Ausreißern nach oben. Der Preis korrespondiert dabei erkennbar mit dem Bezug und der Polsterung und kaum mit dem Umfang der Angaben: Das teuerste Angebot eines Feldes kann die dünnste Maßangabe haben und das billigste die vollständigste.
| Preisstufe | Was in dieser Stufe üblich ist | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| unter 100 Euro | Kunstlederbezug, nicht näher bezeichneter Schaumstoff, Armlehnen starr oder mit einer Achse, keine Sitzmaße im Angebot | In dieser Stufe fehlt die Sitzhöhe fast immer, und die Belastungsangabe steht ohne Prüfvorschrift daneben. Die Bauart ist regelmäßig eine reine Neigungsverstellung mit Arretierung |
| 100 bis 150 Euro | Wahl zwischen Kunstleder und Gewebe, gelegentlich ein Netzanteil an den Flanken, Armlehnen mit zwei oder drei Achsen, ausziehbare Fußstütze | Die Stufe, in der die Verstellwege erstmals beziffert werden, allerdings meist nur für die Armlehnen und nicht für den Sitz |
| 150 bis 220 Euro | Häufiger Kaltschaum oder ein Federkern statt einfachem Schaumblock, integrierte statt aufgelegter Lendenunterstützung, vier Achsen an den Armlehnen | Hier steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sitzmaße genannt werden, deutlich. Eine Federkraftverstellung wird trotzdem selten erwähnt |
| über 220 Euro | Markenauftritt, aufwendigere Bezugsstoffe, gelegentlich Angaben zum Rahmenmaterial | Der Aufpreis korrespondiert in dieser Warengruppe nicht zuverlässig mit dem Umfang der veröffentlichten Angaben. Ein teures Angebot kann die dünnste Maßangabe des Feldes tragen |
Die Tabelle beschreibt Üblichkeiten und keine Regeln. Sie taugt dazu, die eigene Erwartung an eine Preisklasse zu ordnen, und nicht dazu, ein einzelnes Angebot vorherzusagen. Wer in der untersten Stufe ein Angebot mit bezifferter Sitzhöhe findet, hat etwas Seltenes gefunden; wer in der obersten keines findet, hat den Normalfall vor sich.
Was mit dem Preis steigt, sind regelmäßig drei Dinge: die Zahl der Armlehnenachsen, das Gewicht des Stuhls als grober Hinweis auf die Materialstärke, und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lordosenstütze integriert statt als loses Kissen ausgeführt ist. Was nicht mit dem Preis steigt, ist die Bereitschaft, eine Norm zu nennen.
Wer ein festes Budget hat, findet die Preisstufen im Bürostuhl-Bereich sauber getrennt, etwa unter Bürostuhl unter 200 Euro und Bürostuhl unter 300 Euro.
Wer mit dieser Bauart gut bedient ist
Es gibt drei Konstellationen, in denen ein Gaming-Stuhl die sachlich richtige Wahl ist, und keine davon hat mit der Optik zu tun.
Wer abends lange spielt und tagsüber woanders arbeitet
Für wechselnde Haltungen über einen Abend ist ein weiter Neigungsbereich mit Fußstütze eine sinnvolle Bauart, und die acht Eigenschaften sind hier eine Empfehlung ohne Bindung
Auf Bezug und Polsterung achten, nicht auf die Optik
Wer groß gewachsen ist und im Büro nichts Passendes findet
Gaming-Stühle sind regelmäßig für größere Körper ausgelegt als Einstiegsbürostühle, und ein Angebot im Feld nennt sogar einen Größenkorridor
Den Körpergrößenkorridor suchen. Er steht selten da, aber wenn, dann ist er die brauchbarste Einzelangabe
Wer ein Zimmer einrichtet, in dem gearbeitet und gespielt wird
Ein Stuhl für beides muss den Arbeitsteil tragen, denn der dauert länger. Das heißt: erst die acht Eigenschaften, dann die Form
Die Gegenüberstellung steht im Bürostuhl-Bereich unter Bürostuhl für Gaming und Arbeit
Die zweite Konstellation wird unterschätzt. Einstiegsbürostühle sind vielfach für mittlere Körpergrößen ausgelegt; Schalensitze fallen regelmäßig größer aus. Für sehr große Menschen kann das der entscheidende Punkt sein, siehe Bürostuhl für große Menschen.
Wer hier falsch ist und wohin er gehört
Dieser Abschnitt ist der wichtigste des Bereichs, weil er Leser wegschickt. Vier Gruppen sind mit einem Gaming-Stuhl schlechter bedient als mit einem klassischen Drehstuhl, und für jede gibt es einen besseren Ausgangspunkt.
Wer acht Stunden täglich am Bildschirm arbeitet und Beschwerden hat
Hier zählt jede der acht Eigenschaften, und in dieser Warengruppe sind mehrere davon aus den Angeboten nicht zu belegen. Besonders Nummer 3, die Anpassbarkeit der Rückenlehne an das Benutzergewicht, wird kaum je erwähnt, und gerade sie entscheidet darüber, ob die Lehne über den Tag trägt oder drückt
Bürostuhl für langes SitzenWer einen Stuhl für einen Telearbeitsplatz beschaffen soll
Der Arbeitgeber braucht einen Nachweis, und eine Konformitätsbehauptung im Werbetext ist keiner
Ergonomischer Bürostuhl im VergleichWer unter 160 Zentimeter groß ist
Schalensitze sind für größere Körper gebaut. Wer die Sitzfläche nicht ausfüllt, bekommt keinen Kontakt zur Lehne und damit keine Referenzsitzhaltung
Bürostuhl für kleine MenschenWer einen Stuhl für ein Kind oder einen wachsenden Jugendlichen sucht
Ein Stuhl, der mitwächst, braucht Verstellwege, die in dieser Warengruppe nicht beziffert werden
Bürostuhl für JugendlicheEine fünfte Gruppe verdient eine eigene Erwähnung: Wer zwischen beiden Welten schwankt, weil an demselben Schreibtisch gearbeitet und gespielt wird, findet die Gegenüberstellung unter Bürostuhl für Gaming und Arbeit. Dort steht die Frage aus der Büroperspektive, hier steht sie aus der Gaming-Perspektive.
Acht Fragen, die in diesem Feld immer wieder gestellt werden
Die folgenden acht Fragen stammen aus der Autovervollständigung und aus verwandten Suchanfragen zu dieser Warengruppe. Sie werden hier so beantwortet, wie es die ausgewerteten Quellen zulassen, und dort offen gelassen, wo die Quellen nichts hergeben.
Ist ein Gaming-Stuhl ergonomisch?
Das Wort ist nicht geschützt und an keine Norm gebunden. Praktisch jedes Angebot dieser Warengruppe führt es im Titel, und es sagt für sich genommen nichts aus. Prüfbar ist stattdessen, ob ein Stuhl die acht Mindesteigenschaften aus Abschnitt 6.3.12 Absatz 2 der ASR A6 erfüllt, und das ist eine Tatsachenfrage je Modell. Für viele Angebote lässt sie sich nicht beantworten, weil die dafür nötigen Maße im Angebot nicht stehen. Das ist eine Aussage über das Angebot und keine über den Stuhl.
Kann ich acht Stunden am Tag auf einem Gaming-Stuhl arbeiten?
Die Frage ist nicht nach der Bauform zu beantworten, sondern nach den acht Eigenschaften und nach der eigenen Körpergröße. Entscheidend sind vor allem drei Dinge: ob sich die Sitzhöhe stufenlos so einstellen lässt, dass die Füße vollflächig auf dem Boden stehen, ob die Sitztiefe die Kniekehlen frei lässt, und ob sich die Rückenlehne auf das eigene Gewicht einstellen lässt. Sind alle drei gegeben, spricht gegen acht Stunden nichts. Fehlt eines, spricht viel dagegen, und zwar unabhängig davon, wie der Stuhl aussieht.
Was ist besser, Gaming-Stuhl oder Bürostuhl?
Die Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, weil beides keine technischen Kategorien sind, sondern Vermarktungskategorien. Ein Bürostuhl für achtzig Euro kann weniger Verstellwege haben als ein Gaming-Stuhl für zweihundert, und umgekehrt. Was sich sagen lässt: Im Bürosegment ist es üblicher, Sitzhöhe, Sitztiefe und Verstellbereiche im Angebot zu nennen, und damit ist dort die Prüfung überhaupt möglich. Im Gaming-Segment fehlen diese Angaben häufiger. Der Unterschied liegt also weniger in den Stühlen als in dem, was über sie gesagt wird.
Brauche ich eine Fußstütze?
Nur dann, wenn die Arbeitsfläche eine feste Höhe hat und der Stuhl deshalb höher stehen muss, als es die eigene Beinlänge zulässt. Die Regel nennt die Fußstütze im zweiten Mindestinhalt der Unterweisung und behandelt sie als Sonderfall, nicht als Regelausstattung. Zu unterscheiden ist sie von der ausziehbaren Fußstütze am Gaming-Stuhl: Diese dient dem Zurücklehnen in der Pause und löst das Problem der zu hohen Sitzposition nicht, weil sie mit dem Stuhl mitfährt.
Wie lange hält ein Gaming-Stuhl?
Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht, weil sie von Gewicht, Sitzdauer und Bauart abhängen. Vorhersagbar ist dagegen die Reihenfolge der Ausfälle. Zuerst gibt regelmäßig die Gasfeder nach, erkennbar am langsamen Absinken des Sitzes unter Last. Dann verschleißen Rollen und Armlehnenauflagen. Bei Kunstleder zeigen sich Abriebstellen an der Sitzvorderkante und an den Seitenwangen, später Risse an den Nähten. Gasfeder und Rollen sind genormte Austauschteile; Polsterung und Mechanik sind es nicht.
Was kostet ein Stuhl, der die acht Eigenschaften erfüllt?
Eine Preisuntergrenze lässt sich daraus nicht ableiten, weil sechs der acht Eigenschaften bei praktisch jedem fünfarmigen Drehstuhl bauartbedingt vorliegen. Teuer wird es bei zweien: bei der Federkraftverstellung, die Nummer 3 verlangt, und bei einer höhenverstellbaren integrierten Lordosenstütze, die die Maßempfehlung nahelegt. Beides findet sich im Gaming-Segment eher in der oberen Hälfte des Marktes, ist aber auch dort nicht garantiert.
Hilft ein neuer Stuhl gegen Rückenschmerzen?
Keine der hier ausgewerteten Quellen behauptet das, und diese Seiten behaupten es auch nicht. Die ASR A6 formuliert Schutzziele zur Verringerung physischer und psychischer Belastung und beschreibt in Abschnitt 4 eine Kette aus Belastung, Beanspruchung und möglicher Gesundheitsgefährdung. Sie verspricht an keiner Stelle eine Wirkung auf ein Beschwerdebild. Wer Beschwerden hat, klärt sie ärztlich; die Regel selbst verweist für diesen Fall auf die arbeitsmedizinische Vorsorge und nicht auf ein Möbel.
Warum steht in so vielen Angeboten keine Sitzhöhe?
Eine Pflicht zur Angabe gibt es beim Verkauf an Privatleute nicht. Hinzu kommt, dass eine bezifferte Sitzhöhe eine Festlegung ist, an der sich ein Anbieter messen lassen muss, während ein Werbetext ohne Zahlen dieses Risiko nicht trägt. Für den Käufer folgt daraus eine einfache Konsequenz: Das Fehlen der Angabe ist kein Mangel des Stuhls, aber es ist ein Grund, vor dem Kauf beim Anbieter nachzufragen, und die Antwort auf diese Frage ist selbst eine Auskunft.
Die dritte Frage verdient eine Nachbemerkung, weil sie die häufigste des Feldes ist und weil die übliche Antwort in beide Richtungen falsch ist. Weder ist ein Gaming-Stuhl grundsätzlich schlechter als ein Bürostuhl, noch ist er grundsätzlich bequemer. Beide Bezeichnungen beschreiben eine Optik und eine Zielgruppe, keine technische Klasse. Die Norm kennt vier Typen von Büro-Arbeitsstühlen und keine Kategorie für Gaming; die Arbeitsstättenregel kennt acht Eigenschaften und keine Bauform. Wer in diesen Kategorien denkt statt in Marken- und Zielgruppenkategorien, trifft die bessere Entscheidung.
Die achte Frage ist die praktisch nützlichste. Eine Anfrage an den Anbieter nach der Sitzhöhe und ihrem Verstellbereich kostet zwei Minuten, und die Antwort ist in jedem Fall aufschlussreich: Kommt eine Zahl, hat man, was man zum Rechnen braucht. Kommt keine oder eine ausweichende Antwort, weiß man etwas über den Anbieter, das in keinem Datenblatt steht.
Was dieser Bereich bewusst nicht behandelt
Ein Bereich wird auch dadurch brauchbar, dass er seine Grenzen nennt. Fünf Themen liegen in der Nachbarschaft und werden hier nicht behandelt, jeweils aus einem angebbaren Grund.
| Thema | Warum nicht hier | Was stattdessen gilt |
|---|---|---|
| Gaming-Tische und Setups | Der Tisch gehört zur Arbeitsfläche und wird in diesem Bereich nur so weit behandelt, wie er die Stuhlwahl bestimmt | Die Tischhöhe ist hier nur als Bezugsgröße für die Armlehnen von Bedeutung |
| Fußstützen als eigenes Möbel | Die ausziehbare Fußstütze am Stuhl ist etwas anderes als eine separate Fußstütze unter dem Tisch | Die separate Lösung steht im Bürostuhl-Bereich |
| Racing-Simulator-Sitze und Cockpits | Diese Geräte sind für das Fahren gebaut und nicht für Bildschirmarbeit. Sie haben regelmäßig keine Höhenverstellung und kein Drehgelenk, und sie sind fest auf einem Rahmen montiert | Damit fallen sie schon bei Nummer 2 der acht Eigenschaften heraus, und zwar gleich zweimal: an der Drehbarkeit und an der stufenlosen Höhenverstellung. Die Verwechslung mit einem Gaming-Stuhl ist häufig, weil die Sitzschale ähnlich aussieht |
| Medizinische Beratung bei Rückenbeschwerden | Ein Möbelstück ist kein Heilmittel, und keine der hier ausgewerteten Quellen verspricht das | Wer Beschwerden hat, klärt sie ärztlich und nicht über einen Kauf |
| Gebrauchtkauf und Refurbishing | Bei gebrauchten Drehstühlen entscheidet der Zustand von Gasfeder und Mechanik, und der lässt sich aus einem Inserat nicht ablesen. Beide Bauteile versagen schleichend und nicht plötzlich | Der Bereich wertet Neuangebote aus. Wer dennoch gebraucht kauft, sollte den Sitz unter Last beobachten und die Lehne in allen drei Sitzhaltungen belasten, bevor er zahlt |
Der dritte Punkt verdient eine Hervorhebung, weil er häufig verwechselt wird. Ein Racing-Simulator-Sitz ist kein Gaming-Stuhl im Sinne dieses Bereichs. Er hat in aller Regel weder eine Höhenverstellung noch ein Drehgelenk und scheitert damit bereits an Nummer 2 der acht Eigenschaften.
Was hier nicht versprochen wird
Keine der ausgewerteten Quellen behauptet, ein bestimmter Stuhl verhindere Rückenschmerzen, und auf diesen Seiten wird es auch nicht behauptet. Die ASR A6 formuliert Schutzziele zur Verringerung physischer und psychischer Belastung. Sie verspricht keine Wirkung und nennt kein Beschwerdebild.
Das gilt auch für die Gegenrichtung. Aus der Feststellung, dass sich eine der acht Eigenschaften aus einem Angebot nicht ablesen lässt, folgt nicht, dass der Stuhl schädlich wäre. Sie folgt nur, dass die Auskunft fehlt. Diese Unterscheidung wird auf diesen Seiten durchgehalten, weil sie den Unterschied zwischen einer Prüfung und einem Verdacht ausmacht, und weil ein Verdacht in einer Warengruppe, in der es um Gesundheit geht, besonders billig zu haben und besonders wenig wert ist.
Der Unterschied zwischen der Aussage, ein Stuhl erfülle die acht Mindesteigenschaften, und der Aussage, er sei gut für den Rücken, ist der ganze Punkt dieses Bereichs. Die erste ist an einem Angebot nachprüfbar. Die zweite ist ein Versprechen, das niemand einlösen kann, der den Käufer nicht kennt. Wer Beschwerden hat, klärt sie ärztlich; die Produktseite dazu steht unter Bürostuhl gegen Rückenschmerzen.
Wie die Seiten dieses Bereichs entstehen
Grundlage sind öffentlich zugängliche Unterlagen: die Technische Regel ASR A6 in der Fassung vom 1. Juli 2024, die Arbeitsstättenverordnung, die bibliografischen Angaben zu den einschlägigen Normen und die Angebotsunterlagen der jeweils betrachteten Produkte, also Titel, Aufzählungen und Datenblätter. Ausgewertet werden diese Unterlagen, nicht die Geräte.
Daraus ergibt sich, was diese Seiten leisten können und was nicht. Sie können sagen, welche Angabe in einem Angebot steht, welche fehlt und wo sich zwei Angaben desselben Angebots widersprechen. Sie können nicht sagen, wie sich ein Stuhl nach vier Stunden anfühlt. Wo hier steht, eine Eigenschaft sei nicht belegt, heißt das, dass sie im Angebot nicht steht, und nicht, dass der Stuhl sie nicht hat.
Ein Wort zur Auswahl der betrachteten Produkte: Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist keine Rangliste des Marktes. Ausgewählt werden Angebote, die im deutschen Versandhandel verfügbar sind, die eine Bewertungsbasis tragen und die sich in Bauart, Bezug und Preisstufe voneinander unterscheiden, damit das Feld die Bandbreite abbildet. Angebote, die dieselbe Elternnummer teilen und sich nur in der Farbe unterscheiden, werden nicht doppelt geführt.
Angaben zu Preisen, Bewertungen und Ausführungen werden zum genannten Stand von den Produktseiten abgelesen und nicht geschätzt. Sie ändern sich laufend; maßgeblich ist stets das Angebot zum Zeitpunkt des Aufrufs. Die weiteren Sitzmöbel stehen im Bereich Arbeiten und Produktivität.
Der kürzeste Weg durch diesen Bereich
Wer wenig Zeit hat, geht drei Schritte. Erstens: die eigene Arbeitsflächenhöhe messen, denn Nummer 8 der acht Eigenschaften hängt daran und sonst an nichts. Zweitens: im Angebot nach genau zwei Zahlen suchen, nämlich nach der Sitzhöhe und nach ihrem Verstellbereich. Stehen sie nicht da, ist die wichtigste der acht Eigenschaften nicht prüfbar, und dann führt der Weg über eine Anfrage beim Anbieter oder über ein anderes Angebot. Wer zusätzlich Zeit hat, sucht als drittes die Sitztiefe und hält sie gegen 370 bis 470 Millimeter; damit sind zwei der acht Punkte erledigt, und es sind die beiden, an denen die Sitzhaltung tatsächlich hängt.
Drittens: nach einem Nachweis fragen, der nicht vom Anbieter selbst stammt. Ein GS-Zeichen mit Kennung und Zertifikatsnummer ist einer. Ein Vereinssiegel ist eine Empfehlung. Eine Formel im Werbetext ist keiner. Wer diese drei Schritte geht, ist bei dieser Warengruppe weiter als die meisten Kaufratgeber. Die Anwendung auf fünf konkrete Angebote steht im Vergleich am Maßstab der ASR A6, die rechtliche Seite im Ratgeber zur Rechtslage.

