13 Watt: mehr garantiert ein PoE-Anschluss nach 802.3af der Kamera nicht
Dreizehn Watt. So viel muss an einem Netzwerkkabel nach dem ersten PoE-Standard IEEE 802.3af am anderen Ende ankommen, bei der Kamera. Am Switch-Port sind es 15,4 Watt; der Rest darf im Kabel verloren gehen. Vier der fünf Kameras auf dieser Seite hängen an genau diesem Standard, und kaum ein Angebot sagt, wie viel von den 13 Watt die Kamera selbst braucht.
Dabei hängt an dieser einen Zahl die ganze Planung. Ein PoE-Switch hat ein Gesamtbudget für alle Ports zusammen, und es steht in seinem eigenen Datenblatt. Ob daran vier Kameras laufen oder neun, entscheidet nicht die Zahl der Buchsen, sondern was jede Kamera anmeldet und zieht. Wer eine Kamera mit Spotlight in der Nacht einschaltet oder eine Schwenkkamera mit Zoom betreibt, kommt an die Grenze, die beim Kauf unsichtbar war.
Warum die Zahl im Handel fehlt, ist schnell erklärt: PoE klingt nach einer Eigenschaft, die man hat oder nicht hat, wie WLAN. Tatsächlich ist es eine Leistungsklasse mit Stufen. Die Ethernet Alliance, der Branchenverband, der die Normen erklärt, führt acht Klassen von 4 bis 90 Watt am Port. Eine Kamera, die 6,5 Watt braucht, und eine, die 51 Watt braucht, sind beide PoE-Kameras, und nur eine davon läuft an einem einfachen Switch.
Diese Seite misst fünf PoE-Kameras für außen an der Norm: erst was 802.3af, 802.3at und 802.3bt festlegen, dann was die fünf Datenblätter dazu sagen, dann die Kameras selbst. Wer noch nicht weiß, ob es überhaupt eine Kamera am Kabel sein soll oder eher eine mit Akku, Solar oder WLAN, findet die Wege im Überblick zur Überwachungskamera außen, einschließlich der Frage, was eine Kamera am Haus überhaupt sehen darf.
Was die Norm festlegt: vier Typen, acht Klassen, zwei Enden des Kabels
Power over Ethernet ist in drei Schritten gewachsen. 802.3af von 2003 brachte laut Ethernet Alliance 13 Watt an das Gerät, 802.3at von 2009 hob das auf 25,5 Watt, und 802.3bt erweiterte es auf bis zu 71,3 Watt. Die Norm unterscheidet dabei konsequent zwei Seiten: die Quelle, im Standard PSE genannt, also Switch, Injektor oder Rekorder mit PoE-Buchsen, und das versorgte Gerät, PD genannt, hier die Kamera.
Für jede Klasse gibt es deshalb zwei Zahlen. Die Quelle stellt am Port bereit: Klasse 1 vier Watt, Klasse 2 sieben, Klasse 3 15,4, Klasse 4 dreißig, Klasse 5 45, Klasse 6 sechzig, Klasse 7 75 und Klasse 8 neunzig Watt. Beim Gerät kommen an: 3,84, 6,49, 13, 25,5, 40, 51, 62 und 71,3 Watt. Der Abstand zwischen den beiden Spalten ist das, was die Norm für den Widerstand des Kabels einplant; die Übersicht rechnet mit einem Schleifenwiderstand von bis zu 12,5 Ohm je Adernpaar-Satz.
Die Typen bündeln die Klassen. Typ 1 ist 802.3af mit höchstens Klasse 3 und 15,4 Watt am Port, Typ 2 ist 802.3at mit Klasse 4 und 30 Watt. Typ 3 und Typ 4 kamen mit 802.3bt; Typ 3 reicht bis Klasse 6 und 60 Watt, Typ 4 bis Klasse 8 und 90 Watt. Bis Klasse 4 genügen zwei der vier Adernpaare eines Netzwerkkabels, ab Klasse 5 muss der Strom über alle vier fließen.
Wichtig für den Kauf ist ein Satz aus der Übersicht, der unscheinbar klingt: Alle PoE-Geräte sind untereinander verträglich, die einzige Einschränkung ist, dass ein neues Gerät mit hoher Leistung an einer älteren oder schwächeren Quelle nicht die volle Leistung bekommt. Eine Kamera nach 802.3af läuft also an jedem Switch, der PoE kann. Eine Kamera, die 51 Watt braucht, läuft an einem 802.3af-Switch nicht oder nur eingeschränkt, und ob sie eingeschränkt überhaupt etwas tut, ist Sache des Herstellers.
Und noch eine Einschränkung steht dort, die viele Datenblätter von Switches übergehen: Eine Quelle des Typs 1 muss nur Klasse 1 sicher versorgen können und darf bis Klasse 3 gehen. Ein Injektor nach 802.3af, der 15,4 Watt je Port liefert, erfüllt die Norm; einer, der nur bis Klasse 1 oder 2 versorgt, kann sie ebenfalls erfüllen. Welche Leistung ein Switch je Port und insgesamt bereitstellt, steht in seinem eigenen Datenblatt. Ohne diese Zahl ist jede Kamerarechnung halb.
Klasse 0 ist Klasse 3: warum der Switch für 5 Watt 15,4 Watt zurücklegt
Bevor ein PoE-Port Spannung anlegt, fragt er das Gerät ab. Die Norm nennt das Erkennung und Klassifizierung: Der Switch prüft am Widerstand, ob am Kabel überhaupt ein PoE-Gerät hängt, und liest dann eine Klassensignatur, also einen festgelegten Strom, mit dem die Kamera ihre Klasse meldet. Nach dieser Klasse richtet sich, wie viel Leistung der Switch für den Port aus seinem Budget abzieht.
Klasse 0 ist dabei ein Sonderfall. Die Übersicht der Ethernet Alliance schreibt ausdrücklich, Klasse 0 sei ein anderer Name für Klasse 3. Ein Gerät nach 802.3af, das gar keine Klassifizierung eingebaut hat, zeigt Signatur 0, und die Quelle behandelt es, als hätte es Klasse 3 verlangt. Auch eine neue Quelle nach 802.3bt ordnet ein solches Gerät der Klasse 3 zu, mit derselben Grenze.
Für die Kameras auf dieser Seite heißt das: TP-Link schreibt zur VIGI C330I „Class 0“, Hikvision zur DS-2CD1121-I „Class 3“. Das ist nach der Norm dasselbe. Beide bekommen am Port 15,4 Watt reserviert. Die Hikvision zieht laut Datenblatt höchstens 6,5 Watt, die TP-Link am Netzteil höchstens 5 Watt. Mehr als die Hälfte der reservierten Leistung bleibt damit ungenutzt im Budget liegen, solange der Switch nach Klasse rechnet.
Ob er das tut, ist eine Eigenschaft des Switches, nicht der Kamera. Die Norm kennt mit Autoclass ein optionales Verfahren, bei dem die Quelle die tatsächliche Leistung samt Kabelverlust misst und das Budget danach verteilt; laut Ethernet Alliance kann eine Quelle so mehr Ports aus einem begrenzten Netzteil versorgen. Dazu kommt die Abstimmung über LLDP, ein Protokoll auf der Datenebene, mit dem Geräte ihren Bedarf nachträglich genauer angeben. Beides ist optional.
Die vorsichtige Rechnung nimmt deshalb die Klasse, nicht den Datenblattwert. Wer weiß, dass sein Switch nach gemessener Leistung verteilt, darf enger planen. Wer es nicht weiß, plant mit 15,4 Watt je Kamera der Klassen 0 bis 3, und mit dem Datenblattwert nur für die Stromrechnung. Der Unterschied zwischen beiden Rechnungen ist auf dieser Seite der größte Einzelbefund.
Fünf Datenblätter gegen die Norm gelesen: Watt, Klasse, Betriebsart
Gelesen wurden für jede Kamera die Unterlagen des Herstellers: das PDF-Datenblatt bei Hikvision und ANNKE, die Spezifikationsseiten bei TP-Link, Reolink und Ubiquiti. Gesucht wurde nach drei Angaben, die ein Switch braucht: der Norm, der Klasse und der höchsten Leistungsaufnahme, und bei dieser nach der Betriebsart, für die sie gilt.
Eine Höchstleistung nennen alle fünf. Für den Betrieb am PoE-Port nennen sie nur drei der fünf: ANNKE und Hikvision je 6,5 Watt, Ubiquiti 51 Watt. TP-Link und Reolink schreiben ihre Wattzahl in die Zeile für das 12-Volt-Netzteil, 5 Watt die eine, unter 12 Watt die andere. Dass das nicht dasselbe ist, zeigen ausgerechnet die beiden, die beides angeben: Bei ANNKE wie bei Hikvision liegt der PoE-Wert um 1,5 Watt über dem Netzteilwert, in beiden Datenblättern mit wortgleicher Zeile.
Eine Klasse nennen zwei von fünf, TP-Link mit Klasse 0 und Hikvision mit Klasse 3, und wie oben gezeigt meinen beide dasselbe. ANNKE und Reolink nennen den Standard 802.3af ohne Klasse. Ubiquiti nennt weder Norm noch Klasse, sondern schreibt „PoE++“; die 51 Watt passen genau auf die Obergrenze der Klasse 6.
Rechnet man das auf einen Switch mit 60 Watt Budget um, entstehen drei verschiedene Antworten für dieselben Geräte. Nach dem Datenblattwert von 6,5 Watt passen neun Kameras von ANNKE oder Hikvision an das Budget. Nach der Reservierung von 15,4 Watt je Port passen drei. Und die Ubiquiti füllt mit 51 Watt am Gerät und 60 Watt am Port das ganze Budget allein. Keine dieser Zahlen steht in einem der fünf Angebote, und keine steht in einem Datenblatt; sie ergeben sich erst aus dem Abgleich mit der Norm.
Noch zwei Nebenbefunde aus derselben Lektüre: Reolink nennt auf derselben Produktseite in den Spezifikationen IP67 und in der FAQ IP66. Und keine der fünf Unterlagen sagt etwas zu Überspannungs- oder Blitzschutz am Netzwerkanschluss, obwohl das Kabel bei allen fünf aus dem Haus heraus an eine Außenwand führt.
PoE-Kameras für außen im Vergleich: Wortlaut, Watt und Betriebsart
Die Tabelle setzt nebeneinander, was in den Unterlagen steht, und zwar im Wortlaut der Hersteller. Die Spalte „Wofür die Watt gelten“ ist die, die im Handel fehlt. Grün markiert ist die Kamera, deren Datenblatt für den Betrieb am Switch am vollständigsten ist und die dabei nicht auf Bild oder Speicher verzichtet.
| Kamera | PoE laut Datenblatt | Höchstleistung | Wofür die Watt gelten | Schutzart | Speicher | Netzteil möglich | Dafür und dagegen | Kaufen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| PoE (802.3af) | max. 6,5 W über PoE, max. 5 W am Netzteil | PoE und Netzteil getrennt angegeben | IP67 (Ausführung I91DF zusätzlich IK08) | microSD bis 512 GB, ONVIF Profile S, T, G | ja, 12 V DC ± 25 % | + Norm und Wattzahl am PoE-Port im Datenblatt − keine PoE-Klasse genannt | Zum Angebot | |
| PoE: 802.3af, Class 3 | max. 6,5 W über PoE, max. 5 W am Netzteil | PoE und Netzteil getrennt angegeben, mit Klasse | IP67, IK10 | kein Kartenplatz genannt; FTP, Rekorder über ONVIF | ja, 12 V DC ± 25 % | + Norm, Klasse und Watt am PoE-Port in einer Zeile − nur 2 Megapixel und H.264 | Zum Angebot | |
| PoE (802.3af/at, class 0) | max. 5 W am Netzteil; für PoE nur „Class 0“ | Watt nur für das Netzteil | IP67 | kein Kartenplatz; NAS (NFS, SMB/CIFS), VIGI-Rekorder, ONVIF | ja, 12 V DC ± 5 % | + PoE-Klasse genannt − keine Wattzahl für den PoE-Betrieb | Zum Angebot | |
| IEEE 802.3af, 48 V Active | unter 12 W, angegeben am Netzteil | Watt nur für das Netzteil | IP67 in den Spezifikationen, IP66 in der FAQ | microSD bis 512 GB, ONVIF, Reolink-Rekorder | ja, 12 V DC 1 A (separat) | + höchste Auflösung der fünf: 12 MP − Wattzahl nur für den Netzteilbetrieb | Zum Angebot | |
| PoE++ | max. 51 W | nur PoE, 42,5 bis 57 V DC | IP66 | microSD-Steckplatz; ONVIF nicht genannt | nicht vorgesehen, nur PoE++ | + Wattzahl klar angegeben: 51 W − keine IEEE-Norm und keine Klasse genannt | Zum Angebot |
Unsere Empfehlung für die übliche Lage am Haus, zwei bis vier Kameras an einem kleinen Switch, ist die ANNKE C800: Ihr Datenblatt nennt Norm und Wattzahl am PoE-Port, sie zeichnet mit 8 Megapixeln auf eine Karte bis 512 Gigabyte auf und spricht ONVIF in drei Profilen. Wer das Budget auf das Watt genau planen will und mit 2 Megapixeln auskommt, nimmt die Hikvision, weil nur deren Datenblatt auch die Klasse nennt. Für den einen Mast mit Zoom über ein großes Gelände steht die Ubiquiti da, mit eigenem Port.
Die Preislage reicht vom unteren Segment bei Hikvision und TP-Link über das untere Mittelfeld bei ANNKE und das Mittelfeld bei Reolink bis zum oberen Segment bei Ubiquiti, das von den anderen vier weit entfernt liegt. Zu jeder Kamera kommt eine Quelle dazu, die nicht im Karton liegt: ein Switch, ein Injektor oder ein Rekorder mit PoE-Buchsen, bei der Ubiquiti einer mit 60 Watt am Port.
- 802.3af an der Kamera: 0 bis 13 Watt
- TP-Link VIGI C330I: 5 Watt — im Korridor, Netzteilwert
- ANNKE C800: 6,5 Watt — im Korridor
- Hikvision DS-2CD1121-I: 6,5 Watt — im Korridor
- Reolink RLC-1224A: 12 Watt — im Korridor, unter 12 W, Netzteilwert
- Ubiquiti AI PTZ Industrial: 51 Watt — außerhalb des Korridors
Die fünf Kameras am Maßstab der Norm
Jedes Profil beginnt mit dem, was das Datenblatt zum PoE-Betrieb sagt, und geht dann zu dem, was im Alltag zählt: Speicher, Bild, Montage. Wo ein Herstellerfeld fehlt, steht im aufklappbaren Kasten, wo gesucht wurde.
ANNKE C800
ANNKE C800, 8-Megapixel-Bullet-Netzwerkkamera für außen mit PoE nach 802.3af, microSD-Steckplatz, Mikrofon und Infrarot-Nachtsicht
Preislage: unteres Mittelfeld · Bild: 8 MP, 3840 × 2160 · Netzwerk: 10/100 Mbit/s
PoE laut Hersteller: PoE (802.3af) · max. 6,5 W über PoE, max. 5 W am Netzteil
Schutzart: IP67 (Ausführung I91DF zusätzlich IK08) · Netzteil: ja, 12 V DC ± 25 %
Am Maßstab der Norm: Das Datenblatt nennt beides, was ein Switch wissen muss: den Standard 802.3af und die Höchstleistung am PoE-Port von 6,5 Watt. Damit liegt die Kamera bei der Hälfte dessen, was die Norm einer Kamera am Typ-1-Port garantiert, und bei mehr als der Klasse-2-Grenze von 6,49 Watt. Welche Klasse sie beim Switch anmeldet, schreibt ANNKE nicht dazu. Über ein Netzteil braucht sie laut derselben Zeile höchstens 5 Watt; die 1,5 Watt Unterschied stehen wortgleich auch im Hikvision-Datenblatt.
Speicher, Bild, Montage: ANNKE führt unter dem Namen C800 drei Hardware-Ausführungen, I91DF, I91DL und I91DM, und gibt für alle drei dieselbe Leistungszeile an. Welche Ausführung im Karton liegt, verrät die Produktbezeichnung nicht; für das Kabel und den Switch ist das gleichgültig. Die Aufnahme landet auf einer microSD-Karte bis 512 Gigabyte in der Kamera oder über ONVIF auf einem Rekorder. Bei Nacht nennt ANNKE 30 Meter Reichweite des Zusatzlichts.
Spricht dafür: Norm und Wattzahl am PoE-Port im Datenblatt · microSD bis 512 GB in der Kamera · ONVIF mit den Profilen S, T und G · Netzteilbetrieb mit 12 V möglich
Spricht dagegen: keine PoE-Klasse genannt · drei Hardware-Ausführungen unter einem Namen · nur 10/100 Mbit/s am Netzwerkanschluss · keine Garantiedauer auf Produkt- und Kontaktseite
Hersteller, Anschrift, Erreichbarkeit und Garantie
| Unternehmen | ANNKE INNOVATION (HK) CO., LIMITED laut Kontaktseite von annke.com |
| Anschrift | FLAT/RM 19H Maxgrand Plaza, 3 Tai Yau Street, San Po Kong, Hongkong, laut Kontaktseite; dort stehen zusätzlich Anschriften in Vilnius (Litauen) und Portsmouth (Großbritannien), ohne Angabe, welche Stelle wofür zuständig ist |
| Gegründet | Nicht genannt; geprüft wurden Kontaktseite, Produktseite und Datenblatt des C800 |
| Kontakt | E-Mail support@annke.com, Telefon +1 833 717 0187 (gebührenfrei nur aus den USA und Kanada) laut Kontaktseite |
| Zeiten | Telefon werktags 12.00 bis 1.30 Uhr GMT, Live-Chat werktags 19.30 bis 10.00 Uhr EST laut Kontaktseite |
| Garantie | Auf Produkt- und Kontaktseite keine Dauer genannt, die Garantieseite war am Prüftag nicht abrufbar; es gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gegenüber dem Verkäufer |
| Normen und Kennzeichnung | IP67, bei der Ausführung I91DF IP67 und IK08 laut Datenblatt; PoE nach 802.3af |
| Herkunft | Nicht genannt; geprüft wurden Datenblatt, Produktseite und Kontaktseite |
| Gewicht | 285 g (Ausführung I91DL) laut Produktseite |
| Seit wann im Handel | Nicht genannt; geprüft wurden Produktseite und Datenblatt ANNKE_C800_02 |
Hikvision DS-2CD1121-I
Hikvision DS-2CD1121-I, 2-Megapixel-Dome-Netzwerkkamera mit 2,8-mm-Objektiv, Ausführung (F), PoE nach 802.3af Klasse 3
Preislage: unteres Segment · Bild: 2 MP, 1920 × 1080, H.264 · Netzwerk: 10/100 Mbit/s
PoE laut Hersteller: PoE: 802.3af, Class 3 · max. 6,5 W über PoE, max. 5 W am Netzteil
Schutzart: IP67, IK10 · Netzteil: ja, 12 V DC ± 25 %
Am Maßstab der Norm: Kein anderes der fünf Datenblätter sagt so genau, womit ein Switch rechnen muss: 802.3af, Klasse 3, 36 bis 57 Volt, 0,2 bis 0,15 Ampere, höchstens 6,5 Watt. Klasse 3 ist nach der Norm die Stufe mit 15,4 Watt am Port und 13 Watt an der Kamera. Der Switch legt also für diese Kamera 15,4 Watt zurück, obwohl sie laut Hersteller nie mehr als 6,5 Watt zieht. Wer das Budget plant, weiß damit beides: was die Kamera braucht und was der Switch für sie reserviert.
Speicher, Bild, Montage: Die Kamera ist eine einfache Dome mit 2 Megapixeln und H.264, ohne Kartenplatz. Aufnahmen gehen an einen Rekorder oder per FTP auf einen Server; im Datenblatt steht Hik-Connect als Client. IK10 bedeutet, dass das Gehäuse für Schläge geprüft ist, die Schutzart IP67 für Staub und Wasser. Die Infrarot-Reichweite gibt Hikvision mit bis zu 30 Metern an. Die Ausführung (F) trägt dieselbe Modellnummer wie das Datenblatt, ergänzt um diesen Zusatz.
Spricht dafür: Norm, Klasse und Watt am PoE-Port in einer Zeile · IP67 und IK10 nach den genannten IEC-Normen · niedrigste Preislage der fünf · Privatmaske im Funktionsumfang
Spricht dagegen: nur 2 Megapixel und H.264 · kein Kartenplatz in der Kamera · nur 10/100 Mbit/s · keine Garantiedauer im Datenblatt
Hersteller, Anschrift, Erreichbarkeit und Garantie
| Unternehmen | Hikvision Deutschland GmbH, Niederlassung der Hikvision-Gruppe für Deutschland, Österreich und die Schweiz |
| Anschrift | Wilhelm-Fay-Straße 32 b, 65936 Frankfurt am Main, laut Über-uns-Seite; weitere Büros in Düsseldorf und Gersthofen |
| Gegründet | Hikvision 2001 laut Über-uns-Seite der deutschen Website; das Gründungsjahr der deutschen GmbH nennt die Seite nicht |
| Kontakt | E-Mail sales.dach@hikvision.com laut Über-uns-Seite; eine Servicenummer nennt die Seite nicht |
| Zeiten | Nicht genannt; geprüft wurden Über-uns-Seite und Datenblatt |
| Garantie | Im Datenblatt nicht genannt; geprüft wurden Datenblatt und Über-uns-Seite; es gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gegenüber dem Verkäufer |
| Normen und Kennzeichnung | IP67 (IEC 60529-2013), IK10 (IEC 62262:2002), CE-EMC, CE-LVD und CE-RoHS laut Datenblatt |
| Herkunft | Nicht genannt; die Über-uns-Seite nennt sieben Produktionsstandorte weltweit, ohne Zuordnung zu diesem Modell |
| Gewicht | ca. 410 g, mit Verpackung ca. 610 g laut Datenblatt |
| Seit wann im Handel | Nicht genannt; das Datenblatt trägt den Stand 25.05.2026 im Dateinamen |
TP-Link VIGI C330I (4 mm)
TP-Link VIGI C330I, 3-Megapixel-Bullet-Netzwerkkamera für außen mit 4-mm-Objektiv, Infrarot bis 30 m, PoE nach 802.3af/at Klasse 0
Preislage: unteres Segment · Bild: 3 MP, 2304 × 1296, H.265+ · Netzwerk: 10/100 Mbit/s
PoE laut Hersteller: PoE (802.3af/at, class 0) · max. 5 W am Netzteil; für PoE nur „Class 0“
Schutzart: IP67 · Netzteil: ja, 12 V DC ± 5 %
Am Maßstab der Norm: TP-Link schreibt unter Leistungsaufnahme zwei Zeilen: 12 Volt Gleichstrom höchstens 5 Watt, PoE Klasse 0. Für den PoE-Betrieb steht dort also keine Wattzahl, sondern eine Klasse, und zwar die, die nach der Übersicht der Ethernet Alliance nur ein anderer Name für Klasse 3 ist. Ein Switch hält deshalb 15,4 Watt für diese Kamera bereit. Wie viel sie davon wirklich braucht, lässt sich nur aus der Netzteilangabe schätzen, und die gilt für einen anderen Betrieb.
Speicher, Bild, Montage: Die C330I hat keinen Kartenplatz; die Spezifikation führt den eingebauten Speicher als „N/A“. Gespeichert wird auf einem NAS über NFS oder SMB, auf einem VIGI-Rekorder oder über ONVIF auf einem fremden Rekorder. Im Karton liegen laut TP-Link Kamera, Kurzanleitung, Montagematerial und eine wasserdichte Kabeldurchführung. Personen- und Fahrzeugerkennung, Linienüberschreitung und bis zu vier Privatmasken führen die Spezifikationen als Funktionen der Kamera.
Spricht dafür: PoE-Klasse genannt · H.265+ spart Speicher auf NAS und Rekorder · wasserdichte Kabeldurchführung im Karton · bis zu vier Privatmasken
Spricht dagegen: keine Wattzahl für den PoE-Betrieb · kein Kartenplatz · enges Netzteilfenster: 12 V ± 5 % · keine Garantiedauer auf der Produktseite
Hersteller, Anschrift, Erreichbarkeit und Garantie
| Unternehmen | TP-Link Deutschland GmbH, Betreiberin der deutschen Website, Marke VIGI |
| Anschrift | Niederkasseler Lohweg 175, 40547 Düsseldorf, Handelsregisternummer HRB89763, laut Impressum |
| Gegründet | Nicht genannt; geprüft wurden Impressum und Produktseite der VIGI C330I |
| Kontakt | Telefon +49 (0)211 8755 100, E-Mail info.de@tp-link.com laut Impressum |
| Zeiten | Nicht genannt; geprüft wurden Impressum und Produktseite |
| Garantie | Auf Produktseite und Impressum keine Dauer genannt; es gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gegenüber dem Verkäufer |
| Normen und Kennzeichnung | IP67; Zertifizierungen CE, BSMI, VCCI und ONVIF laut Spezifikationen |
| Herkunft | Nicht genannt; geprüft wurden Spezifikationen und Impressum |
| Gewicht | 0,2 kg netto, 0,35 kg mit Verpackung laut Spezifikationen |
| Seit wann im Handel | Nicht genannt; die Produktseite verweist für weitere Hardware-Versionen auf den Support-Bereich |
Reolink RLC-1224A
Reolink RLC-1224A, 12-Megapixel-Dome-Netzwerkkamera für außen mit Spotlight, Zwei-Wege-Audio, microSD-Steckplatz und PoE nach IEEE 802.3af
Preislage: Mittelfeld · Bild: 12 MP, 4512 × 2512 · Netzwerk: 10/100 Mbit/s
PoE laut Hersteller: IEEE 802.3af, 48 V Active · unter 12 W, angegeben am Netzteil
Schutzart: IP67 in den Spezifikationen, IP66 in der FAQ · Netzteil: ja, 12 V DC 1 A (separat)
Am Maßstab der Norm: Reolink nennt den Standard und die Spannung, 802.3af mit 48 Volt aktiv, und eine Höchstleistung unter 12 Watt, die aber in der Zeile für das Netzteil steht. Für den Switch ist das die engste Rechnung der fünf: Die Norm garantiert am Typ-1-Port 13 Watt an der Kamera, und schon der Spotlight allein ist mit 4,3 Watt angegeben. Eine Klasse nennt Reolink nicht. Nach der Norm wird eine Kamera, die keine Klasse anmeldet, wie Klasse 3 behandelt.
Speicher, Bild, Montage: Die RLC-1224A zeichnet auf einer microSD-Karte bis 512 Gigabyte auf, spricht ONVIF und RTSP und lässt sich laut Reolink auch in der Synology Surveillance Station betreiben. Ein Abo verlangt Reolink für die Erkennung nicht. Ein Detail aus derselben Produktseite betrifft vorhandene Rekorder: Geräte mit der Hardware N2MB02, N3MB01 oder H3MB18 zeigen die Live-Ansicht dieser Kamera nicht in voller Auflösung. Die Reolink-Modelle, die schon im Cluster stehen, führt die Markenseite; dieses steht dort nicht.
Spricht dafür: höchste Auflösung der fünf: 12 MP · microSD bis 512 GB und ONVIF · Spotlight mit 700 Lumen für Farbe bei Nacht · 2 Jahre eingeschränkte Garantie laut Produktseite
Spricht dagegen: Wattzahl nur für den Netzteilbetrieb · knappster Abstand zur 802.3af-Grenze · IP67 und IP66 auf derselben Produktseite · enger Temperaturbereich: –10 bis +55 °C
Hersteller, Anschrift, Erreichbarkeit und Garantie
| Unternehmen | Reolink, laut Impressum mit Handelsregistriernummer HKG 2743024 in Hongkong, Geschäftsführer Aijun Wong |
| Anschrift | RM. 4B, Kingswell Commercial Tower, 171-173 Lockhart Road, Wan Chai, Hongkong, laut Impressum; eine Anschrift in Deutschland nennt das Impressum nicht |
| Gegründet | Nicht genannt; geprüft wurden Impressum, Produktseite und Support-Artikel zum Netzwerkkabel |
| Kontakt | E-Mail support@reolink.com, Telefon +86-755-86717302 laut Impressum |
| Zeiten | Nicht genannt; geprüft wurden Impressum und Produktseite |
| Garantie | 2 Jahre eingeschränkte Garantie laut Produktseite, Abwicklung über support.reolink.com |
| Normen und Kennzeichnung | PoE nach IEEE 802.3af; Schutzart IP67 in den Spezifikationen, IP66 in der FAQ derselben Seite |
| Herkunft | Nicht genannt; geprüft wurden Produktseite und Impressum |
| Gewicht | 515 g laut Spezifikationen |
| Seit wann im Handel | Nicht genannt; geprüft wurde die Produktseite der RLC-1224A |
Ubiquiti AI PTZ Industrial
Ubiquiti AI PTZ Industrial (UVC-AI-PTZ-B), 4K-Schwenk-Neige-Zoom-Kamera mit 22-fachem optischem Zoom, Infrarot bis 100 m und PoE++
Preislage: oberes Segment, weit über den anderen vier · Bild: 8 MP, 3840 × 2160, 22-fach optisch · Netzwerk: Gigabit
PoE laut Hersteller: PoE++ · max. 51 W
Schutzart: IP66 · Netzteil: nicht vorgesehen, nur PoE++
Am Maßstab der Norm: Ubiquiti schreibt „PoE++“ und 51 Watt. Eine IEEE-Norm, einen Typ oder eine Klasse nennt die Tech-Specs-Seite nicht, und den Begriff PoE++ verwendet die Übersicht der Ethernet Alliance nicht. Die 51 Watt sind aber genau die Obergrenze, die die Norm einer Kamera der Klasse 6 zugesteht; am Port sind das 60 Watt, und ab Klasse 5 fließt der Strom über alle vier Adernpaare. Ein Switch nach 802.3af oder 802.3at kann das nicht liefern.
Speicher, Bild, Montage: Die Kamera ist ein anderes Gerät als die vier übrigen: 3,8 Kilogramm ohne Halterung, 22-facher optischer Zoom, Infrarot bis 100 Meter, Betrieb bis –40 Grad. Sie hängt am Mast über einer Hoffläche, einem Parkplatz oder einem Betriebsgelände. Einen Netzteilanschluss nennt Ubiquiti nicht, die Spannung von 42,5 bis 57 Volt kommt über das Netzwerkkabel. Ob ein Injektor im Karton liegt, zeigt die Seite nicht; der Reiter „In The Box“ war am Prüftag leer.
Spricht dafür: Wattzahl klar angegeben: 51 W · Gigabit-Anschluss · Betrieb von –40 bis 50 °C · 22-facher optischer Zoom, Infrarot bis 100 m
Spricht dagegen: keine IEEE-Norm und keine Klasse genannt · braucht einen eigenen 60-W-Port · ONVIF auf der Seite nicht genannt · keine Anschrift und kein EU-Vertreter in den geprüften Unterlagen
Hersteller, Anschrift, Erreichbarkeit und Garantie
| Unternehmen | Ubiquiti Inc. laut Datenschutzerklärung von ui.com |
| Anschrift | Nicht genannt; die Datenschutzerklärung führt keine Anschrift und keinen EU-Vertreter, die Tech-Specs-Seite ebenfalls nicht |
| Gegründet | Nicht genannt; geprüft wurden Datenschutzerklärung und Tech-Specs-Seite |
| Kontakt | Datenschutzanfragen aus EU und Großbritannien über ein Online-Formular laut Datenschutzerklärung; eine Servicenummer für Deutschland nennen die geprüften Seiten nicht |
| Zeiten | Nicht genannt; geprüft wurden Datenschutzerklärung und Tech-Specs-Seite |
| Garantie | Auf der Tech-Specs-Seite nicht genannt; es gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gegenüber dem Verkäufer |
| Normen und Kennzeichnung | CE, FCC und IC sowie IP66 laut Tech Specs; keine PoE-Norm genannt, nur „PoE++“ |
| Herkunft | Nicht genannt; geprüft wurde die Tech-Specs-Seite |
| Gewicht | 3,8 kg ohne Halterung, Wandhalterung 3 kg, Mastschelle 320 g laut Tech Specs |
| Seit wann im Handel | Nicht genannt; geprüft wurde die Tech-Specs-Seite |
Wie viele Kameras an einen PoE-Switch passen: das Budget rechnen
Ein PoE-Switch hat zwei Grenzen: die Leistung je Port und das Gesamtbudget. Die erste entscheidet, ob eine einzelne Kamera läuft, die zweite, wie viele gleichzeitig laufen. Beide Zahlen stehen im Datenblatt des Switches, nicht in dem der Kamera. Ein Switch mit acht PoE-Buchsen und 60 Watt Budget versorgt nicht zwingend acht Kameras.
Gerechnet wird in zwei Spalten. Die untere Spalte nimmt den Datenblattwert der Kamera, bei ANNKE und Hikvision 6,5 Watt; das ist die Rechnung für einen Switch, der nach gemessener Leistung verteilt. Die obere Spalte nimmt die Reservierung nach Klasse, bei Klasse 0 bis 3 also 15,4 Watt; das ist die Rechnung für einen Switch, der nach Klasse verteilt, und die sichere Annahme für jeden, dessen Verfahren man nicht kennt. Das Budget des Switches sollte über der oberen Zahl liegen.
Kameras mit 802.3af und das nötige PoE-Budget
Zahl der Kameras eingeben. Die untere Zahl rechnet mit 6,5 Watt je Kamera (Höchstwert laut Datenblatt von ANNKE C800 und Hikvision DS-2CD1121-I), die obere mit 15,4 Watt je Port (Reservierung für Klasse 0 bis 3). Für andere Kameras ist die untere Zahl eine Annahme.
PoE-Budget des Switches: 26,0 bis 61,6 Watt
Grundlage: Kameras 4,0 Stück.
| Kameras (Stück) | PoE-Budget des Switches (Watt) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1,0 bis 1,0 | 6,5 bis 15,4 | — |
| 2,0 bis 2,0 | 13,0 bis 30,8 | — |
| 3,0 bis 3,0 | 19,5 bis 46,2 | — |
| 4,0 bis 4,0 | 26,0 bis 61,6 | ein 60-Watt-Budget reicht nach Klasse nicht mehr |
| 6,0 bis 6,0 | 39,0 bis 92,4 | — |
| 8,0 bis 8,0 | 52,0 bis 123,2 | — |
6,5 Watt: Datenblatt ANNKE C800 (ANNKE_C800_02.pdf) und Hikvision Datasheet DS-2CD1121-I, je „PoE (802.3af), max. 6.5 W“. 15,4 Watt je Port für Klasse 3 und Klasse 0 als deren Alias: Ethernet Alliance, Overview of 802.3bt Power over Ethernet, Fassung 2.1, Dezember 2019.
Ein Beispiel mit vier Kameras an Hauseingang, Garage, Terrasse und Gartentor: Nach Datenblatt brauchen vier C800 höchstens 26 Watt, nach Klasse reserviert ein Switch 61,6 Watt. Ein Gerät mit 60 Watt Budget versorgt nach Klasse drei davon, die vierte bleibt dunkel oder startet nur, solange eine andere aus ist. Ein Gerät mit 65 Watt Budget reicht, eines mit 120 Watt lässt Platz für einen Zugangspunkt oder eine fünfte Kamera. Wo die Kameras am Haus sinnvoll hängen, damit es bei vier bleibt, steht im Ratgeber wo man eine Überwachungskamera anbringt.
Bei Rekordern mit eingebauten PoE-Buchsen gilt dieselbe Rechnung, nur steht das Budget meist weiter hinten im Datenblatt. Reolink nennt in seiner Anleitung zur RLC-1224A als Anschlussweg ausdrücklich den PoE-Rekorder, den PoE-Injektor, den PoE-Switch und den Router mit PoE-Buchse. Welcher Rekorder welches Budget hat, steht auf der Kamera-Seite nicht.
60 Watt Budget: drei Kameras oder neun
Die Grafik zeigt dasselbe 60-Watt-Budget, vier Mal gerechnet. Sie ist keine Rangliste der Kameras, sondern der Rechenweg: Wer mit dem Datenblattwert plant, kommt auf neun, wer mit der Klassenreservierung plant, auf drei. Dazwischen liegt die Rechnung mit Reolinks Netzteilwert, und am Ende die Kamera, die das Budget allein belegt.
Die Werte als Liste
- mit 6,5 W je Kamera (ANNKE, Hikvision, Datenblatt): 9 Kameras
- mit 12 W je Kamera (Reolink, Netzteilwert): 5 Kameras
- mit 15,4 W je Port (Klasse 0 bis 3): 3 Kameras
- Ubiquiti, 60 W am Port (Klasse 6): 1 Kameras
Hervorgehoben ist die Rechnung nach Klasse, weil sie die einzige ist, die ohne Wissen über den Switch stimmt. Sie ist streng: Drei Kameras mit je 6,5 Watt nutzen von den reservierten 46,2 Watt weniger als die Hälfte. Wer einen Switch mit Leistungsanzeige je Port hat, sieht den echten Wert in dessen Oberfläche und kann nachrechnen. Wer keinen hat, plant mit der Klasse und hat Reserve für die kalte Nacht, in der Infrarot und Zusatzlicht gleichzeitig laufen.
Für Reolink ist die Rechnung mit 12 Watt eine Annahme in zwei Richtungen. Der Wert steht beim Netzteil, und dort mit „unter“. Am Port kann er höher liegen, wie ANNKE und Hikvision mit ihren 1,5 Watt Unterschied zeigen. Und weil Reolink keine Klasse nennt, gilt für die Reservierung, was die Norm für Geräte ohne Klasse vorsieht: Klasse 3, also 15,4 Watt. Für einen Switch macht die RLC-1224A damit keinen Unterschied zu den anderen drei 802.3af-Kameras; für die Reserve am einzelnen Port schon.
Die Ausnahme mit 51 Watt: PoE++ und was am anderen Ende stehen muss
Die Ubiquiti AI PTZ Industrial ist auf dieser Seite, weil sie zeigt, wie weit „PoE“ reicht. Sie nennt 51 Watt Höchstleistung und „PoE++“ als Stromversorgung, mit einem Spannungsbereich von 42,5 bis 57 Volt. In der Klassentabelle der Norm sind 51 Watt genau der Wert der Klasse 6 an der Kamera. Am Port verlangt diese Klasse 60 Watt, und sie gibt es nur an Quellen des Typs 3 mit Versorgung über vier Adernpaare oder des Typs 4.
Daraus folgen drei praktische Dinge. Erstens: Ein Switch, der nur 802.3af oder 802.3at kann, versorgt diese Kamera nicht mit voller Leistung. Die Norm erlaubt einer Quelle, einem Gerät weniger zuzuteilen, als es verlangt; ob die Kamera dann eingeschränkt arbeitet und was dabei wegfällt, nennt die Tech-Specs-Seite nicht. Zweitens: Ein Switch mit 60 Watt Gesamtbudget ist mit dieser einen Kamera voll. Drittens: Das Kabel muss alle vier Adernpaare durchgehend führen, denn ab Klasse 5 fließt der Strom über alle vier.
Der Begriff „PoE++“ steht in der Übersicht der Ethernet Alliance nicht. Sie spricht von Typ 3 und Typ 4, mit 60 und 90 Watt am Port. Für die Ubiquiti reicht nach ihrer Wattzahl eine Quelle des Typs 3 mit 60 Watt am Port; wer eine des Typs 4 mit 90 Watt nimmt, hat Reserve, die die Kamera laut Datenblatt nicht abruft. Wer im Handel nach PoE++ sucht, sollte deshalb im Datenblatt der Quelle nach Typ und Klasse sehen, nicht nach dem Namen.
Für den Hausgebrauch ist das eine andere Welt. Die Kamera wiegt ohne Halterung 3,8 Kilogramm, die Wandhalterung drei weitere, sie zoomt 22-fach und leuchtet 100 Meter weit. Das ist Technik für einen Betriebshof, ein landwirtschaftliches Gelände oder einen großen Parkplatz. Wer dafür sucht, findet die übrigen Kameras mit Dauerbetrieb im Vergleich Überwachungskameras für Gewerbe; für eine Einfahrt am Einfamilienhaus reicht eine der vier 802.3af-Kameras.
Dazu kommt, was die Tech-Specs-Seite nicht sagt: Sie nennt weder ONVIF noch einen Betrieb ohne eigene Ubiquiti-Software, und der Reiter mit dem Lieferumfang war am Prüftag leer. Wer sie in ein fremdes System einbinden will, muss das vor dem Kauf beim Hersteller klären.
100 Meter: was die Kabellänge begrenzt und welche Kategorie es braucht
Die bekannteste Zahl rund um PoE ist nicht die Leistung, sondern die Länge. Reolink nennt in seinem Support-Artikel zum Netzwerkkabel als empfohlene Höchstlänge zwischen Kamera und Switch oder Rekorder 80 Meter bei Cat5 und 100 Meter bei Cat5e und darüber. Darunter steht der Rat, Cat5e oder höher zu nehmen und das Kabel so kurz wie praktisch möglich zu halten; Kabel niedrigerer Kategorie könnten die Übertragungsstrecke verkürzen.
Die Länge begrenzt dabei zwei Dinge. Die Datenübertragung ist das eine. Das andere ist der Widerstand: Je länger das Kabel, desto mehr der Leistung bleibt darin hängen. Die Norm rechnet deshalb mit einem höchsten Schleifenwiderstand von 12,5 Ohm je Adernpaar-Satz und legt den Abstand zwischen Port und Kamera so, dass auch im ungünstigsten Fall 13 Watt ankommen. Wer dünnere oder schlechtere Leitungen nimmt, als die Norm voraussetzt, verliert diesen Spielraum.
Bei 4-Paar-Versorgung halbiert sich der Verlust; die Übersicht der Ethernet Alliance nennt das als Vorteil der neuen Quellen nach 802.3bt, die auch alte Geräte über alle vier Paare versorgen dürfen. Für eine Kamera nach 802.3af an einem neuen Switch kann das Reserve bringen. Für die Ubiquiti ist es Pflicht.
Reolink legt jeder einzelnen Kamera laut demselben Artikel nur ein Netzwerkkabel von einem Meter bei, gedacht für den ersten Test oder die Montage direkt am Switch. Der Weg zur Hauswand ist also ein eigener Einkauf, und dort entscheidet sich, ob die Zahl von 100 Metern hält. Wer schon beim Verlegen zweifelt, ob das Signal bis zur Gartenecke reicht, kann den WLAN-Weg gegenrechnen, der im Vergleich der WLAN-Außenkameras mit seinen eigenen Reichweitenfragen steht.
Cat 7 außen: was die höhere Kategorie bringt und was nicht
„Überwachungskamera außen Cat 7“ ist eine eigene Suchanfrage, und die Antwort aus den Unterlagen ist nüchtern. Reolink führt Cat5, Cat5e, Cat6 und Cat7 als passende Kabel, mit Steckern nach T568B und achtpoligem RJ45. In der Längentabelle stehen aber nur zwei Zeilen: Cat5 bis 80 Meter, Cat5e und höher bis 100 Meter. Mehr Länge gibt die höhere Kategorie dort nicht.
Auch die Kameras selbst fragen nicht nach mehr. Vier der fünf haben einen Netzwerkanschluss mit 10 und 100 Megabit, nur die Ubiquiti einen mit Gigabit. Für den Datenstrom einer einzelnen Kamera ist das ohnehin reichlich: Die höchste Bitrate in den fünf Datenblättern nennt ANNKE mit 16 Megabit im Hauptstrom, TP-Link begrenzt auf 4 Megabit, Reolink auf gut 10 Megabit.
Was die Kategorie außen tatsächlich verändert, steht nicht in der Kategorie, sondern am Mantel. Für die Wand oder das Erdreich braucht es ein Kabel, dessen Hersteller den Einsatz dort ausdrücklich zulässt; die Kamerahersteller sagen dazu nichts. Die Übersicht der Ethernet Alliance nennt für Netzwerkkabel Adern zwischen 26 und 22 AWG, und je dünner die Ader, desto höher der Widerstand, mit dem die Norm rechnet. Die Kategorie auf dem Mantel ist dafür kein Ersatz.
Die Praxis: Wer ohnehin neu verlegt, nimmt ein Verlegekabel der Kategorie, die der Elektriker für das Haus vorsieht, und spart sich die Suche nach Cat 7 als Kameraeigenschaft. Wer ein vorhandenes Kabel zur Garage nutzen will, prüft Länge und Zustand, bevor er die Kamera kauft. Ein Kabel, das für Daten noch reicht, kann für 13 Watt am Ende schon zu lang sein.
Switch, Injektor oder Rekorder mit PoE-Buchsen: drei Wege an die Kamera
Die Kamera ist das eine Ende, die Quelle das andere. Drei Bauformen kommen dafür in Frage, und die Unterlagen nennen sie fast gleich. Reolink zählt den PoE-Rekorder, den PoE-Injektor, den PoE-Switch und den Router mit PoE-Buchse auf. TP-Link zeichnet zwei Wege: über PoE mit VIGI-Rekorder oder PoE-Switch, oder über ein 12-Volt-Netzteil mit Rekorder und gewöhnlichem Switch.
Der Injektor ist die kleinste Lösung. Er sitzt zwischen Router und Kamera, bekommt Strom aus der Steckdose und speist ihn ins Kabel ein. Für eine einzelne Kamera ist er der kürzeste Weg, und sein Budget ist der eine Port. Für eine Kamera nach 802.3af genügt einer, der 15,4 Watt liefert; für die Ubiquiti braucht es einen mit 60 Watt am Port.
Der Switch ist der Weg für mehrere Kameras. Er hat ein Gesamtbudget und meist auch eine Grenze je Port, beides im eigenen Datenblatt. Der Rekorder mit PoE-Buchsen verbindet Strom und Aufnahme in einem Gerät; die Kameras hängen direkt an ihm, und die Festplatte darin speichert. Er ist bequem, bindet aber an einen Hersteller oder an ONVIF. Bei Reolink etwa zeigen ältere Rekorder mit den Hardware-Ständen N2MB02, N3MB01 oder H3MB18 die Live-Ansicht der RLC-1224A nicht in voller Auflösung.
Bleibt die Frage, wohin der Switch kommt. In der Regel dorthin, wo der Router steht, und von dort laufen die Kabel zu den Kameras. Die Grenze von 100 Metern nennt Reolink für die Strecke zwischen Kamera und Netzwerkgerät, also für jedes Kabel einzeln, nicht für die Summe. Wer eine Garage mit eigenem Netzwerkanschluss hat, kann dort einen zweiten Switch setzen und die Strecke so teilen.
Aktives PoE mit 48 Volt: was der Zusatz im Datenblatt bedeutet
Reolink schreibt zu seiner Kamera „IEEE 802.3af, 48 V Active“ und in die Anleitung den Hinweis, der Injektor oder Switch müsse 802.3af erfüllen, mit 48 Volt arbeiten und den aktiven Modus unterstützen. Das Wort aktiv beschreibt genau das Verfahren aus der Norm: Die Quelle legt erst Spannung an, wenn sie ein PoE-Gerät erkannt und dessen Klasse gelesen hat.
Hikvision gibt den Spannungsbereich am Port mit 36 bis 57 Volt an, Ubiquiti mit 42,5 bis 57 Volt. Wichtig ist daran vor allem eines: Eine Quelle, die ohne Erkennung dauerhaft Spannung aufs Kabel legt, ist nicht das, was Reolink verlangt und die Norm beschreibt. Wer einen alten Injektor aus einer anderen Anlage weiterverwenden will, sieht in dessen Datenblatt nach, ob dort 802.3af, 802.3at oder 802.3bt steht.
Bei vier der fünf Kameras gibt es einen zweiten Weg, falls die Quelle nicht passt: das Netzteil. ANNKE und Hikvision erlauben 12 Volt Gleichstrom mit 25 Prozent Toleranz, TP-Link nur mit 5 Prozent, Reolink 12 Volt bei einem Ampere über ein separat erhältliches Netzteil. Dann braucht es an der Kamera eine Steckdose, und das Netzwerkkabel führt nur noch Daten. Die Ubiquiti hat diesen Weg nicht.
Ein Netzteil an der Außenwand ist allerdings eine eigene Montage: Die Steckdose muss für außen geeignet sein, das Netzteil geschützt. Der Vorteil von PoE liegt genau darin, dass draußen nur ein Kabel ankommt, das keine Netzspannung führt. Wer die Steckdose schon hat und kein Kabel ziehen will, kommt mit einer Kamera am Netzteil und WLAN oft billiger weg, mehr dazu weiter unten.
Wohin die Aufnahme geht, wenn das Kabel einmal liegt
Das Netzwerkkabel bringt nicht nur Strom, es bringt die Kamera ins eigene Netz. Damit stehen Speicherwege offen, die einer Akku-Kamera mit Cloud fehlen. Unter den fünf sind es drei Arten: die Karte in der Kamera, der Rekorder über ONVIF und das NAS oder ein Server über FTP.
Eine Karte nehmen drei der fünf auf: ANNKE und Reolink je bis 512 Gigabyte, Ubiquiti ohne Größenangabe. Die Hikvision nennt keinen Kartenplatz, die TP-Link führt den eingebauten Speicher als „N/A“. Beide brauchen also ein zweites Gerät, auf das sie schreiben: die TP-Link ein NAS über NFS oder SMB oder einen Rekorder, die Hikvision einen Rekorder oder einen FTP-Server.
ONVIF, die gemeinsame Schnittstelle für Netzwerkkameras und Rekorder verschiedener Hersteller, nennen vier der fünf. ANNKE nennt dazu ausdrücklich die Profile S, T und G, die anderen nur ONVIF ohne Profil. Bei Ubiquiti steht ONVIF nicht auf der Seite. Wer Kameras verschiedener Hersteller an einem Rekorder sammeln will, braucht ONVIF, und je genauer das Profil genannt ist, desto weniger Überraschung beim Einrichten.
Wer Wert darauf legt, dass keine Aufnahme ein fremdes Rechenzentrum sieht, ist mit einer PoE-Kamera an einem Rekorder im Haus am nächsten dran. Die Kameras, die ausdrücklich ohne Cloud arbeiten, und was eine Karte, ein Rekorder und ein NAS dabei unterscheidet, führt der Vergleich Überwachungskamera außen ohne Cloud. Wer umgekehrt bewusst in die Cloud will, findet die Abo-Modelle im Vergleich mit Cloud-Speicher.
Schutzart am Gehäuse und an der Buchse
Eine PoE-Kamera hat außen eine Schwachstelle, die eine Akku-Kamera nicht hat: die Stelle, an der das Netzwerkkabel in die Kamera geht. Die Schutzart im Datenblatt gilt für das Gehäuse, und bei den meisten Kameras hängt am Gehäuse ein kurzes Anschlusskabel mit einer RJ45-Buchse, die erst mit der aufgeschraubten Dichtung dicht wird.
Die Hersteller gehen damit unterschiedlich um. TP-Link legt der VIGI C330I laut Lieferumfang eine wasserdichte Kabeldurchführung bei. Reolink zeigt in der Teileübersicht der RLC-1224A einen wasserfesten Deckel am Anschlussbereich. ANNKE nennt die Schutzart unter dem Stichwort „Interface Protection“ mit IP67. Hikvision nennt IP67 nach IEC 60529 und dazu IK10 nach IEC 62262, also geprüften Schutz gegen Schläge. Ubiquiti nennt IP66.
IP67 und IP66 unterscheiden sich in der zweiten Ziffer, die den Schutz gegen Wasser beschreibt; was beide Zahlen genau bedeuten, erklärt der Überblick zum Cluster im Abschnitt zur Wetterfestigkeit. Bei Reolink steht ein Widerspruch auf derselben Seite: in den Spezifikationen IP67, in der FAQ IP66. Wer sich darauf verlassen will, fragt nach, welcher Wert für die Ausführung im Karton gilt.
Beim Temperaturbereich liegen die fünf weiter auseinander. Reolink nennt –10 bis +55 Grad, ANNKE, Hikvision und TP-Link –30 bis +60 Grad, Ubiquiti –40 bis +50 Grad. An einer Nordwand im Mittelgebirge ist der Unterschied zwischen –10 und –30 Grad keine Theorie. Welche Kamera Frost, Eis auf dem Glas und kurze Tage am besten verträgt, ordnet der Vergleich Überwachungskamera für den Winter ein.
Strom im Dauerbetrieb: was eine PoE-Kamera im Jahr kostet
Eine PoE-Kamera läuft rund um die Uhr. Ihre Stromkosten sind deshalb leicht auszurechnen: Höchstleistung mal 8.760 Stunden im Jahr mal Strompreis. Für den Strompreis nimmt diese Seite den Durchschnitt für Haushalte aus der BDEW-Strompreisanalyse Herbst 2026, 37,3 Cent je Kilowattstunde. Weil die Datenblätter Höchstwerte nennen, ist das Ergebnis eine Obergrenze; im Mittel über Tag und Nacht liegt der Verbrauch darunter, wie weit, sagt keiner der Hersteller.
| Kamera | Höchstleistung laut Hersteller | Kilowattstunden im Jahr, höchstens | Stromkosten im Jahr, höchstens |
|---|---|---|---|
| TP-Link VIGI C330I | 5 W (Netzteilwert) | 43,8 kWh | 16,34 € |
| ANNKE C800 | 6,5 W am PoE-Port | 56,9 kWh | 21,24 € |
| Hikvision DS-2CD1121-I | 6,5 W am PoE-Port | 56,9 kWh | 21,24 € |
| Reolink RLC-1224A | unter 12 W (Netzteilwert) | unter 105,1 kWh | unter 39,21 € |
| Ubiquiti AI PTZ Industrial | 51 W am PoE-Port | 446,8 kWh | 166,64 € |
Die Rechnung im Einzelnen, am Beispiel der ANNKE: 6,5 Watt mal 8.760 Stunden sind 56.940 Wattstunden, also 56,94 Kilowattstunden; mal 37,3 Cent ergibt das 21,24 Euro im Jahr. Vier solcher Kameras kosten höchstens rund 85 Euro im Jahr. Der Switch selbst verbraucht zusätzlich Strom, den sein eigenes Datenblatt nennt, und ein Rekorder mit Festplatte noch einmal mehr.
Bei den beiden Kameras mit Netzteilwert ist die Zahl eine Untergrenze der Unsicherheit: Am PoE-Port kann der Verbrauch etwas höher liegen, wie die 1,5 Watt Abstand bei ANNKE und Hikvision zeigen. Auf das Jahr gerechnet sind 1,5 Watt rund 13 Kilowattstunden oder rund 4,90 Euro. Für die Wahl zwischen den vier 802.3af-Kameras ist der Strom damit kein Argument; erst die Ubiquiti spielt in einer anderen Liga.
Verschleißteile hat eine PoE-Kamera kaum, laufende Kosten entstehen eher am Speicher: eine Karte, die bei Daueraufnahme irgendwann ersetzt werden muss, oder eine Festplatte im Rekorder. Reolink schreibt ausdrücklich, dass seine PoE-Kameras ohne Abo auskommen, auch für Personen- und Fahrzeugerkennung; bei den anderen vier nennen die gelesenen Seiten kein Abo.
Für wen eine Kamera am Netzwerkkabel nicht passt
Wer kein Kabel ziehen kann oder darf. Mieter ohne Erlaubnis zum Bohren, ein Gartenhaus 150 Meter vom Router, eine Fassade mit Wärmedämmung, an die niemand ran soll: Hier ist die PoE-Kamera die falsche Antwort, egal welche. Eine Kamera mit eingebautem Akku braucht nur eine Halterung; welche Modelle wie lange durchhalten, steht im Vergleich Überwachungskamera außen mit Akku.
Wer am Montageort weder Strom noch Netz hat. Eine Weide, ein Schrebergarten, eine Baustelle ohne Anschluss: Dort hilft ein Kabel nur, wenn jemand es 100 Meter weit legt, und das lohnt selten. Eine Kamera mit Solarpanel holt sich den Strom selbst; die Bauformen und ihre Grenzen im Winter stehen im Vergleich Überwachungskamera mit Solar.
Wer nur eine Kamera will und eine Steckdose an der Wand hat. Dann ist ein Netzwerkkabel ein zusätzlicher Weg, der nichts bringt, wenn das WLAN bis zur Wand reicht. Eine Kamera am Netzteil mit WLAN ist schneller montiert. Die passenden Geräte und die Fragen zur Reichweite stehen in der Übersicht der kabellosen Außenkameras.
Wer alles in einer App will, ohne Rekorder und ohne Netzwerkeinstellungen. Die fünf Kameras hier setzen voraus, dass jemand eine Adresse im Netz vergibt, einen Rekorder oder ein NAS einrichtet oder eine Herstellersoftware installiert. Wer das nicht will, ist mit einem Cloud-Modell und seiner App besser bedient; die ersten Schritte für jede Bauform erklärt der Ratgeber Überwachungskamera einrichten.
Wer die Ubiquiti für ein Einfamilienhaus erwägt. Sie ist auf dieser Seite, um die Grenze von PoE zu zeigen, nicht als Kamera für den Hauseingang. Für Haus und Grundstück reichen die vier Kameras nach 802.3af, und die Wahl zwischen ihnen hängt an Bild und Speicher, nicht an Watt.
Die billigere Lösung: ein Injektor statt eines Switches, oder das Netzteil
Für eine einzige Kamera braucht es keinen PoE-Switch. Ein Injektor nach 802.3af mit einem Port reicht, wenn er die 15,4 Watt am Port liefert, die die Norm für Klasse 3 vorsieht. Er hängt neben dem Router an der Steckdose, das Kabel geht zur Kamera. Das ist die günstigste Quelle, und sie ist ausreichend, solange es bei einer Kamera bleibt.
Noch einen Schritt billiger ist es, PoE ganz zu lassen. Vier der fünf Kameras laufen auch am 12-Volt-Netzteil. Wo an der Wand ohnehin eine Außensteckdose sitzt und der Router per Netzwerkkabel erreichbar ist, kommt man ohne Quelle aus, braucht aber ein geschütztes Netzteil draußen. Die Bedingung, unter der das reicht: Steckdose vorhanden, und niemand stört sich an einem zweiten Kabel an der Wand.
Die dritte billigere Lösung ist die schwächere Kamera. Die Hikvision DS-2CD1121-I mit 2 Megapixeln reicht, wenn sie über einer Haustür hängt und erkennen soll, ob jemand klingelt, nicht wer es ist. Für ein Nummernschild in der Einfahrt reicht sie nicht. Wie viel Bild für Hof und Einfahrt nötig ist, zeigt der Vergleich Überwachungskamera für Hof und Einfahrt.
Und manchmal ist die billigste Lösung keine Kamera. Ein Bewegungsmelder mit Licht über dem Eingang schreckt ab, verbraucht wenig und filmt niemanden. Wer vor allem gesehen werden will, wenn es dunkel ist, und keine Aufnahme braucht, spart sich Kabel, Switch und Speicher, und zugleich die Frage, was die Kamera am Nachbarzaun sehen darf.
Prüfliste vor dem Bohren: Kabel, Dose, Buchse, Überspannung
- Leistung je Port und Gesamtbudget des Switches oder Injektors aus dessen Datenblatt notieren.
- Je Kamera Norm, Klasse und Höchstleistung aus ihrem Datenblatt notieren; fehlt die Klasse, mit Klasse 3 und 15,4 Watt rechnen.
- Steht die Wattzahl nur beim Netzteil, für den PoE-Port etwas Reserve einplanen.
- Summe der Reservierungen gegen das Budget halten; es sollte darüber liegen.
- Für jede Kamera mit mehr als 25,5 Watt eine Quelle nach 802.3bt mit passender Klasse vorsehen.
- Kabelweg messen, nicht schätzen: Cat5 bis 80 Meter, Cat5e und darüber bis 100 Meter laut Reolink, je Kabel.
- Für die Wand oder das Erdreich ein Kabel nehmen, dessen Hersteller diesen Einsatz zulässt.
- Stecker nach T568B auflegen, wie Reolink es vorgibt, und vor der Montage am Boden testen.
- Dichtung oder Kabeldurchführung an der Kamerabuchse verwenden, bevor das Kabel draußen hängt.
- Die Kamera unter einen Vorsprung setzen, wenn die Schutzart nur IP66 ist oder widersprüchlich angegeben.
- Überspannungs- und Blitzschutz mit einem Elektrofachbetrieb klären: Keine der fünf Kameraunterlagen sagt dazu etwas.
- Temperaturbereich des Datenblatts mit dem Montageort abgleichen, besonders an Nordwänden.
- Speicherweg festlegen: Karte in der Kamera, Rekorder über ONVIF oder NAS.
- Bildausschnitt so planen, dass Gehweg und Nachbargrundstück draußen bleiben, bevor gebohrt wird.
Der letzte Punkt ist der, der am häufigsten zu spät kommt. Eine fest verschraubte PoE-Kamera lässt sich schwerer versetzen als eine Akku-Kamera auf einem Magnetfuß. Was eine Kamera am Haus aufnehmen darf, was nicht, und wo die Grenze zum öffentlichen Raum liegt, steht im Ratgeber zu den rechtlichen Fragen der Überwachungskamera.
Nach zwei Wochen: woran man merkt, dass Switch oder Kabel nicht reichen
Eine PoE-Anlage läuft am ersten Tag fast immer. Die Schwächen zeigen sich später, und meist nachts. Drei Anzeichen sind die häufigsten, und alle drei lassen sich beobachten, ohne ein Messgerät zu besitzen.
Eine Kamera startet in der Dämmerung neu. In der Aufnahme fehlen Minuten, immer zur selben Zeit, oder die App meldet die Kamera kurz als getrennt. Das passt zu dem Moment, in dem Infrarot oder Spotlight einschalten und die Leistung steigt. Bei der Reolink mit 4,3 Watt Spotlight und knapp 12 Watt Höchstwert ist der Abstand zu den 13 Watt der Norm am kleinsten. Zuerst die Leistungsanzeige des Switches für diesen Port ansehen, falls er eine hat; dann das Kabel kürzen oder tauschen, oder die Kamera an einen Port mit 802.3at hängen.
Die letzte Kamera bleibt dunkel. Drei laufen, die vierte bekommt keinen Strom, oder sie läuft nur, wenn eine andere abgezogen ist. Das ist das Budget, nicht die Kamera: Der Switch hat nach Klasse reserviert, und 4 mal 15,4 Watt passen nicht in 60 Watt. Abhilfe ist ein Switch mit größerem Budget, ein zweiter Injektor für die vierte Kamera, oder ein Netzteil an einer der vier.
Das Bild der entferntesten Kamera stockt. Die Kameras nahe am Switch laufen sauber, die am Gartentor verliert Bilder oder die Verbindung. Dann zuerst das Kabel messen, Länge und Kategorie, und an Cat5 und 80 Meter denken. Ein Kabel mit dünnen Adern oder schlechter Steckverbindung verliert Leistung und Daten zugleich.
Wer eines dieser Anzeichen in den ersten zwei Wochen sieht, ist meist noch in der Frist, in der sich eine online gekaufte Kamera oder ein Switch zurückgeben lässt. Oft muss aber nicht die Kamera zurück, sondern die Quelle: ein Switch mit größerem Budget oder mehr Leistung je Port löst die beiden ersten Fälle. Beim dritten hilft kein Gerät, sondern nur ein anderes Kabel oder ein zweiter Switch auf halber Strecke. Wer nach zwei Wochen merkt, dass er das Kabel gar nicht ziehen will, findet in der Auswahl fürs Einfamilienhaus auch Geräte ohne Netzwerkkabel.

