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Ionenfunktion am Haartrockner: was sich zu der Werbeaussage belegen lässt

Datenbasiert · kein Hands-on-Test

Ionenfunktion am Haartrockner: Alle 14 Geräte im Warentest tragen sie, 0 von 10 Herstellerseiten beziffern eine Konzentration. Stand 30.08.2026.

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Aktualisiert 30.08.2026
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Clara Busch
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Stand des Artikels
Veröffentlicht
30.08.2026
Aktualisiert
30.08.2026

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Soweit im Beitrag nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, handelt es sich um eine redaktionelle Einordnung und nicht automatisch um einen eigenen Praxistest jedes Produkts.

Quellenbasiert · kein Hands-on-Test · Datenstand 30.08.2026

Die Antwort in einem Satz: Ob die Ionenfunktion am Haartrockner etwas bringt, lässt sich am Datenstand nicht belegen, und der schärfste Grund dafür steckt in der Anlage des maßgeblichen deutschen Tests: Dort treten 14 Föhne mit Ionenfunktion an, also alle geprüften Geräte, weshalb der Effekt der Funktion in dieser Untersuchung gar nicht isolierbar ist. Das einzige Prüfurteil einer deutschen Prüfstelle zur Funktion, das ich finden konnte, stammt aus einem Test benachbarter Geräte von 2011 und lautet unter eigener Zwischenüberschrift: Ionisierfunktion ohne Vorteile. Ein genormtes Messverfahren für die Ionenabgabe gibt es seit August 2022, aber weder einen Grenzwert noch eine Pflicht, das Ergebnis zu nennen, und in meiner Auszählung bezifferte keine der zehn erreichbaren Herstellerseiten eine Ionenkonzentration.

Worum es hier geht: Dieser Ratgeber vergleicht keine Geräte, spricht keine Kaufempfehlung aus und nennt keine Preise; die einzige Preisangabe auf dieser Seite steht ausdrücklich als Zitat ihrer Quelle. Er prüft eine einzige Werbeaussage auf ihre Belegbarkeit: die Ionenfunktion. Grundlage sind sechs am Datenstand einzeln abgerufene und im Volltext gegengelesene Quellen, dazu eine eigene Auszählung der Herstellerangaben zu den 14 Geräten des Tests von 2022 und zwei Abfragen wissenschaftlicher Literaturdatenbanken. Es liegt keine eigene Messung vor. Wo die Beleglage leer ist, steht das hier ausdrücklich, statt durch eine Vermutung ersetzt zu werden. Dieser Text ist keine medizinische Beratung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der maßgebliche Test hat keine Vergleichsgruppe. Der Anrisstext sagt, in dem Haartrockner-Test träten 14 Föhne mit Ionenfunktion an. Ein eigener Abschnitt bestätigt es: Alle Haartrockner im Vergleich verfügen über eine sogenannte Ionenfunktion. Wo jedes Gerät die Funktion hat, kann kein Unterschied zwischen Geräten mit und ohne Funktion auftreten.
  • Es gibt genau ein Prüfurteil, und es ist negativ. In einem Test von Warmluftbürsten aus dem Jahr 2011 steht unter der Zwischenüberschrift Ionisierfunktion ohne Vorteile der Satz: Technische Neuheiten wie die stark beworbene Ionisierfunktion zeigten im Vergleich übrigens keine Vorteile. Das gilt für eine benachbarte Warengruppe und ist damit nicht eins zu eins übertragbar, aber es ist die einzige Beurteilung ihrer Art, die ich finden konnte.
  • Ein Messverfahren existiert, ein Grenzwert nicht. Die Leistungsmessnorm IEC 61855 führt seit ihrer zweiten Ausgabe von August 2022 unter Abschnitt 5.7 die Messung der Anionenkonzentration eines Anionen-Haartrockners, mit eigenem Messaufbau in Bild 12. Der Anwendungsbereich derselben Norm sagt jedoch, dass sie keine Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit festlegt.
  • Keine der erreichbaren Herstellerseiten beziffert eine Konzentration. Von den 14 Geräten des Tests von 2022 fand ich am Prüftag zu zehn eine Herstellerseite zum Modell. Keine davon nennt eine Ionenkonzentration mit Bezugsgröße, also Ionen je Kubikzentimeter, je Sekunde oder je Kubikmeter. Genau eine nennt überhaupt eine absolute Ionenzahl, und die hat keinen Bezugspunkt.
  • Dieselbe Baureihe trägt zwei verschiedene Zahlen. Für eine Variante nennt das herstellereigene Datenblatt eine vierfache, für eine zweite Variante desselben Modellstamms eine achtfache Ionentechnologie. In Wattzahl, Motorart, Stufenzahl, Kabellänge und Farbe sind beide identisch; der einzige weitere Unterschied betrifft die mitgelieferten Düsen.
  • Begutachtete Literatur zur Wirkung auf Haar: Fehlanzeige. Die Suche nach negativen Luftionen in Verbindung mit Haar liefert in PubMed null Treffer, in Verbindung mit Frizz ebenfalls null. Von 72 Arbeiten, die den Haartrockner im Titel oder in der Zusammenfassung führen, behandelt keine einzige die Wirkung von Ionen auf Haar.
  • Zur Frage schädlich lässt sich beides nicht belegen. Zu Haartrocknern und Ozon liefert PubMed null Treffer. Das Benutzerhandbuch einer Baureihe, die mit achtfacher Ionentechnologie wirbt, erwähnt Ozon auf rund 350.000 Zeichen kein einziges Mal. Die einzige Behördenaussage zur Ozonbildung bei Ionisation, die ich gefunden habe, betrifft mobile Luftreiniger im Raum und nicht Handgeräte.
  • Ionen und Keramik sind keine Alternativen. Ein Datenblatt führt die Ionenfunktion als eigenen Eintrag und die Keramik getrennt davon als Beschichtung des Lufteinlassgitters. Ein zweiter Hersteller nennt beides in einem Satz mit zwei verschiedenen Aufgaben: die Keramikbeschichtung für gleichmäßige Wärmeverteilung, den Ionengenerator gegen statische Aufladung.
  • Ein Hersteller grenzt sich selbst von Ionen ab. Auf seiner eigenen Erklärseite steht, im Unterschied zu herkömmlichen Haartrocknern mit Ionen, die nur oberflächlich eine geringe Menge Feuchtigkeit auf das Haar brächten, spende die eigene Technologie bis zu tausendmal mehr Feuchtigkeit. Das Gerät dieses Herstellers gehörte zu den 14 Föhnen mit Ionenfunktion des Tests von 2022.
  • Der jüngste freie Ratgeber zum Haaretrocknen erwähnt Ionen nicht. Der am 05.03.2026 veröffentlichte und vollständig frei lesbare Beitrag derselben Verbraucherorganisation zum richtigen Trocknen kommt ohne das Wort aus, obwohl er einen Friseurmeister und eine dermatologische Arbeit auswertet. Was dort zählt, sind Abstand, Temperatur und Bewegung.

Was diese Seite beantwortet und was die Nachbarseiten beantworten

Die Suchvorschläge zu diesem Stichwort sind ungewöhnlich deutlich. Wer den Begriff eintippt, bekommt zehn eigene Vorschläge angeboten, und die aufschlussreichsten darunter lauten Ionen oder Keramik und Ionen schädlich. Zum Stammbegriff Haartrockner ohne stehen gleich zwei Vorschläge, die das Gegenteil suchen: ohne Ionen und ohne Ionen-Technologie. Die Leute fragen also nicht, wie die Funktion arbeitet. Sie fragen, ob sie schadet, ob man sie weglassen kann und wie sie sich zu einem Werkstoff verhält, mit dem sie gar nichts zu tun hat. Genau diese drei Fragen beantwortet diese Seite, und sie beantwortet sie so weit, wie die Belege reichen.

Was hier bewusst nicht ausgeführt wird, ist die Hitzeschadenkunde. Wie Wärme die Faser verändert, ab welcher Temperatur Keratin sich zersetzt, was ein Hitzeschutzmittel nachweislich leistet und warum feuchtes Haar unter Hitze ein eigenes Schadensbild entwickelt, steht ausführlich und mit Fachliteratur belegt im Nachbarbereich zum Glätteisen ohne Hitzeschäden, und wer eine konkrete Gradzahl sucht, findet die Einordnung in der Übersicht zur Temperatur am Glätteisen. Beide Seiten gehören zu einem eigenen Bereich, und diese Seite verweist dorthin, statt deren Inhalt zu wiederholen.

Ebenfalls nicht Gegenstand dieser Seite ist die Leistungsfrage. Wie viel Watt ein Föhn haben sollte, warum die Wattzahl die Trocknungsdauer nur mittelbar bestimmt und wie sie sich zum Luftstrom verhält, steht in der eigenen Ausarbeitung zur Wattzahl am Haartrockner, die dieselbe Leistungsnorm von einer anderen Seite her betrachtet. Wer wissen will, welche technischen Angaben sich an einem Haartrockner überhaupt nachprüfen lassen, findet ein brauchbares Gegenbeispiel in der Auszählung zum leisen Haartrockner: Dort nennen zwar alle geprüften Anbieter einen Dezibelwert, aber keiner den Messabstand und keiner das Messverfahren. Bei der Ionenfunktion fehlt sogar die Zahl.

Ein Hinweis zur Reichweite gleich zu Beginn: Für diesen Text wurde nichts gemessen. Es gibt keine eigene Ionenmessung, keine Ozonmessung, keine Haarprobe und keine Prüfung eines Geräts. Jede Zahl auf dieser Seite stammt aus einer benannten Quelle, jede Auszählung aus einer benannten Grundgesamtheit mit benanntem Prüftag und benannter Auswertungsregel. Das ist unbequemer als eine glatte Empfehlung, aber es ist der einzige Umgang, der einer Seite ansteht, die eine Werbeaussage auf ihre Belegbarkeit prüft. Wer über Ionen schreibt und dabei Studien erfindet, macht genau den Fehler, den er anprangert.

Warum der maßgebliche Test die Aussage nicht prüfen kann

Der schärfste Befund zu diesem Thema steht nicht in einem Ergebnis, sondern in der Anlage der Untersuchung. Die folgende Übersicht legt sie offen, Punkt für Punkt, jeweils mit der Stelle, an der es nachzulesen ist. Alle hier genannten Angaben stammen aus dem frei zugänglichen Teil der Veröffentlichung; Noten und Rangfolge sind kostenpflichtig und stehen hier nicht.

PunktBefundFundstelle
Umfang des PrüffeldsDer maßgebliche deutsche Test der Warengruppe umfasst 14 Haartrockner. Die Veröffentlichung datiert auf den 12.12.2022, der zugehörige Heftartikel steht in test 1/23. Die Geräteliste ist frei sichtbar und nennt Modelle von Babyliss, Beurer, Braun, Dyson, Grundig, Koenic, Panasonic, Philips mit zwei Geräten, Proficare, Remington mit zwei Geräten, Rowenta und Valera.Frei zugänglicher Teil der Testseite, am Datenstand abgerufen
Ausstattung des PrüffeldsDer Anrisstext der Seite sagt es in einem Satz: In dem Test treten 14 Föhne mit Ionenfunktion an. Ein eigener Abschnitt weiter unten wiederholt es unmissverständlich: Alle Haartrockner im Vergleich verfügen über eine sogenannte Ionenfunktion. Es gibt in diesem Prüffeld also kein einziges Gerät ohne die Funktion.Anrisstext und Abschnitt zu den Versprechen der Ionen-Haartrockner
Was daraus folgtWenn jedes geprüfte Gerät die Funktion besitzt, fehlt die Vergleichsgruppe. Ein Unterschied zwischen Geräten mit und ohne Ionenfunktion kann in diesem Test nicht auftreten, weil es die zweite Gruppe nicht gibt. Der Effekt der Funktion ist damit in dieser Untersuchung nicht isolierbar, so sorgfältig sie im Übrigen angelegt sein mag.Zwingende Folgerung aus der Anlage des Prüffelds
Was der Test dennoch zur Funktion sagtDie Verbraucherorganisation beschreibt das Versprechen und den behaupteten Wirkweg: Die Funktion soll fliegende Haare bändigen, die sich beim Kämmen oder Trockenrubbeln elektrostatisch aufgeladen haben und abstehen. Die Föhne erzeugen in ihrem Inneren negativ geladene Ionen und schleudern sie mit dem Luftstrom ins Haar. Dort sollen sich die Ladungen ausgleichen, die Haare sich wieder hinlegen.Wortlaut des frei lesbaren Abschnitts, am Datenstand gesichert
Was geprüft wurdeDer Text nennt vier Prüfbereiche, die auch in der frei sichtbaren Tabellenvorschau als Spaltenköpfe stehen: Frisieren, Handhabung, Haltbarkeit und Sicherheit. Ein eigener Prüfpunkt Ionenfunktion steht dort nicht. Das Ergebnis der Funktion, sofern es eines gibt, geht damit im Urteil Frisieren auf, das auch Trocknungsgeschwindigkeit, Kämmbarkeit und Griff des Haars umfasst.Spaltenköpfe der frei sichtbaren Tabellenvorschau
Was kostenpflichtig bleibtQualitätsurteile, Noten und die Rangfolge der 14 Geräte sind Bezahlinhalt. Diese Seite gibt sie nicht wieder. Frei lesbar sind der Umfang des Felds, die Geräteliste, die Beschreibung der Funktion, die Prüfbereiche und die Feststellung, dass fünf Geräte durchfallen.Kennzeichnung im Inhaltsverzeichnis der Quelle

Diese Feststellung ist kein Vorwurf an die Prüfstelle. Ihre Aufgabe war es, Haartrockner zu vergleichen, nicht eine einzelne Werbeaussage zu falsifizieren, und im Jahr 2022 war die Funktion offenbar schon so verbreitet, dass ein Feld ohne sie kaum zusammenzustellen gewesen wäre. Genau das ist aber der Punkt, den man verstehen muss, bevor man irgendeine Aussage über den Nutzen der Funktion liest: Der einzige große deutsche Test der Warengruppe kann zum Nutzen der Ionenfunktion nichts sagen, weil ihm die zweite Gruppe fehlt. Wer den Test trotzdem als Beleg für einen Ionenvorteil zitiert, hat die erste Seite nicht zu Ende gelesen.

Der Text der Quelle geht mit der Sache selbst sorgfältig um. Er schreibt die Funktion durchgehend im Konjunktiv: Sie soll fliegende Haare bändigen, die Ionen sollen die Ladungen ausgleichen, die Haare sollen sich wieder hinlegen. Und der Satz, der auf die Beschreibung folgt, lautet in der Quelle wörtlich: Ob die Haartrockner im Vergleich das schaffen, haben wir im Labor und in der Praxis geprüft. Das ist die Zusage, die Wirkung zu beurteilen. Was hinter der Bezahlschranke aus dieser Zusage geworden ist, kann ich nicht wiedergeben, weil es kostenpflichtig ist. Was sich frei feststellen lässt, ist, dass die vier veröffentlichten Prüfbereiche Frisieren, Handhabung, Haltbarkeit und Sicherheit heißen und dass ein eigener Prüfpunkt für die Ionenfunktion nicht darunter ist.

Ein weiterer Umstand gehört hierher, weil er die Übertragbarkeit des Tests auf heutige Kaufentscheidungen zusätzlich einschränkt: Die Veröffentlichung ist vom Dezember 2022, das Prüffeld also mehr als drei Jahre alt. Von den 14 damals geprüften Geräten waren am Prüftag nur noch sieben regulär bestellbar. Wer heute nach einer Einschätzung zur Ionenfunktion sucht, findet in dieser Quelle also weder eine isolierbare Aussage zur Funktion noch ein Feld, das den aktuellen Markt abbildet. Beides zusammen erklärt, warum das Netz voll ist von Texten, die aus diesem Test etwas herauslesen, was nicht darin steht.

Der eine Prüfbefund, den es gibt: Warmluftbürsten 2011

Wenn man lange genug in den frei zugänglichen Archiven derselben Verbraucherorganisation sucht, findet man genau eine Stelle, an der eine deutsche Prüfstelle die Funktion nicht bloß beschreibt, sondern beurteilt. Sie steht nicht bei den Haartrocknern, sondern in einem Test von sieben Warmluftbürsten, veröffentlicht am 28.07.2011 im Heft 08/2011. Die zugehörige Unterseite trägt eine eigene Zwischenüberschrift, und die Zwischenüberschrift ist bereits das Urteil: Ionisierfunktion ohne Vorteile.

Der Absatz darunter besteht aus drei Sätzen und lautet im Wortlaut: Technische Neuheiten wie die stark beworbene Ionisierfunktion zeigten im Vergleich übrigens keine Vorteile. Sie soll ein statisches Aufladen der Haare verhindern. Das schafften aber viele gute Warmluftbürsten auch ohne diese Spezialfunktion. Drei Sätze, mehr ist es nicht, und trotzdem ist es die inhaltsreichste Stelle zum ganzen Thema. Der erste Satz nennt das Ergebnis. Der zweite nennt genau das Versprechen, das elf Jahre später auch bei den Haartrocknern steht, nämlich die Verhinderung der statischen Aufladung. Der dritte nennt den Grund, aus dem das Ergebnis zustande kam: Die Vergleichsgruppe konnte dasselbe.

Der dritte Satz ist der eigentlich wichtige, weil er zeigt, was in dem Haartrockner-Test von 2022 fehlt. In dem Feld von 2011 gab es Geräte mit und Geräte ohne die Funktion, und deshalb konnte die Prüfstelle einen Unterschied suchen und feststellen, dass sie keinen fand. Es ist derselbe Aufbau, der in der Arzneimittelprüfung selbstverständlich ist: Ohne Kontrollgruppe kein Wirknachweis. Im Haartrockner-Test von 2022 fehlt diese Gruppe, im Warmluftbürsten-Test von 2011 war sie da.

Diese Seite überdehnt den Befund ausdrücklich nicht, und dafür gibt es drei Gründe. Erstens ist eine Warmluftbürste kein Haartrockner: Sie arbeitet nach der Beschreibung derselben Quelle mit höchstens 100 Grad heißer Luft und zieht das Haar über einen Bürstenkopf, während ein Föhn einen freien Luftstrom erzeugt. Zweitens liegt zwischen 2011 und heute eine lange technische Entwicklung; die Ionengeneratoren von damals müssen nicht die von heute sein. Drittens ist die Stichprobe klein, nämlich sieben Geräte, davon eine Baugleichheit, also sechs verschiedene Bauformen. Was der Befund aber trägt, ist die Feststellung, dass die einzige deutsche Prüfstelle, die je ein Urteil zu dieser Funktion veröffentlicht hat, sie in einem realen Vergleich ohne erkennbaren Vorteil fand. Wer dieselbe Warengruppe genauer betrachten möchte, findet den aktuellen Vergleich der Föhnbürste im selben Bereich.

Gibt es eine Norm für die Ionenabgabe?

Die naheliegende Anschlussfrage lautet, ob es überhaupt ein anerkanntes Verfahren gibt, mit dem sich die Ionenabgabe eines Haartrockners messen ließe. Die Antwort ist präziser, als man erwarten würde, und sie überrascht in beide Richtungen. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was sich aus der frei zugänglichen Leseprobe der einschlägigen Norm belegen lässt. Die Leseprobe enthält Titelseite, Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Bilder- und Tabellenverzeichnis, den Anwendungsbereich und die normativen Verweise; den Wortlaut des Messverfahrens selbst enthält sie nicht, weil die Norm kostenpflichtig ist.

PunktBefundFundstelle
Titel und AusgabeIEC 61855, Household and similar use electrical hair care appliances, Methods for measuring the performance. Die Titelseite der frei zugänglichen Leseprobe weist die zweite Ausgabe mit dem Stand August 2022 aus. Erarbeitet hat sie das Unterkomitee 59L, Small household appliances, im technischen Komitee 59 der Internationalen Elektrotechnischen Kommission.Titelseite und Vorwort der Leseprobe, Statuscode 200 am Prüftag
Was neu hinzugekommen istDas Vorwort listet die wesentlichen technischen Änderungen gegenüber der ersten Ausgabe von 2003 in acht Punkten auf. Punkt f lautet im Wortlaut, das Messverfahren für die Anionen-Emissionskonzentration von Anionen-Haartrocknern werde eingeführt. Die Anionenmessung ist also keine alte Selbstverständlichkeit, sondern eine Neuerung der Ausgabe von 2022.Vorwort, Aufzählungspunkt f der Änderungsliste
Wo das Verfahren stehtDas Inhaltsverzeichnis führt unter Abschnitt 5.7 die Messung der Anionenkonzentration eines Anionen-Haartrockners auf Seite 15. Bild 12 auf Seite 26 zeigt den Messaufbau für die Anionen-Emissionskonzentration. Der informative Anhang B nennt unter B.3 auf Seite 29 Bezugsquellen für die Messung der Anionenkonzentration. Das Verfahren ist damit an drei Stellen der Norm verankert.Inhaltsverzeichnis, Bilderverzeichnis und Anhangsverzeichnis
Was die Norm ausdrücklich nicht tutDer Anwendungsbereich in Abschnitt 1 enthält einen Satz, der die ganze Sache einordnet: Dieses Dokument legt keine Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit fest. Es gibt in dieser Norm also ein Messverfahren, aber keinen Grenzwert, keinen Mindestwert und keine Bestehensschwelle. Ein weiterer Satz stellt klar, dass das Dokument sich nicht mit Sicherheitsanforderungen befasst; dafür ist IEC 60335-2-23 zuständig.Abschnitt 1, Anwendungsbereich, Wortlaut der Leseprobe
Was daraus folgtEs besteht kein Normvakuum. Wer die Ionenabgabe eines Haartrockners messen will, findet seit August 2022 ein international abgestimmtes Verfahren dafür. Was fehlt, ist etwas anderes: eine Zahl, gegen die man das Messergebnis halten könnte, und eine Pflicht, das Ergebnis überhaupt zu nennen. Eine Leistungsmessnorm ohne Anforderungsteil schafft Vergleichbarkeit nur für den, der freiwillig misst und freiwillig veröffentlicht.Folgerung aus Abschnitt 1 und der Struktur des Dokuments

Zwei Dinge sind an diesem Befund bemerkenswert. Das erste ist, dass die Norm für die Ionenmessung überhaupt eine eigene Gerätekategorie kennt. Der Titel des Abschnitts 5.7 lautet nicht Messung der Anionenkonzentration eines Haartrockners, sondern Messung der Anionenkonzentration eines Anionen-Haartrockners. Das Normungsgremium hat also anerkannt, dass es eine eigene Produktgattung gibt, deren Merkmal die Ionenabgabe ist, und hat für sie ein Verfahren geschaffen. Das ist mehr, als man bei einer Werbeaussage erwarten würde, die sich sonst nirgends fassen lässt.

Das zweite ist der Satz im Anwendungsbereich, der alles wieder relativiert: Das Dokument legt keine Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit fest. Eine Leistungsmessnorm dieser Bauart beschreibt, wie man misst, und schweigt dazu, welches Ergebnis gut ist. Sie ist ein Lineal ohne Sollmaß. Für die Ionenabgabe heißt das konkret: Es gibt kein Mindestmaß, unterhalb dessen ein Gerät sich nicht mehr Ionen-Haartrockner nennen dürfte, und es gibt keine Verpflichtung, einen gemessenen Wert überhaupt anzugeben. Ein Hersteller, der die Funktion bewirbt, muss weder messen noch veröffentlichen.

Daraus folgt eine Formulierung, auf die es ankommt und die im Netz regelmäßig falsch gemacht wird: Es gibt kein Normvakuum. Wer behauptet, für Ionen am Haartrockner existiere überhaupt keine Regel, irrt sich, und zwar seit August 2022 nachweisbar. Was fehlt, ist der Anforderungsteil, und das ist etwas anderes. Der Unterschied ist für den Käufer allerdings folgenlos, denn eine Messvorschrift ohne Grenzwert und ohne Angabepflicht erzeugt für ihn keine einzige vergleichbare Zahl. Sie erzeugt nur die Möglichkeit, dass jemand eine erzeugt.

Noch ein Detail aus derselben Leseprobe verdient Erwähnung, weil es für die Sicherheitsfrage weiter unten wichtig wird: Der Anwendungsbereich stellt ausdrücklich klar, dass sich dieses Dokument nicht mit Sicherheitsanforderungen befasst und dafür auf eine andere Norm verweist. Die Anionenmessung in Abschnitt 5.7 ist also eine Leistungsmessung und ausdrücklich keine Sicherheitsprüfung. Wer aus der Existenz dieses Messverfahrens ableitet, dass die Ionenabgabe irgendwo auf Unbedenklichkeit geprüft würde, liest die Norm gegen ihren eigenen Wortlaut.

Was die Hersteller beziffern und was nicht

Wenn es ein Messverfahren gibt, aber keine Pflicht, das Ergebnis zu nennen, dann ist die interessante Frage, wie viele Hersteller freiwillig eine Zahl nennen. Diese Frage habe ich ausgezählt, und weil eine Auszählung ohne Regeln wertlos ist, stehen die Regeln hier zuerst.

Grundgesamtheit: die 14 Geräte des Tests vom 12.12.2022, also dasselbe Feld, dessen Anlage weiter oben besprochen ist. Prüftag: der Datenstand dieser Seite. Vorgehen: Zu jedem der 14 Geräte wurde die deutschsprachige Herstellerseite zum Modell gesucht und, wo vorhanden, im Volltext gelesen. Auswertungsregel: Als beziffert gilt nur eine Zahl mit Bezugsgröße für die Ionenmenge, also Ionen je Kubikzentimeter, je Sekunde oder je Kubikmeter Luft. Vervielfachungen ohne benannten Ausgangswert, Prozentwerte aus Anwenderbefragungen und Angaben zu anderen Größen als der Ionenmenge zählen nicht.

Ergebnis der Suche: Zu zehn der 14 Geräte fand sich am Prüftag eine Herstellerseite zum Modell. Zu vier Geräten fand sich keine mehr, nämlich zu je einem Gerät von Braun, Koenic, ProfiCare und Valera; in den aktuellen Haartrockner-Listen der jeweiligen Hersteller sind diese Modelle nicht mehr enthalten. Ergebnis der Auszählung: Null von zehn erreichbaren Herstellerseiten nennt eine Ionenkonzentration mit Bezugsgröße. Genau eine nennt überhaupt eine absolute Ionenzahl, und zwar bis zu 80 Millionen Ionen pro Trocknung, ohne Angabe einer Trocknungsdauer, eines Luftvolumens oder eines Messabstands. Damit ist es keine Konzentration und auch keine Rate, sondern eine Summe über einen undefinierten Zeitraum.

MarkeGerätWas der Hersteller sagtWie die Zahl zu lesen ist
PhilipsBHD510/00, Serie 5000Die eigene deutsche Produktdatenbank führt das Merkmal als vierfache Ionentechnologie und erläutert es so: Dieses ultraleistungsstarke Ionensystem emittiert bis zu 80 Millionen Ionen pro Trocknung und erzeugt so besonders glänzendes Haar.Absolute Ionenzahl je Trocknung, ohne Dauer, ohne Luftvolumen, ohne Abstand. Keine Konzentration.
PhilipsBHD628/00, PrestigeDie Merkmalsliste desselben Herstellers nennt für dieses Gerät eine Ionen-Technologie und verspricht zweimal mehr Ionen.Vervielfachung ohne benannten Bezugspunkt. Zweimal mehr als was, steht nicht dabei.
PanasonicEH-NA63CN825Die Produktseite bewirbt eine eigene Technologie mit ultrafeinen Wasserpartikeln. Die zugehörige Erklärseite grenzt sich ausdrücklich ab: Im Unterschied zu herkömmlichen Haartrocknern mit Ionen, die nur oberflächlich eine geringe Menge Feuchtigkeit auf das Haar bringen, spende die eigene Technologie bis zu tausendmal mehr Feuchtigkeit.Relative Zahl, und sie betrifft Feuchtigkeit, nicht Ionen. Kein absoluter Ausgangswert genannt.
BaBylissHydro Fusion D773DEDie Produktseite beschreibt ein feuchtigkeitsausgleichendes duales Ionensystem, das positive und negative Ionen kombiniert. Darunter stehen drei Prozentwerte aus einer Anwenderbefragung, versehen mit der Fußnote: Getestet über einen Zeitraum von zwei Wochen in einer Studie mit 59 Teilnehmern.Prozentwerte zur Selbstauskunft der Teilnehmer, keine Ionenmenge. Keine Vergleichsgruppe erkennbar.
DysonSupersonicDie deutsche Produktseite führt Negative Ionen als einen von neun Merkmalspunkten. Die beiden Abschnitte, die das Gerät ausführlich erklären, behandeln die Luftstromtechnik und die Temperaturregelung. Die Ionen bekommen keinen eigenen Erklärabschnitt.Keine Zahl.
GrundigNaturaShine HD 8080Das technische Datenblatt auf der Herstellerseite führt in der Ausstattungsliste den Eintrag Ionic Funktion, ohne weitere Angabe. In derselben Liste steht getrennt davon der Eintrag Lufteinlassgitterbeschichtung mit dem Wert Keramik plus Macadamiaöl plus Kokosöl.Keine Zahl. Bemerkenswert ist die Trennung: Keramik ist hier eine Beschichtung des Lufteinlassgitters.
RemingtonPROluxe You AC9800Die deutsche Produktseite fasst beide Merkmale in einem Satz zusammen: Die hochwertige Diamantkeramikbeschichtung unterstütze eine gleichmäßige Wärmeverteilung und ein geschmeidiges, glänzendes Finish, während der integrierte Ionengenerator Frizz und statische Aufladung reduziere.Keine Zahl. Zwei getrennte Bauteile mit zwei getrennten Aufgaben, vom Hersteller selbst so benannt.
RemingtonHydraluxe AC8901Die deutsche Produktseite zu diesem Gerät nennt am Prüftag eine Feuchtigkeitstechnologie und eine eigene Temperatureinstellung. Eine Ionenfunktion erwähnt sie überhaupt nicht mehr, obwohl das Gerät im Vergleich von 2022 zu den 14 Föhnen mit Ionenfunktion zählte.Keine Zahl und am Prüftag nicht einmal mehr eine Nennung der Funktion.
RowentaStudio Dry Glow CV5830Die Produktseite spricht von fortschrittlichen Ionenfunktionen, die den Luftstrom verstärken und Frizz reduzieren, und an anderer Stelle von einem Ionen-Generator. Die eigene Vergleichstabelle derselben Seite führt eine Zeile Ionische Funktion und trägt dort für vier weitere Modelle des Hauses den Wert Nein ein.Keine Zahl. Die eigene Tabelle zeigt aber, dass es beim selben Hersteller Geräte ohne die Funktion gibt.
BeurerStylePro HC 55Die Produktseite nennt als eines von drei Kernmerkmalen: geschmeidig glänzendes Haar dank integrierter Ionenfunktion.Keine Zahl.

Der aufschlussreichste Eintrag dieser Tabelle ist derjenige, der sich von der eigenen Warengruppe abgrenzt. Ein Hersteller, dessen Gerät im Vergleich von 2022 zu den 14 Föhnen mit Ionenfunktion zählte, schreibt auf seiner eigenen Erklärseite, im Unterschied zu herkömmlichen Haartrocknern mit Ionen, die nur oberflächlich eine geringe Menge Feuchtigkeit auf das Haar brächten, spende die eigene Technologie bis zu tausendmal mehr Feuchtigkeit. Ein Anbieter der Warengruppe erklärt hier also selbst und öffentlich, dass die verbreitete Ionentechnik wenig ausrichte. Er tut das, um seine eigene Technik davon abzusetzen, aber die Aussage steht.

Fast ebenso aufschlussreich ist ein Eintrag, an dem die Funktion inzwischen verschwunden ist. Zu einem der beiden Geräte eines Herstellers, die 2022 geprüft wurden, nennt die heutige deutsche Produktseite eine Feuchtigkeitstechnologie und eine eigene Temperatureinstellung, aber keine Ionenfunktion mehr. Das Merkmal, das 2022 noch die Klammer um das gesamte Testfeld bildete, taucht in der Beschreibung desselben Geräts nicht mehr auf. Ob das eine technische Änderung oder eine Änderung im Marketing ist, lässt sich von außen nicht entscheiden; festhalten lässt sich nur, dass die Angabe nicht stabil ist.

Ein dritter Eintrag zeigt, wie eine Zahl aussieht, die zwar gemessen wurde, aber nicht die Ionenmenge betrifft. Ein Hersteller nennt auf der Produktseite drei Prozentwerte in den achtziger Bereichen, jeweils mit dem Zusatz, so viele Teilnehmer hätten angegeben, ihr Haar sei weniger kraus, in besserem Zustand oder seidiger gewesen. Die Fußnote nennt Zeitraum und Umfang: zwei Wochen, 59 Teilnehmer. Das ist eine Anwenderbefragung ohne erkennbare Vergleichsgruppe und ohne Verblindung, und sie misst nicht die Ionenabgabe, sondern die Selbstauskunft von Menschen, die wussten, welches Gerät sie benutzen. Als Beleg für die Wirkung der Ionenfunktion taugt das nicht, als Beleg dafür, wie die Branche ihre Belege führt, sehr wohl.

Ein Modellstamm, zwei Zahlen

Wie belastbar Herstellerangaben zur Ionentechnik sind, lässt sich an einem einzigen Modellstamm zeigen, und zwar an Daten, die derselbe Hersteller am selben Tag in seinem eigenen deutschen Produktdatenbestand führt. Die Baureihe trägt die Kennung BHD510. Für die Variante mit dem Zusatz 00 nennt das Datenblatt unter der Rubrik Pflegetechnologien eine vierfache Ionentechnologie. Für die Variante mit dem Zusatz 20 nennt dasselbe Datenblatt an derselben Stelle eine achtfache Ionentechnologie.

Der Vergleich der übrigen Datenfelder macht daraus einen Befund. Beide Varianten führen dieselbe Wattleistung von 2.300 Watt, dieselbe Motorart, dieselbe Zahl von sechs Heiz- und Geschwindigkeitsstufen, dieselbe Kaltstufe, dieselbe Wärmeschutztechnologie, dieselbe Kabellänge von 1,8 Metern, dieselbe Stromspannung, dieselbe Farbangabe, dieselbe Aufhängeöse, denselben Volumendiffusor und dieselbe zweijährige Garantie. Die einzigen Unterschiede außerhalb der Ionenzeile: Die eine Variante wird mit einer Düse von elf Millimetern geliefert, die andere mit zweien von neun und elf Millimetern, und für die zweite ist zusätzlich ein Wert für den Stromabschaltmodus hinterlegt. Die Zahl vor dem Wort Ionentechnologie verdoppelt sich also, während sich technisch nichts ändert, was mit Ionen zu tun hätte.

Der Blick über die Grenze verschärft das Bild. Für die Variante mit dem Zusatz 03, die derselbe Hersteller auf seiner britischen Seite führt, steht in derselben Rubrik eine vierfache Ionentechnologie. Und auf der deutschen Merkmalsseite zur Variante 00 findet sich die einzige absolute Zahl, die mir in dieser ganzen Auszählung begegnet ist: Das Ionensystem emittiere bis zu 80 Millionen Ionen pro Trocknung. Eine Trocknung ist keine physikalische Einheit. Sie dauert bei kurzen Haaren zwei Minuten und bei langen zwanzig, und ohne diese Angabe lässt sich die Zahl weder in eine Rate noch in eine Konzentration umrechnen, geschweige denn mit dem Wert eines anderen Herstellers vergleichen.

Wer nun hofft, das Benutzerhandbuch werde die Sache aufklären, wird enttäuscht. Das herstellereigene Handbuch der Baureihe umfasst rund 350.000 Zeichen in sämtlichen europäischen und mehreren asiatischen Sprachen. Der Ionisator kommt darin genau einmal vor, und zwar im Sicherheitsteil, mit der Anweisung, keine Metallgegenstände in die Öffnungen einzuführen, einschließlich des Ausgangs des Ionisierers, um einen Stromschlag zu vermeiden. Eine Erklärung der Funktion steht nicht darin, eine Mengenangabe ebenfalls nicht, und ein Hinweis darauf, was der Unterschied zwischen vierfach und achtfach sein soll, erst recht nicht. Das Merkmal, das auf der Verpackung als Zahl prangt, wird in der beiliegenden Anleitung nur als Stromschlagrisiko erwähnt.

Ionen oder Keramik: eine Verwechslung und ihre Auflösung

Die Frage Ionen oder Keramik ist einer der zehn eigenen Suchvorschläge zu diesem Stichwort, und sie beruht auf einer Verwechslung, die sich in einem Satz auflösen lässt: Das eine ist eine behauptete Behandlung der Luft, das andere ein Werkstoff. Eine Ionenfunktion soll etwas mit dem Luftstrom tun, nachdem er das Heizelement passiert hat. Keramik ist ein Material, das an ganz verschiedenen Stellen eines Föhns verbaut sein kann, am Heizelement, an einer Beschichtung, an einem Gitter oder an einem Aufsatz. Die beiden Merkmale stehen deshalb nicht im Wettbewerb; sie stehen auf verschiedenen Ebenen.

Man muss das nicht theoretisch begründen, weil die Hersteller es selbst vorführen. In dem technischen Datenblatt eines der 2022 geprüften Geräte steht in der Ausstattungsliste der Eintrag Ionic Funktion. Vier Zeilen weiter unten, unter einer eigenen Rubrik, steht der Eintrag Lufteinlassgitterbeschichtung mit dem Wert Keramik plus Macadamiaöl plus Kokosöl. Die Keramik sitzt in diesem Gerät also nicht einmal an der Heizung, sondern als Beschichtung auf dem Gitter, durch das die Luft angesaugt wird, und sie ist dort mit zwei Pflanzenölen gemischt. Wer bei diesem Gerät zwischen Ionen und Keramik wählen wollte, würde zwischen dem Luftauslass und dem Lufteinlass wählen.

Ein zweiter Hersteller stellt die Sache in einem einzigen Satz klar, den man sich merken kann. Auf der deutschen Produktseite eines seiner Geräte heißt es, die hochwertige Diamantkeramikbeschichtung unterstütze eine gleichmäßige Wärmeverteilung und ein geschmeidiges, glänzendes Finish, während der integrierte Ionengenerator Frizz und statische Aufladung reduziere. Zwei Bauteile, zwei Aufgaben, ein Satz. Der Hersteller selbst behandelt sie als Ergänzung und nicht als Alternative, und dieselbe Kombination findet sich in zahllosen Angeboten der Warengruppe unter Namen wie Ionen- und Keramik-Technologie.

Die ehrliche Auflösung der Frage lautet deshalb: Weder noch, jedenfalls nicht als Kaufkriterium. Für die Ionenfunktion liegt, wie diese Seite belegt, keine unabhängige Messung eines Nutzens vor. Für Keramik als Werkstoff an einem Haartrockner liegt mir ebenfalls keine unabhängige Messung vor, die einen Vorteil gegenüber einer anderen Bauart belegen würde; die vier veröffentlichten Prüfbereiche des Tests von 2022 heißen Frisieren, Handhabung, Haltbarkeit und Sicherheit, und keiner davon ist ein Werkstoffkriterium. Wer eine Entscheidungshilfe sucht, findet sie nicht in diesen beiden Wörtern, sondern in Merkmalen, die sich messen lassen und die sich im Alltag bemerkbar machen.

Ist die Ionenfunktion schädlich? Was sich zu Ozon sagen lässt

Unter den zehn eigenen Suchvorschlägen steht auch die Frage nach der Schädlichkeit, und sie ist berechtigt, weil sie aus einem benachbarten Gebiet kommt, in dem das Thema tatsächlich behandelt wird. Bei Ionisatoren für die Raumluft ist die Bildung von Ozon ein bekanntes Thema. Die zuständige deutsche Umweltbehörde schreibt in ihrer Stellungnahme zu mobilen Luftreinigern, bei Ionisations- und Plasmatechnologie könne aufgrund des physikalischen Prinzips im Gerät Ozon entstehen, und empfiehlt, beim Hersteller nachzufragen, inwieweit Ozon als unerwünschtes Nebenprodukt bei einem bestimmten Gerät auch in den Innenraum gelange. Zur gezielten Behandlung von Raumluft mit Ozon ist dieselbe Stelle noch deutlicher: Ozon sei ein Reizgas und könne mit anderen Stoffen, allen voran mit flüchtigen organischen Verbindungen, chemisch reagieren und dabei unbekannte Folgeprodukte bilden.

Diese Aussage ist belegt, aber sie ist nicht die Antwort auf die gestellte Frage, und diese Seite tut nicht so, als wäre sie es. Sie handelt von Geräten, die dauerhaft in einem geschlossenen Raum laufen und die Raumluft im Kreis führen, mit dem ausdrücklichen Ziel, Mikroorganismen zu inaktivieren. Ein Haartrockner ist ein Handgerät, das einige Minuten am Tag läuft, dessen Luft nicht im Kreis geführt wird und dessen Ionengenerator eine andere Aufgabe und mutmaßlich eine andere Auslegung hat. Die Übertragung von der einen Gerätegattung auf die andere wäre genau die Art von Sprung, die diese Seite an anderer Stelle kritisiert.

Was sich zu Haartrocknern selbst belegen lässt, ist wenig, und es ist wichtig, dieses Wenige genau zu benennen. Erstens: Die Literaturdatenbank PubMed liefert am Prüftag für die Kombination aus Haartrockner und Ozon null Treffer. Zweitens: Das herstellereigene Benutzerhandbuch einer Baureihe, die auf dem Datenblatt mit einer achtfachen Ionentechnologie wirbt, erwähnt Ozon auf rund 350.000 Zeichen und in sämtlichen enthaltenen Sprachen kein einziges Mal, weder als Warnung noch als Hinweis auf eine Lüftungsempfehlung. Drittens: Die Leistungsmessnorm, die seit 2022 ein Verfahren für die Anionenkonzentration führt, stellt in ihrem Anwendungsbereich ausdrücklich klar, dass sie sich mit Sicherheitsanforderungen nicht befasst.

Daraus ergibt sich eine Antwort, die niemandem gefällt und die trotzdem die einzig redliche ist: Ich kann weder Entwarnung geben noch warnen. Es gibt keine veröffentlichte Messung der Ozonabgabe eines Haartrockners mit Ionenfunktion, die ich gefunden hätte, es gibt keine begutachtete Arbeit dazu, und es gibt auch keine Herstellerangabe, die das Thema von sich aus aufgreift. Wer schreibt, Ionen-Haartrockner seien nachweislich unbedenklich, hat dafür ebenso wenig einen Beleg wie derjenige, der vor ihnen warnt. Wem die offene Frage unangenehm ist, dem bleibt eine praktische Konsequenz: Die Funktion lässt sich an vielen Geräten abschalten, und da für ihren Nutzen ohnehin kein Beleg vorliegt, kostet der Verzicht nichts, was sich beziffern ließe.

Was die Fachliteratur hergibt, und was nicht

Für eine Seite, die eine Werbeaussage auf ihre Belegbarkeit prüft, ist die Suche in der begutachteten Fachliteratur der entscheidende Schritt. Sie wurde am Prüftag in zwei Datenbanken durchgeführt, und weil eine Fehlanzeige nur dann etwas wert ist, wenn man weiß, wie gesucht wurde, stehen die Abfragen hier im Klartext.

In PubMed wurde erstens nach negativen Luftionen in Verbindung mit Haar oder Haarschaft gesucht, beschränkt auf Titel und Zusammenfassung: null Treffer. Zweitens nach negativen Luftionen in Verbindung mit Frizz: null Treffer. Drittens nach Haartrockner in Titel und Zusammenfassung ohne weitere Einschränkung: 72 Arbeiten. Diese 72 wurden mit Titel, Jahr und Zeitschrift durchgesehen. Sie behandeln unter anderem das Erzeugen von Saugblasen für Hauttransplantationen bei Pigmentstörungen, Stromunfälle mit Haartrocknern und die Wirkung von Schutzvorschriften darauf, elektromagnetische Felder in der Nähe des Kopfes, Trocknungsverfahren für Blutausstriche im Labor und die Frage, ob sich Masken mit Heißluft wiederverwenden lassen. Keine einzige dieser 72 Arbeiten behandelt die Wirkung von Ionen auf das Haar.

In der Volltextdatenbank Europe PMC wurde anschließend nach Haartrockner in Verbindung mit negativen Ionen, Anionen oder ionisch gesucht, ohne Beschränkung auf Titel und Zusammenfassung: 190 Treffer. Die Durchsicht der ersten 25 nach Relevanz ergab ausschließlich Arbeiten aus der Werkstoff- und Sensorforschung, etwa zu Drucksensoren aus Zellulose, zu Feuchtesensoren, zu Hydrogelen und zu Korrosionsschutz. In diesen Arbeiten kommt der Haartrockner als Laborwerkzeug zum Trocknen von Proben vor, nicht als Gegenstand der Untersuchung.

Das Ergebnis ist damit eine belegte Fehlanzeige: Ich habe am Prüftag keine begutachtete Arbeit gefunden, die Wirkung negativ geladener Ionen aus einem Haartrockner auf menschliches Haar untersucht. Das ist keine Aussage darüber, dass es eine solche Arbeit nirgends geben könnte, und es ist erst recht keine Aussage über die Physik. Es ist eine Aussage über die Beleglage, und für eine Kaufentscheidung ist genau die maßgeblich. Die Gegenprobe macht deutlich, wie ungewöhnlich diese Leere ist: Zur thermischen Schädigung von Haar existiert eine ganze Reihe frei zugänglicher Arbeiten mit Messungen, mit Elektronenmikroskopie und mit benannten Temperaturschwellen. Diese Beleglage ist im Nachbarbereich zu den Hitzeschäden am Glätteisen ausgebreitet. Für Hitze gibt es Literatur. Für Ionen nicht.

Ohne Ionen: geht das, und was zählt stattdessen?

Zwei der zehn Suchvorschläge zum Stammbegriff Haartrockner ohne zielen auf das Weglassen: ohne Ionen und ohne Ionen-Technologie. Die erste Antwort lautet, dass es solche Geräte gibt, und der beste Beleg dafür steht auf der Seite eines Herstellers, der die Funktion selbst bewirbt. In der Vergleichstabelle, die dieser Anbieter auf seiner eigenen Produktseite einblendet, gibt es eine Zeile mit der Bezeichnung Ionische Funktion, und für vier weitere Modelle desselben Hauses steht dort der Wert Nein. Die Funktion ist also weder ein Standard noch eine bauartbedingte Notwendigkeit, sondern eine Ausstattungsentscheidung.

Die zweite Antwort ist unbequemer und trotzdem die nützlichere: Da für den Nutzen der Funktion kein Beleg vorliegt, ist ihr Vorhandensein oder Fehlen kein sinnvolles Auswahlkriterium. Wer gezielt ohne sucht, engt sein Angebot ein, ohne dafür etwas zu gewinnen, das sich belegen ließe. Wer gezielt danach sucht, zahlt womöglich für ein Merkmal, dessen Wirkung sich nicht messen lässt. Die vernünftige Haltung liegt dazwischen: Die Zeile ignorieren und auf die Merkmale schauen, die sich prüfen lassen.

Welche das sind, zeigt ausgerechnet der Ratgeberbeitrag derselben Verbraucherorganisation, der am 05.03.2026 erschienen ist und sich vollständig frei lesen lässt. Er behandelt die Frage, wie man Haare richtig trocknet, er zitiert einen Friseurmeister des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, und er wertet eine koreanische Arbeit aus einer dermatologischen Fachzeitschrift aus. Das Wort Ionen kommt in diesem Text nicht ein einziges Mal vor. Was stattdessen darin steht, sind drei Größen: Abstand, Temperatur und Bewegung. Der Friseurmeister sagt, die Föhnluft solle über das Haar gleiten, nicht in das Haar eindringen. Er sagt, bei Schuppen gelte, nur lauwarm zu föhnen, gleichmäßig und moderat. Und er sagt über die Kaltstufe den entwaffnenden Satz: Kalt passiert gar nichts.

Die zitierte Arbeit liefert die dazugehörige Zahl. Nach ihrem Ergebnis führt Föhnen zwar zu mehr Schäden an der Haaroberfläche, vor allem bei geringem Abstand und hohen Temperaturen, aber nur bei luftgetrocknetem Haar fanden die Autoren Schäden im Zellmembran-Komplex, jener Verbindungsschicht zwischen den Haarzellen, die für Stabilität und Feuchtigkeitsregulation zuständig ist. Die Empfehlung der Studienautoren, die Verbraucherorganisation wiedergibt, lautet: mit einem Abstand von 15 Zentimetern und in kontinuierlicher Bewegung föhnen. Das ist eine überprüfbare Handlungsanweisung mit einer Zahl, und sie kostet nichts. Sie ist damit alles, was die Ionenfunktion nicht ist.

Wer beim Kauf trotzdem eine technische Unterscheidung sucht, findet sie in Merkmalen, deren Angaben sich wenigstens teilweise nachrechnen lassen. Für lockiges Haar entscheidet die Bauform des Aufsatzes darüber, ob die Locke ihre Form behält, was im Vergleich der Geräte mit Diffusor ausgezählt ist; wer wissen will, wie belastbar Angaben zu Motorart und Lebensdauer bei den als Salongerät beworbenen Modellen sind, findet die Auszählung beim Profi-Haartrockner. In beiden Fällen gilt dasselbe Muster wie hier: Je konkreter die Frage, desto seltener liefert der Hersteller eine Zahl. Dieses Muster über alle Angaben hinweg zeigt der Gesamtüberblick zum Haartrockner.

Die Belegstellen im Wortlaut, mit Fundstelle und Einordnung

Die folgende Übersicht sammelt die sechs Stellen, auf denen diese Seite ruht. Sie sind alle am Datenstand einzeln aufgerufen und im Volltext gelesen worden. Wo eine Quelle im Konjunktiv wiedergegeben ist, geschieht das, weil sie selbst im Konjunktiv steht oder weil die Wiedergabe indirekt erfolgt.

BelegstelleInhaltFundstelle und Einordnung
Ionisierfunktion ohne VorteileSo lautet die Zwischenüberschrift, unter der eine deutsche Prüfstelle die Funktion beurteilt hat. Der Absatz darunter sagt im Wortlaut: Technische Neuheiten wie die stark beworbene Ionisierfunktion zeigten im Vergleich übrigens keine Vorteile. Sie soll ein statisches Aufladen der Haare verhindern. Das schafften aber viele gute Warmluftbürsten auch ohne diese Spezialfunktion.Warmluftbürsten, veröffentlicht am 28.07.2011, Heft 08/2011, Unterseite mit der Testbeschreibung, frei lesbar am Prüftag
Alle Geräte tragen die FunktionDer Satz, der die Anlage des Haartrockner-Tests von 2022 offenlegt, lautet: Alle Haartrockner im Vergleich verfügen über eine sogenannte Ionenfunktion. Und der Anrisstext derselben Seite: In dem Haartrockner-Test treten 14 Föhne mit Ionenfunktion an, die Preisunterschiede seien riesig, fünf Geräte fielen durch.Haartrockner im Vergleich, veröffentlicht am 12.12.2022, frei lesbarer Teil
Die Preisspanne im Zitat der QuelleDie Quelle beschreibt die Spreizung ihres Felds selbst und ausdrücklich: Der günstigste Föhn koste um die 30 Euro, der teuerste mehr als 400 Euro. Das teuerste Gerät benennt sie als den mit Abstand teuersten Föhn des Testfelds. Diese Angabe steht hier ausschließlich als Zitat der Quelle und nicht als Kaufhinweis.Abschnitt Warum sich der Haartrockner-Test lohnt, frei lesbar
Die Norm misst, verlangt aber nichtsDer Anwendungsbereich der Leistungsmessnorm sagt in einem Satz: Dieses Dokument legt keine Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit fest. Zugleich führt dieselbe Norm seit ihrer zweiten Ausgabe von 2022 unter Abschnitt 5.7 ein Verfahren zur Messung der Anionenkonzentration eines Anionen-Haartrockners.IEC 61855, zweite Ausgabe von 2022, frei zugängliche Leseprobe
Ionisation und Ozon, aber im RaumDie deutsche Umweltbehörde schreibt über mobile Luftreiniger: Bei Ionisations- und Plasmatechnologie könne aufgrund des physikalischen Prinzips im Gerät Ozon entstehen. Empfohlen wird, beim Hersteller nachzufragen, inwieweit Ozon als unerwünschtes Nebenprodukt bei einem bestimmten Gerät auch in den Innenraum gelange. Ozon sei ein Reizgas und könne mit anderen Stoffen chemisch reagieren.Stellungnahme zu mobilen Luftreinigern, am Prüftag abgerufen. Gilt für Raumluftgeräte, nicht für Haartrockner.
Der Ionisator taucht nur als Warnung aufDas Benutzerhandbuch einer Baureihe, deren Datenblatt mit einer achtfachen Ionentechnologie wirbt, erwähnt den Ionisator auf rund 350.000 Zeichen in sämtlichen Sprachen genau einmal, und zwar im Sicherheitsteil: Es sollen keine Metallgegenstände in die Öffnungen eingeführt werden, einschließlich des Ausgangs des Ionisierers, um einen Stromschlag zu vermeiden. Eine Erklärung der Funktion oder eine Mengenangabe steht dort nicht.Herstellereigenes Benutzerhandbuch der Baureihe, am Prüftag im Volltext gelesen

Zum Umgang mit dieser Seite gehört ein Hinweis in eigener Sache. Auf Ratgeberseiten zu Ionen kursiert besonders viel Halbwissen, und die Versuchung, eine Lücke mit einer erfundenen Studie zu schließen, ist bei diesem Thema größer als bei anderen. Auf dieser Seite steht deshalb keine Quelle, die nicht am Datenstand geöffnet und gelesen worden wäre, und keine Zahl, deren Herkunft nicht benannt ist. Wo etwas fehlt, steht ausdrücklich, dass es fehlt, und wie danach gesucht wurde. Wer eine Angabe von hier weiterverwendet, sollte sie an der genannten Fundstelle nachschlagen, so wie es bei jeder anderen Angabe zu diesem Thema ebenfalls ratsam ist.

Häufige Fragen zur Ionenfunktion am Haartrockner

Bringt die Ionenfunktion am Haartrockner etwas?

Nach der Beleglage, die sich am Datenstand frei prüfen ließ, ist die Frage nicht mit Ja oder Nein zu beantworten, und zwar aus einem sehr konkreten Grund: Der maßgebliche deutsche Test der Warengruppe kann sie nicht beantworten, weil alle 14 geprüften Geräte die Funktion besitzen. Ohne Vergleichsgruppe ohne Ionen gibt es keinen Unterschied zu messen. Das einzige mir bekannte Prüfurteil einer deutschen Prüfstelle zur Funktion stammt aus einem Test benachbarter Geräte von 2011 und fiel negativ aus. Wer also eine belastbare Zahl zum Nutzen sucht, findet sie am Datenstand nicht. Das ist keine Behauptung über die Physik, sondern eine Feststellung über die Beleglage.

Ist die Ionenfunktion schädlich?

Zu Haartrocknern habe ich am Datenstand keinen einzigen belastbaren Beleg für eine gesundheitliche Wirkung gefunden, weder in die eine noch in die andere Richtung. Die Literaturdatenbank PubMed liefert für die Kombination aus Haartrockner und Ozon null Treffer. Das Benutzerhandbuch einer Baureihe, die mit einer achtfachen Ionentechnologie wirbt, erwähnt Ozon auf rund 350.000 Zeichen kein einziges Mal. Es gibt eine Behördenaussage zur Ozonbildung bei Ionisation, aber sie betrifft mobile Luftreiniger im Raum und lässt sich auf ein Handgerät, das wenige Minuten am Tag läuft und dessen Luft nicht im Kreis geführt wird, nicht ohne Weiteres übertragen. Wer eine klare Entwarnung oder eine klare Warnung erwartet, bekommt hier beides nicht, weil beides unbelegt wäre.

Ionen oder Keramik, was ist besser?

Die Frage vergleicht zwei Dinge, die gar nicht im Wettbewerb stehen. Ionen sind eine behauptete Behandlung der Luft, die aus dem Gerät strömt. Keramik ist ein Werkstoff, der an ganz unterschiedlichen Stellen des Geräts verbaut sein kann. Zwei Herstellerangaben zeigen das unmittelbar: Bei einem Gerät führt das technische Datenblatt die Ionenfunktion als eigenen Eintrag und die Keramik getrennt davon als Beschichtung des Lufteinlassgitters. Bei einem anderen steht beides in einem Satz nebeneinander, die Keramikbeschichtung für die gleichmäßige Wärmeverteilung und der Ionengenerator gegen statische Aufladung. Es gibt also kein Entweder-oder, und es gibt für keines der beiden Merkmale eine unabhängige Messung, die einen Vorteil belegen würde.

Soll ich einen Haartrockner ohne Ionen kaufen?

Wer die Funktion nicht will, kann sie umgehen, aber das Angebot ist enger, als die Suchnachfrage vermuten lässt. Ein Anhaltspunkt aus einer Herstellerquelle: Die eigene Vergleichstabelle eines großen Anbieters führt eine Zeile für die ionische Funktion und trägt dort bei vier eigenen Modellen den Wert Nein ein. Es gibt sie also. Die praktisch wichtigere Erkenntnis ist eine andere: Da für den Nutzen der Funktion kein Beleg vorliegt, ist ihr Vorhandensein oder Fehlen kein sinnvolles Auswahlkriterium. Die Merkmale, an denen sich ein Gerät unterscheiden lässt und die sich zudem nachprüfen lassen, sind andere, etwa Gewicht, Kabellänge, Aufsätze und Betriebsgeräusch.

Warum nennt kaum ein Hersteller eine Ionenkonzentration?

Weil ihn nichts dazu zwingt. Seit August 2022 existiert mit IEC 61855 in der zweiten Ausgabe ein international abgestimmtes Messverfahren für die Anionenkonzentration eines Anionen-Haartrockners, samt Messaufbau und Bezugsquellen für die Messtechnik. Dieselbe Norm sagt in ihrem Anwendungsbereich aber ausdrücklich, dass sie keine Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit festlegt. Es gibt also ein Verfahren, aber keinen Grenzwert und keine Pflicht, das Ergebnis zu veröffentlichen. In meiner Auszählung nannte am Prüftag keine der zehn erreichbaren Herstellerseiten eine Ionenkonzentration mit Bezugsgröße.

Was bedeutet vierfach oder achtfach bei der Ionentechnologie?

Aus den öffentlichen Herstellerangaben lässt sich das nicht ableiten, und der Vergleich zweier Varianten desselben Modellstamms macht das Problem sichtbar. Für die eine Variante nennt das eigene Datenblatt eine vierfache, für die andere eine achtfache Ionentechnologie. In allen übrigen Datenfeldern sind die beiden Varianten fast deckungsgleich: gleiche Wattzahl, gleiche Motorart, gleiche Zahl der Stufen, gleiche Kabellänge, gleiche Farbe. Der einzige weitere Unterschied betrifft die mitgelieferten Düsen. Weder das Datenblatt noch das Benutzerhandbuch erklärt, worauf sich das Vielfache bezieht. Solange der Bezugspunkt fehlt, ist die Zahl keine Messgröße, sondern eine Angabe im Werbetext.

Gibt es Studien zur Wirkung von Ionen auf das Haar?

Ich habe am Datenstand keine gefunden und sage das ausdrücklich, statt eine Lücke mit Vermutungen zu füllen. In PubMed liefert die Suche nach negativen Luftionen in Verbindung mit Haar oder Haarschaft null Treffer, die Suche nach negativen Luftionen in Verbindung mit Frizz ebenfalls null. Die 72 Arbeiten, die den Haartrockner im Titel oder in der Zusammenfassung führen, behandeln unter anderem Saugblasenverfahren in der Dermatologie, Stromunfälle, elektromagnetische Felder und Trocknungsverfahren im Labor, aber keine davon die Wirkung von Ionen auf Haar. Eine Volltextsuche in einer zweiten Datenbank ergab 190 Treffer, sämtlich aus der Werkstoff- und Sensorforschung. Eine belegte Fehlanzeige ist ein Ergebnis, und für eine Seite über die Prüfbarkeit einer Werbeaussage ist sie das entscheidende.

Woran erkenne ich eine erfundene Prüfbehauptung zur Ionenfunktion?

An vier fehlenden Angaben: Prüfstelle, Prüfdatum, Prüfkriterium und Stichprobengröße. Für dieses Thema helfen zusätzlich drei Gegenproben. Erstens kann kein Text, der sich auf den deutschen Haartrockner-Test von 2022 beruft, daraus einen Ionenvorteil ableiten, weil dort alle 14 Geräte die Funktion besitzen. Zweitens sind Noten und Rangfolge dieses Tests kostenpflichtig; wer sie frei ins Netz stellt, gibt fremde Inhalte weiter. Drittens ist eine Angabe in Ionen je Kubikzentimeter ohne Nennung von Messabstand und Messverfahren wertlos, weil die zugehörige Norm zwar ein Verfahren, aber keinen Grenzwert kennt.

Clara Busch

Verantwortlich für diesen Beitrag

Clara Busch

Fachredakteurin Familie & Haustiere

Familien-Praxis mit zwei Kindern, Fokus Sicherheit & Kindertauglichkeit

Fachfokus: Familie · Kinder & Haustiere · GPS-Tracker · Kindersicherheit · Pet-Tech

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Aktualisierung und Quellenanzeigen
Veröffentlicht
30.08.2026
Zuletzt aktualisiert
30.08.2026
Verfügbarkeit geprüft
30.08.2026

Datenbasis: Herstellerangaben und Produktdatenblätter, öffentlich einsehbare Händlerdaten zu Preis und Verfügbarkeit sowie die aggregierte Bewertungslage. Vor jeder Aktualisierung prüfen wir, ob die verlinkten Produkte noch bestellbar sind, und tauschen aus, was nicht mehr lieferbar ist.

Was zuletzt geändert wurde

  • 30.08.2026: Ersterstellung als Ratgeber im neuen Bereich Haartrockner unter Körperpflege. Achse ist ausschließlich die Ionenfunktion als Werbeaussage und deren Prüfbarkeit. Kein Gerätevergleich, keine Preise im Fließtext, keine Kaufempfehlung. Hitzeschadenkunde bleibt beim Glätteisen-Nachbarbereich, die Leistungsfrage bleibt außen vor; beides ist verlinkt statt ausgeführt.
  • 30.08.2026: Die Nachfrage vor dem Schreiben gemessen. In der deutschsprachigen Autovervollständigung mit den Parametern für Deutschland trägt haartrockner ionen zehn eigene Vorschläge, darunter ionenfunktion, ionen technologie, ionen oder keramik, ionen schädlich, ionen leise und ionen leicht. Zum Stammbegriff haartrockner ohne stehen ohne ionen an zweiter und ohne ionen-technologie an vierter Stelle. Der Begriff ionen haartrockner trägt ebenfalls zehn Vorschläge, darunter ionen haartrockner schädlich. Die Struktur der Nachfrage bestimmt die Gliederung: schädlich, verzichtbar, Verhältnis zu Keramik.
  • 30.08.2026: Den entscheidenden Befund am Original gesichert. Der Anrisstext der Testseite vom 12.12.2022 lautet, in dem Haartrockner-Test träten 14 Föhne mit Ionenfunktion an, die Preisunterschiede seien riesig, fünf Geräte fielen durch. Ein eigener Abschnitt bestätigt: Alle Haartrockner im Vergleich verfügen über eine sogenannte Ionenfunktion. Damit fehlt die Vergleichsgruppe ohne Ionen, und der Effekt der Funktion ist in diesem Test nicht isolierbar. Noten und Rangfolge sind kostenpflichtig und werden nicht wiedergegeben.
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  • 30.08.2026: Den einzigen deutschen Prüfbefund zur Funktion im Wortlaut gesichert. Auf der Unterseite des Warmluftbürsten-Tests vom 28.07.2011 steht unter der Zwischenüberschrift Ionisierfunktion ohne Vorteile der Absatz: Technische Neuheiten wie die stark beworbene Ionisierfunktion zeigten im Vergleich übrigens keine Vorteile. Sie soll ein statisches Aufladen der Haare verhindern. Das schafften aber viele gute Warmluftbürsten auch ohne diese Spezialfunktion. Der Befund ist im Text ausdrücklich als Aussage über eine benachbarte Warengruppe eingeordnet und nicht auf Haartrockner übertragen.
  • 30.08.2026: Die Normlage geprüft und die Erwartung des Auftrags bestätigt, aber präzisiert. Die frei zugängliche Leseprobe von IEC 61855 in der zweiten Ausgabe mit Stand August 2022 führt im Inhaltsverzeichnis unter 5.7 die Messung der Anionenkonzentration eines Anionen-Haartrockners auf Seite 15, im Bilderverzeichnis Bild 12 mit dem Messaufbau der Anionen-Emissionskonzentration auf Seite 26 und im Anhang B unter B.3 Bezugsquellen für diese Messung. Das Vorwort führt sie unter Punkt f als Neuerung gegenüber der ersten Ausgabe von 2003. Der Anwendungsbereich sagt zugleich, das Dokument lege keine Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit fest, und befasse sich nicht mit Sicherheitsanforderungen. Kein Normvakuum, aber Messverfahren ohne Grenzwert und ohne Angabepflicht. Ein Veröffentlichungstag im August 2022 ließ sich in der Leseprobe nicht taggenau belegen; angegeben ist deshalb nur der Monat.
  • 30.08.2026: Herstellerangaben ausgezählt. Grundgesamtheit sind die 14 Geräte des Tests vom 12.12.2022. Zu zehn Geräten fand sich am Prüftag eine deutschsprachige Herstellerseite zum Modell, zu vier nicht mehr, nämlich zu je einem Gerät von Braun, Koenic, ProfiCare und Valera. Auswertungsregel: Als beziffert gilt nur eine Zahl mit Bezugsgröße für die Ionenmenge, also je Kubikzentimeter, je Sekunde oder je Kubikmeter. Ergebnis: null von zehn. Genau eine Seite nennt überhaupt eine absolute Ionenzahl, nämlich bis zu 80 Millionen Ionen pro Trocknung, ohne Dauer, ohne Luftvolumen und ohne Abstand.
  • 30.08.2026: Den Widerspruch bei einem Hersteller reproduziert. Im eigenen deutschen Produktdatenbestand steht für BHD510/00 eine vierfache und für BHD510/20 eine achtfache Ionentechnologie, bei sonst nahezu deckungsgleichen Datenfeldern: 2.300 Watt, gleiche Motorart, sechs Stufen, gleiche Kabellänge, gleiche Farbe. Abweichungen nur bei den mitgelieferten Düsen und einer Angabe zum Stromabschaltmodus. Die britische Schwestervariante BHD510/03 nennt eine vierfache Ionentechnologie. Das herstellereigene Benutzerhandbuch der Baureihe erwähnt den Ionisator auf rund 350.000 Zeichen genau einmal, im Sicherheitshinweis gegen Stromschlag, und erklärt die Funktion nirgends.
  • 30.08.2026: Fachliteratur gesucht und eine Fehlanzeige dokumentiert. In PubMed ergab die Suche nach negativen Luftionen in Verbindung mit Haar oder Haarschaft in Titel und Zusammenfassung null Treffer, die Suche nach negativen Luftionen in Verbindung mit Frizz ebenfalls null. Die 72 Arbeiten mit Haartrockner in Titel oder Zusammenfassung wurden einzeln durchgesehen; keine behandelt die Wirkung von Ionen auf Haar. Eine Volltextsuche in Europe PMC ergab 190 Treffer, sämtlich aus der Werkstoff- und Sensorforschung. Die Fehlanzeige steht im Text mit den verwendeten Suchbegriffen, damit sie nachvollziehbar ist.
  • 30.08.2026: Die Frage nach der Schädlichkeit ohne Beschönigung beantwortet. Zu Haartrocknern und Ozon liefert PubMed null Treffer; das Benutzerhandbuch der geprüften Baureihe nennt Ozon kein einziges Mal. Die einzige gefundene Behördenaussage zur Ozonbildung bei Ionisation stammt aus der Stellungnahme des Umweltbundesamtes zu mobilen Luftreinigern und ist im Text ausdrücklich als nicht übertragbar gekennzeichnet, weil sie Raumluftgeräte im Dauerbetrieb betrifft. Ergebnis: weder Entwarnung noch Warnung belegbar.
  • 30.08.2026: Die Verwechslung Ionen gegen Keramik an Herstellerdaten aufgelöst. Das technische Datenblatt eines der geprüften Geräte führt die Ionic Funktion als eigenen Eintrag und getrennt davon eine Lufteinlassgitterbeschichtung aus Keramik mit Macadamiaöl und Kokosöl. Ein zweiter Hersteller nennt in einem Satz die Diamantkeramikbeschichtung für die gleichmäßige Wärmeverteilung und den Ionengenerator gegen Frizz und statische Aufladung. Kein Entweder-oder, sondern zwei Ebenen.
  • 30.08.2026: Nach dem Rebase ist die Nachbarseite zur Wattzahl im Route-Index registriert; der Absatz zur Abgrenzung der Leistungsfrage verweist seither dorthin statt sie nur zu erwähnen. Der Absatz trug bereits einen Link, die Zahl der Absätze mit Fließtext-Link bleibt daher bei fünf.
  • 30.08.2026: Gegenprobe zum jüngsten frei lesbaren Ratgeberbeitrag derselben Verbraucherorganisation vom 05.03.2026. Der Text wertet einen Friseurmeister des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks und eine koreanische Arbeit aus einer dermatologischen Fachzeitschrift aus, nennt Abstand, Temperatur und Bewegung als die drei Größen, die zählen, und erwähnt Ionen kein einziges Mal. Diese Fehlanzeige ist im Text als eigener Befund ausgewiesen.
  • 30.08.2026: Rückverweis auf die neue Einstiegsseite des Bereichs ergänzt, mit dem Ankertext Gesamtüberblick zum Haartrockner. Der Link steht in einem Absatz, der bereits einen Fließtext-Link trug; die Zahl der Absätze mit Link bleibt daher bei fünf. Zugleich die Breadcrumb-Zwischenstufe Haartrockner, die bislang als Textknoten endete, in einen Link auf die Einstiegsseite umgewandelt.

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