Halogen ist Infrarot — die Frage vergleicht eine Teilmenge mit ihrer Obermenge
Die Frage, ob ein Halogenstrahler oder ein Infrarotstrahler die bessere Wahl sei, lässt sich nicht beantworten, weil sie zwei Dinge nebeneinanderstellt, von denen das eine im anderen steckt. Ein Halogenstrahler ist ein Infrarotstrahler. Er erzeugt Wärme, indem eine Wolframwendel in einem Quarzrohr auf mehrere tausend Grad gebracht wird, und ein Körper dieser Temperatur gibt seine Energie ganz überwiegend als Infrarotstrahlung ab. Wer Halogen gegen Infrarot abwägt, wägt eine Bauart gegen die gesamte Strahlungsart ab, zu der sie gehört. Das ist ungefähr so wie die Frage, ob man lieber einen Diesel oder ein Auto kaufen soll.
Die Frage ist trotzdem nicht dumm, sondern ein präziser Fingerzeig darauf, wo dieser Markt seine Begriffe verliert. Gemeint ist nämlich fast immer etwas Sinnvolles: Der Fragende hat zwei Geräte vor sich, von denen eines im Betrieb hell orange leuchtet und eines gar nicht, und er sucht das Wort für diesen Unterschied. Dieses Wort existiert, es ist genormt, und es lautet nicht Halogen und auch nicht Infrarot, sondern IR-A, IR-B oder IR-C. Es steht nur in keinem einzigen der Angebote, aus denen dieser Untercluster zusammengetragen ist. Dass die Bauartbezeichnung überall auftaucht und das Spektralband praktisch nirgends, ist bereits am Beispiel der Angebotstexte und ihrer Herstellerunterlagen ausgezählt und wird hier vorausgesetzt.
Diese Seite arbeitet deshalb anders als eine Kaufberatung. Sie nimmt der Reihe nach die Sätze, die im Markt über Strahlungsarten kursieren, und hält jeden davon gegen eine nachprüfbare Quelle. Manche Sätze halten. Die meisten halten nicht, und bei zweien schreibt derselbe Anbieter an zwei Stellen seines eigenen Auftritts das Gegenteil. Wo eine Zahl fehlt, wird sie hier nicht ersetzt, sondern als fehlend benannt; wo sie sich aus einer veröffentlichten Temperatur berechnen lässt, steht die Rechnung samt Annahme im Text.
Zwei Themen bleiben ausdrücklich draußen. Gasbetriebene Heizpilze folgen einer anderen Physik und einer anderen Rechtslage; sie kommen hier nur dort vor, wo der Verordnungstext sie ausdrücklich meint. Und Wärmestrahler für den Wickeltisch, auf die der nackte Suchbegriff an erster Stelle führt, sind Innenraumgeräte mit eigenen Abständen, eigenen Prüfvorgaben und einer Zielgruppe, die weder wegsehen noch wegrücken kann. Eine Seite über Strahlungsart und Augensicherheit darf beides nicht vermischen, und sie tut es hier nicht.
Wer die Grenzen zwischen IR-A, IR-B und IR-C festlegt — und wo sie verlaufen
Die Einteilung stammt nicht aus der Werbung und auch nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus einem internationalen Wörterbuch. Die Internationale Beleuchtungskommission führt sie im Internationalen Wörterbuch der Lichttechnik, Ausgabe CIE S 017:2020, unter dem Eintrag mit der Nummer 17-21-004. Dort steht in einer Anmerkung zum Stichwort Infrarotstrahlung wörtlich, der Bereich zwischen 780 Nanometern und 1 Millimeter werde üblicherweise unterteilt in IR-A von 780 bis 1.400 Nanometern, IR-B von 1,4 bis 3,0 Mikrometern und IR-C von 3 Mikrometern bis 1 Millimeter. Die drei Bänder haben dort zusätzlich eigene Einträge unter 17-21-005, 17-21-006 und 17-21-007.
Eine zweite Anmerkung desselben Eintrags nennt die Herkunft: Er trug im internationalen elektrotechnischen Wörterbuch, Kapitel 845 Lichttechnik, aus dem Jahr 1987 die Nummer 845-01-04. Die Einteilung ist also fast vierzig Jahre alt und wird von der Beleuchtungskommission und der Internationalen Elektrotechnischen Kommission gemeinsam geführt. Das ist der Grund, warum sie überall dort wiederkehrt, wo es um Sicherheit geht: Die deutschen Strahlenschutzstellen zitieren dieselben Zahlen, und die Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung ebenfalls.
Das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt in seiner Fachseite zur Infrarotstrahlung, deren Wellenlängenbereich reiche von 780 Nanometer bis 1 Millimeter, und unterteilt genau wie das Wörterbuch: kurzwellige IR-A-Strahlung von 780 bis 1400 Nanometer, IR-B-Strahlung von 1400 bis 3000 Nanometer, langwellige IR-C-Strahlung von 3000 Nanometer bis 1 Millimeter. Der Stand der Seite ist der 14. März 2025. Dieselbe Behörde hält an anderer Stelle fest, dass jeder warme Körper Infrarotstrahlung abgibt und dass die Wellenlänge umso kürzer wird, je wärmer der Körper ist. Damit steht das Werkzeug bereit, mit dem sich jede Bauart einordnen lässt.
Eine dritte Anmerkung im Wörterbucheintrag ist für diese Seite besonders wichtig, weil sie einen scheinbaren Widerspruch im eigenen Bestand auflöst. Sie besagt, in manchen Anwendungen werde das Infrarotspektrum auch in nahes, mittleres und fernes Infrarot geteilt, wobei die Grenzen dort notwendigerweise mit der Anwendung schwanken. Es gibt also zwei Vokabulare für dasselbe Spektrum. Das eine ist das der Sicherheitsnormen, das andere das der Anwendungstechnik. Wer die beiden verwechselt, hält für einen Sachfehler, was nur ein Sprachwechsel ist.
Nachgerechnet: Ab 1.800 Grad beginnt IR-A, unterhalb von 693 Grad beginnt IR-C
Für die Zuordnung einer Bauart braucht es kein Messgerät, sondern eine einzige Gleichung. Das Verschiebungsgesetz für die Wellenlänge besagt, dass das Produkt aus der Wellenlänge des Strahlungsmaximums und der absoluten Temperatur eines idealen Wärmestrahlers eine Konstante ist. Das Nationale Institut für Standards und Technologie der Vereinigten Staaten führt diese Konstante seit der Neudefinition der Einheiten als exakten Wert: 2,897 771 955 mal zehn hoch minus drei Meter mal Kelvin. Teilt man sie durch die Temperatur in Kelvin, erhält man die Wellenlänge, bei der die Strahlung am stärksten ist.
Zwei Annahmen gehören offen dazu. Erstens gilt das Gesetz streng für einen idealen schwarzen Strahler; eine Wolframwendel und ein Keramikkörper sind das nicht, weichen aber in der Lage des Maximums nur wenig davon ab. Zweitens ist die Temperatur, die ein Hersteller nennt, nicht immer dieselbe, die Rechnung braucht: Bei einer Glühwendel ist die Wendeltemperatur gemeint, bei einem Paneel die Oberflächentemperatur, bei einer Farbtemperaturangabe der Vergleichswert eines Temperaturstrahlers. Wo eine Angabe uneindeutig ist, steht das in der Tabelle. Erfundene Temperaturen kommen hier nicht vor; jede Zahl stammt aus einer Herstellerangabe, einem Behördentext oder einer Bestandsseite.
Die Rechnung liefert zuerst zwei Schwellen, und die sind der eigentliche Ertrag dieses Abschnitts. Setzt man die Bandgrenze von 1,4 Mikrometern ein, ergibt sich eine Temperatur von 2.070 Kelvin, also 1.797 Grad Celsius. Ein Strahler muss demnach heißer als rund 1.800 Grad werden, damit sein Strahlungsmaximum im Band IR-A liegt. Setzt man die Bandgrenze von 3,0 Mikrometern ein, ergibt sich 966 Kelvin, also 693 Grad Celsius. Unterhalb dieser Temperatur liegt das Maximum im Band IR-C. Alles dazwischen ist IR-B. Zwei Zahlen, und die gesamte Bauartendiskussion dieses Marktes ordnet sich daran.
Die Probe aufs Exempel liefert ein Datenblatt aus der Industrietechnik. Der Infrarotstrahler-Hersteller Heraeus Noblelight gibt für seine Kurzwellenstrahler eine Wendeltemperatur von 1.800 bis 2.400 Grad an und nennt dazu selbst ein Strahlungsmaximum von 1,2 bis 1,4 Mikrometern. Die Rechnung ergibt für dieselben Temperaturen 1,40 bis 1,08 Mikrometer. Am kühleren Ende trifft sie den veröffentlichten Wert auf die zweite Stelle genau, am heißeren liegt sie rund ein Zehntel Mikrometer darunter. Genauer als das ist die Methode nicht, und genauer muss sie auch nicht sein: Die Bandgrenzen liegen weit genug auseinander. Für die Innenraumseite gilt dieselbe Rechnung und bestätigt, was dort steht: Ein Paneel mit 90 bis 110 Grad Oberflächentemperatur strahlt maximal bei 7,98 bis 7,56 Mikrometern, und die Bestandsseite zur Funktionsweise einer Infrarotheizung nennt genau diesen Bereich mit 7 bis 9 Mikrometern. Sie ordnet ihn dem mittleren Infrarot zu, weil sie das anwendungstechnische Vokabular benutzt; im Vokabular der Sicherheitsnormen heißt derselbe Bereich IR-C. Beide Angaben sind richtig, und sie widersprechen sich nicht.
| Bauart | Genannte Temperatur | Wer sie nennt | Gerechnetes Maximum | Band nach dem Wörterbuch | Bereich der Lampennorm |
|---|---|---|---|---|---|
| Halogenröhre, industrieller Strahler | 2.600 Grad Celsius | Spektrendiagramm im Datenblatt eines Infrarotstrahler-Herstellers | 1,01 Mikrometer | IR-A | innerhalb |
| Kurzwellenstrahler, Zwillingsrohr | 1.800 bis 2.400 Grad Wendeltemperatur | Datenblatt desselben Herstellers, Abschnitt Short Wave | 1,40 bis 1,08 Mikrometer | IR-A | innerhalb |
| Halogenröhre mit weißem Licht | 2.700 Kelvin Farbtemperatur | Produktbeschreibung eines deutschen Strahlerherstellers | 1,07 Mikrometer | IR-A | innerhalb |
| Schnell ansprechendes Mittelwellenrohr | 1.600 Grad Celsius | Spektrendiagramm im selben Datenblatt | 1,55 Mikrometer | IR-B | innerhalb |
| Karbonrohr | 1.200 Grad Celsius | Spektrendiagramm im selben Datenblatt | 1,97 Mikrometer | IR-B | innerhalb |
| Quarzrohr, klassische Mittelwelle | 900 Grad Celsius | Spektrendiagramm im selben Datenblatt | 2,47 Mikrometer | IR-B | innerhalb |
| Rechnerische Bandgrenze IR-B zu IR-C | 693 Grad Celsius | aus der Bandgrenze von 3 Mikrometern zurückgerechnet | 3,00 Mikrometer | Grenze | Grenze des Geltungsbereichs |
| Elektrischer Dunkelstrahler mit Keramikelement | keine Temperatur angegeben | Datenfeld des Anbieters nennt 2 bis 10 Mikrometer | nicht bestimmt, Bandmitte entspräche rund 306 Grad | IR-B bis IR-C | überwiegend außerhalb |
| Infrarot-Paneel für den Innenraum | 90 bis 110 Grad Oberflächentemperatur | Bestandsseite zur Funktionsweise von Infrarotheizungen | 7,98 bis 7,56 Mikrometer | IR-C | außerhalb |
Die Bauart verrät das Spektrum erst, wenn eine Temperatur danebensteht
Aus der Tabelle folgt ein unbequemer Satz: Die Wörter Halogen, Karbon, Quarz und Gold beschreiben Werkstoffe und Bauformen, nicht Spektralbänder. Ein Quarzrohr ist zunächst einmal nur ein Rohr aus Quarzglas. Was darin steckt und wie heiß es wird, entscheidet über das Band, und beides sagt die Bauartbezeichnung nicht. Dieselbe Bauform kann bei 900 Grad im Band IR-B arbeiten und bei 2.400 Grad im Band IR-A, und beide Male steht Quarz auf dem Karton.
Das Datenblatt aus der Industrietechnik zeigt das an einer einzigen Grafik. Dort sind fünf Spektren übereinandergelegt, alle bei gleicher elektrischer Leistung, und jedes trägt eine Temperatur: Halogen mit 2.600 Grad, Kurzwelle mit 2.200 Grad, schnell ansprechende Mittelwelle mit 1.600 Grad, Karbon mit 1.200 Grad und klassische Mittelwelle mit 900 Grad. Erst diese Zahlen machen die Kurven vergleichbar. Nimmt man sie weg und lässt nur die Namen stehen, bleibt eine Reihe von Handelsbezeichnungen übrig, aus der sich nichts ableiten lässt — und genau das ist die Lage im Terrassenstrahlermarkt.
Die Auszählung dazu fällt bemerkenswert einseitig aus, und sie lässt sich in einem Satz erzählen. Genau ein Anbieter dieser Recherche nennt eine Temperatur in Kelvin, und es ist eine Farbtemperatur: 2.700 Kelvin für eine weiß leuchtende Halogenröhre, mit dem Zusatz, das sei warmweißes Leselicht vergleichbar mit einer Glühlampe. Bei einem Temperaturstrahler ist die Farbtemperatur näherungsweise die Temperatur der Wendel selbst; daraus folgt ein Strahlungsmaximum von 1,07 Mikrometern und damit das Band IR-A, tief im kurzwelligen Bereich. Der Anbieter, der als einziger eine Kelvinzahl aufschreibt, liefert damit ungewollt die genaueste Bandangabe des ganzen Marktes.
Bei diesem Modell steht allerdings noch ein zweiter Satz, und der geht nicht auf. Die Beschreibung verspricht warmweißes Leselicht bei 2.700 Kelvin und behauptet im selben Absatz, die Rotlichtanteile würden durch eine besondere Beschichtung zu hundert Prozent absorbiert. Licht von 2.700 Kelvin ist definitionsgemäß rot- und orangelastig; entfernt man den roten Anteil vollständig, bleibt kein warmweißes Licht übrig. Beide Aussagen können nicht gleichzeitig stimmen. Für die Kaufentscheidung heißt das nicht, dass das Modell schlecht wäre — es heißt, dass die einzige belastbare Zahl dieses Marktes in einem Satz steht, der sich selbst widerspricht.
Carbon: derselbe Rohrtyp, zwei verschiedene Spektralbänder in zwei Verkaufstexten
Der schärfste Beleg dafür, dass die Bauartbezeichnung nichts trägt, steht nicht in einer Anleitung, sondern in zwei Verkaufstexten. Ein deutscher Strahlerhersteller schreibt in seinem technischen Ratgeber, Karbonstrahler arbeiteten mit mittelwelliger Infrarotstrahlung, und stellt sie damit ausdrücklich zwischen Quarz und Halogen. Ein zweiter Anbieter führt in der Datentabelle eines Karbon-Standstrahlers unter der Zeile Infrarot-Strahlungsart den Eintrag kurzwellige A-Strahlung und wiederholt das im Fließtext. Dasselbe Bauteil, zwei Bänder, zwei Häuser.
Die Rechnung entscheidet den Streit nicht durch Zuruf, sondern durch die Temperatur. Das Industriedatenblatt setzt für Karbon 1.200 Grad an, daraus folgt ein Maximum bei 1,97 Mikrometern, und das liegt im Band IR-B. Damit hat der erste Anbieter recht, sofern das Karbonband des zweiten ebenfalls bei rund 1.200 Grad arbeitet. Nur nennt der zweite Anbieter keine Temperatur, sondern nur das Ergebnis. Um seine Angabe zu halten, müsste seine Röhre heißer als 1.800 Grad werden — ein Wert, der für ein Kohlefaserband ungewöhnlich wäre und den er nirgends aufschreibt. Nachprüfbar ist die Aussage nicht; widerlegbar ohne seine Temperatur auch nicht. Beides zusammen ist das Problem.
Dass die Verwirrung im Markt und nicht beim Käufer sitzt, zeigt eine weitere Stelle desselben Ratgebers. Dort heißt es, der Quarzstrahler arbeite mit langwelliger Infrarotstrahlung und erwärme deshalb nur die Umgebungsluft. Das Industriedatenblatt setzt für die klassische Mittelwelle in Quarzausführung 900 Grad an, woraus 2,47 Mikrometer folgen — Band IR-B, also mittelwellig, nicht langwellig. Und der Zusatz mit der Umgebungsluft trifft auf keine der drei Bauarten zu: Trockene Luft absorbiert in diesem Bereich sehr wenig, weshalb ein Strahler jeder dieser Bauarten seine Energie überwiegend an Körper und Flächen abgibt und nicht an die Luft.
Bemerkenswert ist, wer den Fehler macht. Es sind keine anonymen Händlerbeschreibungen, sondern die Ratgeberseiten zweier Hersteller, die ihre Geräte selbst bauen und in Deutschland sitzen. Beide Texte sind erkennbar mit dem Anspruch geschrieben, aufzuklären. Beide führen die Einteilung in kurz-, mittel- und langwellig ein, und beide ordnen mindestens eine ihrer eigenen Bauarten falsch oder unbelegt zu. Wer als Käufer zwischen zwei Geräten steht, kann diesen Widerspruch nicht auflösen, weil ihm dieselbe Zahl fehlt wie den Texten: die Temperatur des Heizelements.
Die Goldbeschichtung verkürzt keine Wellenlänge — sie spiegelt zurück
Die Goldröhre ist das Bauteil, um das sich die meisten Behauptungen ranken, und ausgerechnet hier steht die klarste Auskunft in einem Industriedatenblatt. Dort heißt es im Abschnitt zu den Kurzwellenstrahlern, eine Goldbeschichtung des Strahlers sorge dafür, dass sich die wirksame Strahlung annähernd verdopple. Gold ist an dieser Stelle also ein Rückreflektor auf der abgewandten Seite des Rohres: Was nach hinten abgestrahlt würde, wird nach vorn geworfen. An der Temperatur der Wendel ändert das nichts, und damit ändert sich auch die Wellenlänge des Maximums nicht.
Der Ratgebertext eines Anbieters schreibt dagegen, dank der innovativen Goldröhre leuchte der Strahler in einem dunkleren Orangeton, und die dadurch verringerte Infrarot-Wellenlänge ermögliche die Abgabe einer enormen Heizleistung. Der Satz ist in sich verdreht. Ein dunklerer Orangeton bedeutet weniger sichtbares Licht, weniger sichtbares Licht bedeutet eine kühlere Quelle oder eine wegfilternde Schicht, und beides verschiebt das Strahlungsmaximum zu größeren, nicht zu kleineren Wellenlängen. Eine kürzere Wellenlänge hätte den umgekehrten Effekt: Sie würde die Röhre heller machen, nicht dunkler.
Am schönsten wird die Sache dadurch, dass derselbe Anbieter das an anderer Stelle selbst richtigstellt, ohne es zu merken. In einem zweiten Ratgebertext zur gleichen Technik heißt es, die Röhren produzierten einen größeren Anteil von Infrarot-Licht aus dem unsichtbaren Lichtbereich. Größerer unsichtbarer Anteil heißt längere Wellenlänge. Zwei Texte auf demselben Auftritt, dieselbe Technik, entgegengesetzte Richtung. Ein dritter Hersteller beschreibt denselben Effekt physikalisch sauber und ohne Wellenlängenanspruch: Seine Goldröhren erzeugten Infrarot-A- und -B-Strahlung aus der Wolframglühwendel und filterten mit ihrer Beschichtung das sichtbare Licht. Filtern, nicht verschieben — das ist die Formulierung, die zu einem Rückreflektor und einer Beschichtung passt.
Für den Käufer folgt daraus etwas Praktisches. Eine Goldbeschichtung ist ein Argument für die Ausbeute nach vorn und gegen die Blendung, aber kein Argument für ein anderes Spektralband. Wer eine Goldröhre kauft, kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin einen Strahler mit dem Maximum im Band IR-A oder am oberen Rand von IR-B — nur eben einen, der weniger sichtbar leuchtet. Genau das ist auch das, was die Anbieter tatsächlich versprechen, wenn man ihre Zahlen statt ihrer Erklärungen liest.
Low Glare und blendfrei: zwei Prozentzahlen, zwei Bezugsgrößen, keine Einheit
Blendung ist der einzige Punkt, an dem der Markt überhaupt eine Zahl liefert — und es sind gleich zwei, die nichts miteinander zu tun haben. Ein Anbieter schreibt, seine Kurzwellentechnik reduziere das als störend empfundene helle Rotlicht um bis zu 80 Prozent bei unveränderter Wärmeintensität. Ein zweiter schreibt, bei seiner Technik entstehe nur etwa 15 Prozent des sichtbaren Lichts seiner eigenen Standardröhre. Beide Zahlen beziehen sich auf das jeweils andere Modell desselben Hauses. Es gibt keinen gemeinsamen Nullpunkt, kein Messverfahren, keinen Abstand, keine Blickrichtung und keine Einheit.
Dass es auch anders ginge, zeigt dasselbe Wörterbuch, aus dem die Spektralbänder stammen. Es führt unter 17-22-102 den Begriff Blendung durch Unbehagen als eine Blendung, die Unbehagen verursacht, ohne das Sehen von Objekten notwendigerweise zu beeinträchtigen, und unter 17-22-106 einen Blendungsgrenzwert als den höchsten zulässigen Wert des Blendungsbewertungssystems der Kommission, mit Verweis auf deren Veröffentlichung zur Blendungsbewertung in der Außen- und Sportstättenbeleuchtung. Für die Beleuchtung im Freien existiert also ein beziffertes, dimensionsloses Bewertungssystem mit einem Grenzwert. Für Heizstrahler im Freien verwendet es niemand, obwohl beide Geräteklassen im selben Außenraum in dieselben Augen leuchten.
Ob Low Glare oder blendfrei im Markt definiert sind, lässt sich damit eindeutig beantworten: Nein. Es sind Produktbezeichnungen, keine Eigenschaften mit einem Prüfverfahren. Der schlagendste Beleg dafür steht in der Kommentarspalte unter dem Ratgebertext eines der beiden Anbieter. Dort fragt ein Leser wörtlich, mit welcher Wellenlänge gearbeitet werde und aus welchem Material die Low-Glare-Röhre bestehe. Die Antwort des Hauses lautet, er möge sich diesbezüglich am besten direkt an den Kundenservice wenden. Die Frage nach der Wellenlänge wird also nicht falsch beantwortet, sondern gar nicht — auf einer Seite, die im Titel Praxiswissen verspricht.
Ein einziger Wert ist dabei tatsächlich brauchbar, und er steht nicht bei den Prozentangaben. Die Farbtemperatur von 2.700 Kelvin, die ein Hersteller für seine weiß leuchtende Röhre angibt, ist eine echte lichttechnische Größe mit einer Einheit. Sie sagt zwar nichts über die Leuchtdichte und damit nichts über die Blendung, aber sie erlaubt die Bandzuordnung. Eine Leuchtdichte in Candela je Quadratmeter nennt in dieser Warengruppe niemand. Damit fehlt genau die Größe, die Frage nach der Blendung beantworten würde, während die Größe, die sie nicht beantwortet, in Prozent und ohne Bezug verteilt wird.
| Behauptung | Wer sie erhebt | Was der Beleg sagt | Urteil |
|---|---|---|---|
| Halogen und Infrarot sind zwei verschiedene Techniken | die Suchanfrage selbst, in dieser Wortstellung | Jeder warme Körper gibt Infrarotstrahlung ab; eine Halogenwendel erreicht ihr Strahlungsmaximum bei rund einem Mikrometer und liegt damit mitten im Infrarotbereich | hält nicht |
| Die Bauartbezeichnung sagt, in welchem Band ein Strahler arbeitet | die Angebotstexte, die nur Quarz, Karbon oder Gold nennen | Zwei Anbieter ordnen dasselbe Karbonrohr einmal der Mittelwelle und einmal der kurzwelligen A-Strahlung zu | hält nicht |
| Eine goldene Beschichtung verkürzt die Wellenlänge | der Ratgebertext eines Anbieters zur Goldröhre | Das Datenblatt eines Strahlerherstellers beschreibt die Goldschicht als Rückreflektor, der die wirksame Strahlung annähernd verdoppelt; derselbe Anbieter schreibt an anderer Stelle das Gegenteil seiner eigenen Aussage | hält nicht |
| Low Glare ist eine definierte Eigenschaft | zwei Anbieter mit zwei verschiedenen Prozentangaben | Beide Zahlen beziehen sich auf das jeweils eigene andere Modell, nicht auf eine Messgröße; eine Einheit, ein Messverfahren und ein Bezugsabstand fehlen bei beiden | hält nicht |
| Kurzwellige Strahler sind schneller warm als langwellige | die Ratgebertexte fast aller Anbieter | Physikalisch schlüssig und von einer Herstellertabelle mit einer Sekunde gegen zweiunddreißig Sekunden beziffert; als Kaufmerkmal aber wertlos, weil auch der Keramik-Dunkelstrahler mit Sofortwärme beworben wird | hält, taugt aber nicht zur Unterscheidung |
| Infrarotstrahlen sind grundsätzlich ungefährlich für den Menschen | der Ratgebertext eines Anbieters, wörtlich | Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt Netzhautschädigungen und die langfristige Trübung der Linse bei chronischer Bestrahlung mit starken Quellen; derselbe Anbieter wendet auf ein eigenes Modell die Norm zur photobiologischen Sicherheit an | hält so nicht |
| Für die Strahlungsart gibt es keinen amtlichen Maßstab | die Marktlage, aus den Unterlagen geschlossen | Die Ökodesign-Verordnung definiert einen Strahlungsfaktor, verlangt ihn aber nur für brennstoffbetriebene Hell- und Dunkelstrahler; die Expositionsgrenzwerte für das Auge sind dagegen seit Langem beziffert | hält nur zur Hälfte |
Sofort warm oder erst nach Minuten? Was zur Anlaufzeit wirklich beziffert ist
Die Trägheit ist der einzige Unterschied zwischen den Bändern, den man ohne Messgerät selbst erlebt: Ein Kurzwellenstrahler ist beim Einschalten praktisch sofort auf Leistung, ein Körper mit geringer Oberflächentemperatur braucht Zeit, weil er erst seine eigene Masse aufheizen muss. Physikalisch ist das unstrittig. Die Frage dieser Seite ist eine andere, nämlich ob irgendjemand dazu eine Zahl aufschreibt. Die Antwort lautet: genau einer, und der stellt sie in eine Tabelle mit zwei Spalten.
Es ist derselbe Hersteller, der die Farbtemperatur nennt. Seine Vergleichstabelle stellt Halogen-Infrarotheizstrahler und Quarzheizstrahler gegenüber und beziffert die Aufheizphase mit einer Sekunde gegen zweiunddreißig Sekunden. Ein Messverfahren, ein Bezugspunkt und eine Definition, was Aufheizphase bedeuten soll, fehlen. In derselben Tabelle stehen zwei Wirkungsgrade, 92,2 Prozent gegen 39 Prozent, und die sind bei einem Widerstandsheizer als Energiebilanz nicht haltbar: Beide Bauarten setzen die aufgenommene elektrische Leistung vollständig in Wärme um. Gemeint sein kann nur der Anteil, der als gerichtete Strahlung austritt — nur steht das nirgends, und die Größe, die diesen Anteil beschreibt, ist eine andere.
Alle übrigen Angaben zur Anlaufzeit sind Adjektive. Ein Anbieter schreibt zu seiner Quarzausführung, sobald das Gerät eingeschaltet werde, entwickle sich eine spürbare Wärme; zu seiner Karbonausführung, unmittelbar nach dem Einschalten und ganz ohne Aufwärmphase sei eine angenehme Wärme zu spüren; zu seiner Goldröhre, auch diese Strahler böten sofortige Wärme ohne Vorlauf. Zu seinem Dunkelheizstrahler steht an derselben Stelle kein Wort über die Anlaufzeit — bei genau der Bauart, bei der die Frage sich stellt. Und ein vierter Anbieter bewirbt einen Keramik-Dunkelstrahler mit dem Satz, die Wärme sei vom ersten Moment an spürbar, ganz ohne Aufheizphase. Sofortwärme wird also für alle vier Bänder gleichermaßen versprochen, womit die Aussage als Unterscheidungsmerkmal wertlos wird.
Eine indirekte Bestätigung findet sich an einer überraschenden Stelle, nämlich in den Antworten auf Kundenfragen. Ein Anbieter empfiehlt für seinen Kurzwellenstrahler ausdrücklich einen trägen Leitungsschutzschalter der Kennlinie C und begründet das mit der Leistungsspitze im Millisekundenbereich beim Einschalten. Genau diese Spitze ist die Kehrseite der Sofortwärme: Eine kalte Wolframwendel hat einen deutlich geringeren Widerstand als eine glühende, zieht im ersten Moment ein Vielfaches des Nennstroms und ist eben deshalb in Sekundenbruchteilen heiß. Was an der Steckdose daraus folgt, ist im Untercluster an den Anschlusswerten und Stromkreisen auf dem Balkon durchgerechnet; hier zählt nur, dass die Einschaltspitze ein Indiz für die Bauart ist, das kein Datenblatt nennt, aber jede Sicherung merkt.
EN 62471 auf einem Heizstrahler: was die Norm regelt und wo ihr Bereich endet
In einer einzigen Unterlage dieses Unterclusters steht eine Norm, die dort niemand erwartet: EN 62471, die Norm zur photobiologischen Sicherheit von Lampen und Lampensystemen. Sie taucht in der EU-Konformitätserklärung eines Deckenheizstrahlers auf, gemeinsam mit den Normen für Leuchten und für ortsfeste Leuchten. Ein Hersteller, der so etwas erklärt, sagt damit über sein Gerät etwas aus: Er behandelt es nicht nur als Heizgerät, sondern zusätzlich als Lichtquelle. Welche Erklärung das ist und was sonst noch darin steht, ist bei den Unterlagen der Deckenstrahler aufgeschlüsselt.
Die Frage, ob die Norm für Heizstrahler überhaupt einschlägig ist, beantwortet ihr eigener Geltungsbereich. Die internationale Fassung IEC 62471 aus dem Jahr 2006 wurde vom Technischen Komitee 76 für Sicherheit optischer Strahlung erarbeitet und beruht auf einer Norm der Beleuchtungskommission aus dem Jahr 2002. Ihr Anwendungsbereich umfasst nach der Beschreibung der Elektrotechnischen Kommission alle elektrisch betriebenen inkohärenten Breitbandquellen optischer Strahlung mit Ausnahme von Lasern, im Wellenlängenbereich von 200 Nanometern bis 3000 Nanometern. Ein Terrassenstrahler mit glühender Röhre ist eine elektrisch betriebene inkohärente Breitbandquelle optischer Strahlung. Er fällt also fachlich in den Anwendungsbereich, und der Hersteller, der die Norm anwendet, tut nichts Ungewöhnliches, sondern etwas Konsequentes.
Was die Norm bewertet, beschreibt das Bundesamt für Strahlenschutz in seiner Fachseite zum Schutz bei sichtbarem Licht mit Stand vom 7. Oktober 2025. Danach ordnet DIN EN 62471 Lampen und Lampensysteme vier Risikogruppen zu: die freie Gruppe 0 ohne Risiko, Gruppe 1 mit geringem, Gruppe 2 mit mittlerem und Gruppe 3 mit hohem Risiko. Beurteilt werden Risiken durch Ultraviolettstrahlung, die photochemische und die thermische Netzhautgefährdung sowie ausdrücklich die Gefahr durch Infrarotstrahlung. Gruppe 1 setzt normale Einschränkungen durch das Verhalten voraus, Gruppe 2 Abwendreaktionen, und Gruppe 3 gilt als für die Allgemeinbeleuchtung nicht vorgesehen, weil dort schon eine flüchtige Bestrahlung eine Gefahr darstellt.
Und hier liegt der Punkt, an dem sich die ganze Bauartfrage entscheidet. Der Geltungsbereich der Norm endet bei 3000 Nanometern — exakt an der Grenze zwischen IR-B und IR-C. Ein Strahler mit dem Maximum bei einem Mikrometer liegt vollständig in ihrem Bereich. Ein echter Dunkelstrahler mit einem Maximum um fünf bis acht Mikrometer liegt fast vollständig außerhalb. Die Norm zieht damit dieselbe Linie, die auch das Wörterbuch zieht, nur aus einem anderen Grund: Oberhalb von drei Mikrometern kommt bei nichtkohärenten Quellen praktisch keine Leistung mehr an den empfindlichen Strukturen an. Die Kehrseite dieses sauberen Befundes ist ernüchternd: In den Unterlagen der Warengruppe steht die Norm genau einmal, und eine Risikogruppe nennt keine einzige Unterlage. Ausgerechnet der kurzwellige Strahler desselben Hauses, der am stärksten in den Bereich der Norm fällt, führt sie in seiner Erklärung nicht.
Was die Strahlenschutzstellen zum Auge belegen — und wo die Belege aufhören
Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt die Wirkung von Infrarotstrahlung in einer eigenen Fachseite mit Stand vom 3. November 2025, und der für diese Seite entscheidende Satz steht gleich am Anfang: Die kurzwellige IR-A-Strahlung erreicht die Unterhaut, im Auge die Netzhaut; IR-B und IR-C werden weitestgehend schon in der Oberhaut absorbiert. Das ist die physiologische Begründung für die gesamte Bandeinteilung. Nicht das Wort auf dem Karton entscheidet, wie tief die Strahlung eindringt, sondern die Wellenlänge — und die folgt aus der Temperatur des Heizelements.
Zum Auge wird die Behörde deutlich. Besondere Aufmerksamkeit verdiene der kurzwellige Anteil IR-A, heißt es dort; für diesen Bereich sei der vordere Teil des Auges durchlässig, sodass die Netzhaut erreicht werde und Netzhautschädigungen möglich seien. Bei chronischer Bestrahlung mit starken Infrarotquellen könne langfristig die Linse getrübt werden, wofür die Behörde den Glasbläserstar als Beispiel nennt. Die Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung ordnet denselben Befund in ihrer Stellungnahme zur fernen Infrarotstrahlung ein: Der industriell bekannte Wärmestar sei weitgehend die Folge von IR-A- und IR-B-Bestrahlung. Zum Band IR-C hält dieselbe Stellungnahme fest, dass der Beitrag dieses Bereichs bei allen bekannten Bogen- und Glühquellen normalerweise ohne praktische Bedeutung für die Gesundheit sei.
Zur Haut ist die Auskunft kürzer und ehrlicher, als man erwarten würde. Die Behörde nennt die Hitzemelanose, eine rötlich-braune netzartige Verfärbung nach regelmäßiger, langzeitiger Anwendung verschiedener Wärmequellen, ausdrücklich unter Nennung von Heizdecken, Heizkissen, beheizten Autositzen, Laptops und Infrarotlampen. Sie bezeichnet sie als seltene, für Einzelfälle berichtete Erscheinung und eher als kosmetisches Problem, hält aber fest, dass die Haut dadurch möglicherweise anfälliger für Hautkrebs werde und die Erscheinung deshalb vermieden werden sollte. Zu Kollagenabbau und beschleunigter Hautalterung schreibt sie, mehrere Untersuchungen schrieben der Infrarotstrahlung eine Beteiligung zu; zum Zusammenspiel mit UV-Strahlung ergebe sich bisher kein klares Bild.
Und jetzt der Teil, der auf keiner Verkaufsseite steht: Wo die Belege enden. Keine der genannten Stellen hat Terrassenheizstrahler untersucht. Es gibt zu dieser Warengruppe keine Messreihe, keine Risikogruppeneinstufung, keine Feldstudie und keinen Prüfbericht. Die Aussagen der Behörde gelten für Infrarotstrahlung allgemein und stammen aus Arbeitsumgebungen mit weit höheren Bestrahlungsstärken. Für die Haut gibt die Schutzkommission ausdrücklich keinen Grenzwert für Einwirkzeiten von mehr als zehn Sekunden an, weil das normale Ausweichverhalten die Dauer ohnehin begrenze. Damit ist die belastbare Aussage nicht, ein Terrassenstrahler sei gefährlich, und auch nicht, er sei unbedenklich. Sie lautet: Der Unterschied, auf den es ankäme, ist der zwischen IR-A und IR-C — und er wird in dieser Warengruppe nicht ausgewiesen.
Hundert Watt je Quadratmeter: die Zahl, gegen die geprüft würde
Es gibt für das Auge einen bezifferten Grenzwert, und er ist erstaunlich alt und erstaunlich konkret. Die Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung hat ihn 2013 in ihren Leitlinien zu inkohärenter sichtbarer und infraroter Strahlung neu veröffentlicht: Zur Vermeidung thermischer Schädigung der Hornhaut und möglicher Spätfolgen an der Linse soll die Bestrahlungsstärke im Bereich von 780 Nanometern bis 3 Mikrometern bei Einwirkzeiten ab 1000 Sekunden 100 Watt je Quadratmeter nicht überschreiten. Für kürzere Zeiten gilt eine mit der Zeit fallende Formel. Die Leitlinien unterscheiden ausdrücklich nicht zwischen beruflicher Exposition und der Allgemeinbevölkerung.
Tausend Sekunden sind sechzehn Minuten und vierzig Sekunden. Ein Terrassenabend dauert ein Vielfaches davon, weshalb für diese Nutzung der Dauerwert gilt und nicht die Kurzzeitformel. Wie lange ein solcher Abend tatsächlich dauert und was das an der Zähleruhr bedeutet, ist bei den Kilowattstunden je Wattstufe und Abend ausgerechnet; für die Frage nach dem Auge zählt nur, dass die Schwelle von tausend Sekunden bei dieser Nutzung immer überschritten wird.
Zwei Zusätze der Leitlinien passen bemerkenswert genau auf den Terrassenfall. Erstens dürfen die Langzeitgrenzwerte in kalter Umgebung angehoben werden, auf 400 Watt je Quadratmeter bei 0 Grad und rund 300 Watt je Quadratmeter bei 10 Grad, ohne dass die Linsentemperatur 37 Grad überschreitet. Die ältere Stellungnahme derselben Kommission nennt als Anlass dieser Ausnahme wörtlich Anwendungen, bei denen Infrarotquellen aus Komfortgründen zur Strahlungsheizung eingesetzt werden — also genau den hier behandelten Zweck. Zweitens gilt der Grenzwert für den gesamten Bereich bis 1 Millimeter, obwohl gemessen nur unterhalb von 3 Mikrometern wird. Die Begründung: Nichtlaserquellen strahlen oberhalb dieser Grenze nicht genug Leistung ab, um eine andere Gefährdung als Wärmebelastung zu verursachen.
Wie stark der Bandunterschied wirkt, rechnen die Leitlinien selbst an einem Beispiel vor. Für einen Wärmestrahler mit 1.000 Grad Oberflächentemperatur liege rund die Hälfte der gesamten Bestrahlungsstärke oberhalb von 3 Mikrometern; begrenzt man den Anteil darunter auf 100 Watt je Quadratmeter, ergibt sich eine zulässige Gesamtbestrahlungsstärke von etwa 200 Watt je Quadratmeter. Dieselbe Größenordnung nennt das Bundesamt für Strahlenschutz für die Glas-, Eisen- und Stahlindustrie, wo infolge hoher Prozesstemperaturen sehr hohe Bestrahlungsstärken von 200 Watt je Quadratmeter und mehr aufträten. Das ist der Rahmen, in dem sich diese Werte bewegen. Und die unangenehme Pointe ist dieselbe wie an jeder anderen Stelle dieses Unterclusters: Es gibt einen Grenzwert, es gibt eine Einheit, es gibt eine Einwirkzeit — und es gibt keinen einzigen Anbieter, der die Größe veröffentlicht, die man dagegenhalten müsste. Der Satz, ein bestimmtes Modell halte den Wert ein oder nicht, lässt sich damit von niemandem sagen, weder vom Käufer noch vom Verkäufer.
Dunkelstrahler heißt im Verordnungstext etwas anderes als im Angebotstext
Seit dem 1. Juli 2025 gilt die Verordnung (EU) 2024/1103 über Ökodesign-Anforderungen an Einzelraumheizgeräte, und sie enthält tatsächlich die Größe, die diesem Markt fehlt. Ihr Artikel 2 Nummer 53 definiert den Strahlungsfaktor als das in Prozent angegebene Verhältnis der Infrarot-Wärmeleistung des Einzelraumheizgerätes zur Gesamtenergiezufuhr. Aus diesem Faktor wird an anderer Stelle der Strahlungswirkungsgrad berechnet, der in die Effizienzformel eingeht. Genau diese Größe würde die Bauarten trennen, denn sie beziffert, welcher Anteil der aufgenommenen Leistung als gerichtete Strahlung austritt und welcher als warme Luft davonzieht.
Verlangt wird sie ausschließlich für gewerblich genutzte Einzelraumheizgeräte. So weit trifft die verbreitete Auskunft zu. Sie greift aber zu kurz, und das ist der wichtigste Fund dieses Abschnitts. Artikel 2 Nummer 4 bestimmt, dass ein gewerblich genutztes Einzelraumheizgerät ein Hellstrahler oder ein Dunkelstrahler ist. Nummer 5 und Nummer 6 definieren beide ausdrücklich als Einzelraumheizgerät für gasförmige oder flüssige Brennstoffe. Der Dunkelstrahler des Verordnungstextes ist ein brennstoffbetriebenes Rohr über Kopfhöhe, dessen Verbrennungsprodukte durch eine Abgasanlage abgeführt werden müssen. Ein elektrisches Gerät kann diese Definition gar nicht erfüllen.
Damit steht ein Wort für zwei völlig verschiedene Dinge. Im Angebotstext ist ein Dunkelstrahler ein Elektrogerät ohne sichtbares Licht. Im Verordnungstext ist ein Dunkelstrahler ein Gas- oder Ölstrahler mit Abgasanlage, wie er in Werkhallen hängt. Für die Frage nach dem Strahlungsfaktor folgt daraus mehr, als die verbreitete Auskunft nahelegt: Er wird für elektrische Heizstrahler nicht deshalb nicht verlangt, weil sie privat genutzt werden, sondern weil die gesamte Kategorie, für die er gefordert ist, per Definition brennstoffbetrieben ist. Auch ein elektrischer Strahler in der Außengastronomie fiele nicht darunter. Der Weg zu einer amtlich vergleichbaren Strahlungsangabe ist für Elektrostrahler nicht eng, sondern verschlossen — und wer sich für die Bauart eines Gasgerätes statt eines Elektrogerätes interessiert, findet die Abwägung zwischen beiden Energiearten am Beispiel des Vergleichs von Elektro- und Gasbetrieb im Außenbereich ausführlich behandelt.
Eine sprachliche Nachlässigkeit sei hier noch ausgeräumt, weil sie sich in Ratgebertexten hartnäckig hält: Die Verordnung definiert den Strahlungsfaktor als das Verhältnis, und den Strahlungswirkungsgrad als die daraus abgeleitete, aus Nenn- und Mindestwärmeleistung gewichtete Kennzahl. Wer beide Begriffe gleichsetzt, liegt inhaltlich nahe beieinander, zitiert aber nicht, was dort steht. Für die Bauartfrage ändert das nichts am Befund: Die einzige gesetzlich definierte Größe, die kurzwellige und langwellige Strahler trennen würde, existiert im Rechtstext und ist für Haushaltsgeräte nicht gefordert.
Drei Fragen, die diese Unterlagen offenlassen
Erstens: Welche Temperatur erreicht das Heizelement eines konkreten Terrassenstrahlers? Ohne diese Zahl ist die Bandzuordnung eine Schätzung, und geschätzt wird hier nicht. Die Rechnung, mit der aus der Temperatur die Wellenlänge folgt, ist einfach, exakt und in vier Zeilen erledigt. Sie scheitert nicht an der Mathematik, sondern daran, dass eine einzige Zahl fehlt, die jeder Hersteller kennt und keiner aufschreibt. Zwei Unternehmen dieser Recherche nennen Temperaturen — eines für Industriestrahler, eines als Farbtemperatur einer Röhre. Beide verkaufen ihre Terrassengeräte ohne diese Angabe.
Zweitens: In welche Risikogruppe nach EN 62471 fällt ein kurzwelliger Terrassenstrahler? Ein Hersteller wendet die Norm auf ein Modell an und veröffentlicht kein Ergebnis. Alle anderen wenden sie nicht an. Die Norm ist fachlich einschlägig, sie kennt vier Gruppen, und sie bewertet unter anderem ausdrücklich die Gefahr durch Infrarotstrahlung. Es gäbe also ein fertiges, international abgestimmtes Raster mit einem Ergebnis in einer Ziffer. Solange niemand die Ziffer nennt, bleibt die Frage nach der Augensicherheit dieser Geräte offen — und offen heißt hier weder beruhigend noch beunruhigend, sondern unbeantwortet.
Drittens: Welche Bestrahlungsstärke erreicht ein Gerät in welchem Abstand? Das ist die Größe, gegen die der Grenzwert von 100 Watt je Quadratmeter und seine Anhebung auf 300 bis 400 Watt je Quadratmeter in kalter Umgebung überhaupt erst prüfbar würden. Sie ist zugleich die Größe, die über die Wärme am Sitzplatz entscheidet, und sie fehlt an beiden Stellen aus demselben Grund. Ein Anbieter, der sie veröffentlichte, würde damit gleich zwei Fragen beantworten, die er heute unbeantwortet lässt.
Was von dieser Seite hängen bleiben soll, ist ein einziger Satz zum Merken: Nicht die Bauart entscheidet über die Strahlungsart, sondern die Temperatur. Wer wissen will, ob ein Gerät blendet, ob es sofort wärmt und ob seine Strahlung bis zur Netzhaut vordringt, braucht keine Handelsbezeichnung, sondern eine Zahl in Grad oder Kelvin. Oberhalb von rund 1.800 Grad ist ein Strahler ein IR-A-Strahler, unterhalb von 693 Grad ein IR-C-Strahler, dazwischen liegt IR-B. Wer diese beiden Schwellen kennt, kann jede künftige Handelsbezeichnung selbst einordnen — sobald ihm jemand die Temperatur verrät.

