Der Grund, selbst zu rechnen, steht im Vergleich: Die Stiftung Warentest hat im Vergleich von 22 Hunde-Nassfuttern die Fütterungsempfehlungen aller Produkte geprüft und kommt zu dem Ergebnis: Acht Empfehlungen sind mangelhaft. Das ist mehr als jedes dritte Produkt, und es betrifft nicht die Rezeptur, sondern genau die Zahl, nach der Halter ihre Portion abmessen. Die Tagesration für einen Hund mit 15 Kilogramm lag in demselben Test zwischen 83 Cent und 6,80 Euro.
Worum es hier geht: Diese Seite beantwortet die Frage, wie viel Futter ein Hund am Tag braucht, und sie beantwortet sie mit einer nachprüfbaren Rechnung statt mit einer Faustregel. Grundlage sind die FEDIAF Nutritional Guidelines in der Ausgabe September 2025, die am 23.08.2026 als PDF abgerufen und im Volltext ausgewertet wurden. Jeder Energiefaktor auf dieser Seite steht so in Tabelle VII-6, VII-7 oder VII-8b dieses Dokuments, jede abgeleitete Zahl ist mit den dort abgedruckten Gleichungen nachgerechnet und als Rechnung gekennzeichnet. Dazu kommen drei Veröffentlichungen der Stiftung Warentest und der Bundesverband für Tiergesundheit. Diese Seite verkauft nichts, empfiehlt kein Produkt und enthält keine Affiliate-Links. Sie ersetzt auch keine tierärztliche Beratung: Wachstum, Trächtigkeit, Säugezeit, Krankheit sowie Über- und Untergewicht gehören in die Tierarztpraxis und nicht in einen Rechner.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Formel lautet Körpergewicht hoch 0,75 mal Faktor. Für den durchschnittlichen erwachsenen Hund zwischen drei und sieben Jahren nennt Tabelle VII-6 der FEDIAF-Leitlinien 110 Kilokalorien je Einheit metabolischem Körpergewicht, für Hunde über sieben Jahren 95 und für Hunde zwischen einem und zwei Jahren 130.
- Der Bedarf steigt nicht proportional zum Gewicht. Ein Hund mit 40 Kilogramm braucht nicht das Vierfache eines Hundes mit 10 Kilogramm, sondern das rund 2,8-Fache. Wer linear rechnet, überfüttert große Hunde erheblich.
- Acht von 22 Fütterungsempfehlungen sind mangelhaft. Das ist der Befund der Stiftung Warentest im Vergleich der Hunde-Nassfutter. Im Vergleich naturbelassener Hundesnacks vom 28.01.2026 heißt es zusätzlich, Verbraucher könnten sich selten auf das verlassen, was auf der Packung steht, und nur ein Anbieter erfülle alle Vorgaben.
- Die Umrechnung in Gramm scheitert meist an einer fehlenden Zahl. In den 35 Angeboten, die auf den sieben Vergleichsseiten dieses Bereichs ausgezählt wurden, nennen genau 6 eine Energiedichte in Kilokalorien je 100 Gramm. In vier von sieben Warengruppen ist es null oder eines von fünf.
- Die Energiedichte lässt sich aus den Nährwerten schätzen. Kapitel 7.2.2.2 der FEDIAF-Leitlinien enthält eine vierstufige Gleichung, die aus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit die umsetzbare Energie berechnet. An einem Futter mit deklarierten 347 Kilokalorien je 100 Gramm liefert sie nachgerechnet 348.
- Gramm Nassfutter und Gramm Trockenfutter sind nicht dasselbe. Nassfutter enthält 78 bis 82 Prozent Wasser. In 100 Gramm Nassfutter stecken rund 18 Gramm Trockenmasse, in 100 Gramm Trockenfutter rund 90 Gramm. Wer die Grammzahl überträgt, verfüttert etwa das Vierfache.
- Leckerli zählen mit, höchstens 10 Prozent. Die Stiftung Warentest nennt diese Grenze als Faustformel aus der Tiermedizin und verlangt, die Snackkalorien vom Hauptfutter abzuziehen. Die FEDIAF-Leitlinien nennen dazu keine Prozentzahl.
- Die Faktoren können den Bedarf um 10 bis 60 Prozent überschätzen. Diese ungewöhnlich offene Angabe steht in der Leitlinie selbst. Sie ist der Grund, warum das Ergebnis ein Startwert ist und die Kontrolle über die Waage läuft.
- Welpen, trächtige und säugende Hündinnen rechnen anders. Für sie führt Tabelle VII-8b eigene Gleichungen. Ein Welpe mit 10 Kilogramm und 20 Kilogramm Endgewicht liegt bei rund 1.049 statt 619 Kilokalorien, also rund 70 Prozent darüber.
- Übergewicht gehört tierärztlich begleitet. Der Bundesverband für Tiergesundheit nennt rund 50 Prozent aller Hunde und Katzen als betroffen. Diese Seite nennt bewusst kein Kaloriendefizit und keinen Zeitplan zur Gewichtsabnahme.
Warum die Zahl auf der Packung nicht reicht
Auf jeder Packung Alleinfutter steht eine Fütterungsempfehlung. Sie ist vorgeschrieben, sie ist praktisch, und sie ist der Grund, warum die meisten Halter nie selbst rechnen. Der Anlass, es doch zu tun, kommt von der Stiftung Warentest. Im Vergleich von 22 Hunde-Nassfuttern wurden die Fütterungsempfehlungen aller Produkte geprüft. Das Ergebnis steht in einem einzigen Satz: Acht Empfehlungen sind mangelhaft. Nur ein einziges Futter erhielt im gleichen Test insgesamt das Urteil mangelhaft; die acht beziehen sich ausdrücklich auf die Mengenangabe. Anders gesagt: Die Rezeptur kann in Ordnung sein und die Anleitung, wie viel davon in den Napf soll, trotzdem nicht.
Wie groß der Hebel ist, zeigt derselbe Test an einer zweiten Zahl. Die Tagesration für einen mittelgroßen Hund mit 15 Kilogramm kostete zwischen 83 Cent und 6,80 Euro. Der Faktor acht zwischen dem billigsten und dem teuersten Napf entsteht nicht nur über den Kilopreis, sondern auch darüber, wie viel Futter die jeweilige Empfehlung überhaupt verlangt. Wer die Portion nach einer zu großzügigen Tabelle abmisst, zahlt doppelt: einmal an der Kasse und einmal am Hund. Die Zusammensetzung der einzelnen Produkte und ihre Feuchtegehalte stehen im Vergleich der Hunde-Nassfutter und im Vergleich der Hunde-Trockenfutter, jeweils an den Angaben der Anbieter ausgezählt.
Ein zweiter Befund derselben Quelle stützt das. Im Vergleich von 20 naturbelassenen Hundesnacks, veröffentlicht am 28.01.2026, lag das besondere Augenmerk ebenfalls auf den Fütterungsempfehlungen der Anbieter. Der Befund lautet: Verbraucher können sich selten auf das verlassen, was auf der Packung steht. Nur ein Anbieter erfüllt alle Vorgaben. Und im frei zugänglichen Ratgeber zum Hundefutter, Stand 28.01.2026, steht der Satz, auf den es ankommt: Die Anbieter geben auf den Produkten Mengen für Hunde verschiedener Gewichtsklassen an, und diese Angaben stimmen nicht immer.
Daraus folgt nicht, dass die Packungsangabe wertlos ist. Dieselbe Quelle rät ausdrücklich, sich anfangs dennoch an ihr zu orientieren und die Portion dann anzupassen. Sie ist ein Startpunkt. Aber ein Startpunkt, den man gegenrechnen kann, ist ein besserer Startpunkt. Genau dafür gibt es eine international abgestimmte Rechengrundlage, und sie ist frei zugänglich: die Nutritional Guidelines des europäischen Heimtierfutterverbandes FEDIAF. Diese Leitlinie ist dasselbe Dokument, nach dem die Hersteller ihre Rezepturen auslegen. Wer mit ihr rechnet, rechnet also nicht gegen die Branche, sondern mit ihrem eigenen Maßstab.
Die Formel: Körpergewicht hoch 0,75, nicht mal drei
Der Energiebedarf eines Hundes steigt nicht proportional mit seinem Gewicht. Die FEDIAF-Leitlinie formuliert das in Kapitel 7.2.3.1 unmissverständlich: Der Energiebedarf von Tieren mit stark unterschiedlichem Körpergewicht steht nicht in einem linearen Verhältnis zum Körpergewicht. Er hängt enger mit dem Körpergewicht zusammen, das mit einem Exponenten versehen ist. Für Hunde wird üblicherweise der Exponent 0,75 verwendet. Das Ergebnis von Körpergewicht hoch 0,75 heißt metabolisches Körpergewicht.
Was das praktisch bedeutet, wird an einem einzigen Vergleich deutlich. Ein Hund mit 10 Kilogramm hat ein metabolisches Körpergewicht von 5,62. Ein Hund mit 40 Kilogramm, also dem Vierfachen, kommt auf 15,91. Das ist nicht das Vierfache, sondern das 2,83-Fache. Wer die Ration eines Hundes mit 10 Kilogramm einfach vervierfacht, weil der andere Hund viermal so schwer ist, gibt dem großen Tier rund 41 Prozent zu viel. Der Fehler geht auch in die andere Richtung: Wer von einem großen Hund auf einen kleinen herunterrechnet, unterversorgt den kleinen.
Der biologische Hintergrund dahinter ist der Grundumsatz. Er hängt an der Wärmeabgabe und damit eher an der Körperoberfläche als an der Masse. Die Oberfläche wächst langsamer als das Volumen, und deshalb braucht ein großes Tier je Kilogramm weniger Energie als ein kleines. Die FEDIAF-Leitlinie erwähnt an derselben Stelle, dass die Eignung des Exponenten 0,75 für Hunde in Frage gestellt worden ist und dass 0,67 eine gültige Alternative wäre, weil dieser Wert enger mit der Körperoberfläche zusammenhängt. Sie bleibt trotzdem bei 0,75, weil das auch die Empfehlung des National Research Council ist. Diese Seite folgt der Leitlinie und rechnet mit 0,75.
Der Erhaltungsbedarf, um den es geht, ist in der Leitlinie sauber definiert: die Menge an Energie, die ein mäßig aktives erwachsenes Tier verbraucht. Sie setzt sich zusammen aus dem Grundumsatz plus dem Aufwand für die Aufnahme, die Verdauung und die Aufnahme der Nährstoffe in den Körper, in genau der Höhe, die zum Halten des Körpergewichts nötig ist. Enthalten ist außerdem die spontane, unvermeidliche Bewegung und, falls die kritische Temperatur unterschritten wird, die Energie zum Halten der Körpertemperatur. Nicht enthalten ist gezielte Arbeit, Sport, Wachstum, Trächtigkeit oder Säugezeit. Dafür gibt es eigene Werte.
Der zweite Teil der Formel ist der Faktor. Er ist keine feste Naturkonstante, sondern eine Bandbreite. Die Leitlinie selbst schreibt, dass die für den Erhaltungsbedarf erwachsener Hunde empfohlenen Energiemengen weit auseinandergehen, mit Werten von weniger als 90 bis etwa 200 Kilokalorien je Einheit metabolischem Körpergewicht. Diese Spanne ist der Grund, warum es Tabellen gibt und keine einzelne Zahl.
Welche Faktoren die FEDIAF-Leitlinien tatsächlich nennen
Die Leitlinie führt zwei Tabellen für erwachsene Hunde, und sie sind nicht redundant, sondern zwei Sichtweisen auf dasselbe Tier. Tabelle VII-6 staffelt nach Alter und lässt die Bewegung ausdrücklich außen vor. Tabelle VII-7 staffelt nach Bewegung und wird im Text als gute Alternative zu Tabelle VII-6 bezeichnet. Wer beide nebeneinanderlegt, sieht, dass die Zahlen ineinandergreifen: Der Altersfaktor 110 für den mittleren erwachsenen Hund ist derselbe Wert wie der Aktivitätsfaktor 110 für mäßige Bewegung mit geringer Belastung.
| Gruppe | Kilokalorien je kg hoch 0,75 | Fundstelle | Was dahintersteht |
|---|---|---|---|
| Erwachsen, 1 bis 2 Jahre | 130, Spanne 125 bis 140 | Tabelle VII-6, Erhaltungsbedarf nach Alter | Der höchste Erhaltungswert für einen ausgewachsenen Hund. Die Leitlinie begründet ihn damit, dass junge erwachsene Hunde aktiver sind und trotz ähnlichem Körpergewicht wie ältere Artgenossen derselben Rasse noch in der Entwicklung stehen können. Die Spanne ist mit 125 bis 140 die engste der drei Altersgruppen. |
| Erwachsen, 3 bis 7 Jahre | 110, Spanne 95 bis 130 | Tabelle VII-6, Erhaltungsbedarf nach Alter | Der Wert für den durchschnittlichen erwachsenen Hund und die am häufigsten verwendete Zahl überhaupt. Die Spanne von 95 bis 130 ist beachtlich: Zwischen dem unteren und dem oberen Rand liegen bei gleichem Hund rund 37 Prozent Unterschied in der Tagesration. |
| Älter als 7 Jahre | 95, Spanne 80 bis 120 | Tabelle VII-6, Erhaltungsbedarf nach Alter | Die einzige Stelle im gesamten Dokument, an der das Wort Senior überhaupt auftaucht. Der Text ergänzt, dass Hunde über sieben Jahren 10 bis 15 Prozent weniger Energie benötigen können als mit drei bis sieben Jahren, und weist zugleich darauf hin, dass sieben Jahre keine allgemeingültige Grenze sind, sondern der in der Literatur übliche Schnittpunkt. |
| Geringe Aktivität, unter 1 Stunde am Tag | 95 | Tabelle VII-7, Tagesbedarf nach Bewegung | Als Beispiel nennt die Leitlinie ausdrücklich das Gehen an der Leine. Damit fällt der typische Stadthund mit zwei kurzen Runden auf denselben Faktor wie ein Hund über sieben Jahren. |
| Mäßige Aktivität, 1 bis 3 Stunden, geringe Belastung | 110 | Tabelle VII-7, Tagesbedarf nach Bewegung | Deckungsgleich mit dem Altersfaktor für drei bis sieben Jahre. Wer beide Tabellen nebeneinanderlegt, sieht, dass die Leitlinie den mittleren erwachsenen Hund und den mäßig bewegten Hund mit derselben Zahl beschreibt. |
| Mäßige Aktivität, 1 bis 3 Stunden, hohe Belastung | 125 | Tabelle VII-7, Tagesbedarf nach Bewegung | Dieselbe Bewegungsdauer, aber fordernder. Der Unterschied zur ruhigen Bewegung beträgt 15 Kilokalorien je Einheit metabolischem Körpergewicht, bei einem Hund mit 25 Kilogramm also rund 168 Kilokalorien am Tag. |
| Hohe Aktivität, 3 bis 6 Stunden am Tag | 150 bis 175 | Tabelle VII-7, Tagesbedarf nach Bewegung | Als Beispiel steht in der Tabelle der arbeitende Hund, ausdrücklich der Hütehund. Das ist keine Kategorie für den ausgedehnten Wochenendspaziergang, sondern für tägliche Arbeitsleistung über Stunden. |
| Hohe Aktivität unter extremen Bedingungen | 860 bis 1.240 | Tabelle VII-7, Tagesbedarf nach Bewegung | Der Extremwert der Tabelle, hinterlegt mit Schlittenhunden im Rennen, die 168 Kilometer am Tag in extremer Kälte laufen. Er steht hier nur, um die Bandbreite zu zeigen: Der Faktor ist bis zu dreizehnmal so hoch wie der für den Hund auf dem Sofa. |
| Zu Übergewicht neigende erwachsene Hunde | höchstens 90 | Tabelle VII-7, Tagesbedarf nach Bewegung | Die einzige Zeile der Tabelle, die mit einer Obergrenze und nicht mit einem Mittelwert arbeitet. Sie ist keine Reduktionsdiät, sondern ein Erhaltungswert für Hunde, die bei den üblichen Faktoren zunehmen. |
| Deutsche Doggen | 200, Spanne 200 bis 250 | Tabelle VII-7, rassebedingte Unterschiede | Der einzige Rassewert der Tabelle, der klar über dem Durchschnitt liegt. Bei einer Dogge mit 60 Kilogramm bedeutet das rund 4.311 statt 2.371 Kilokalorien am Tag, also fast das Doppelte gegenüber dem Standardfaktor 110. |
| Neufundländer | 105, Spanne 80 bis 132 | Tabelle VII-7, rassebedingte Unterschiede | Der Gegenpol zur Dogge. Die Leitlinie führt beide Rassen als Beispiele dafür an, dass der Bedarf zwischen Rassen erheblich abweichen kann, schränkt aber ein, dass die Rassenunterschiede kleiner werden, sobald die Daten um das Alter bereinigt sind. |
| Einzeln gehaltener Hund mit wenig Bewegungsraum | bis herunter auf 70 | Kapitel 7.2.3.5, Haltung | Kein Tabellenwert, sondern eine Angabe im Fließtext der Leitlinie. Sie ist die niedrigste Zahl, die das Dokument für einen gesunden erwachsenen Hund nennt, und sie liegt 36 Prozent unter dem Standardfaktor 110. |
Zwei Dinge fallen an dieser Aufstellung auf. Erstens: Die Spannen sind breit. Für den mittleren erwachsenen Hund nennt die Leitlinie 110 als Mittelwert und 95 bis 130 als Spanne. Zwischen den beiden Rändern liegen rund 37 Prozent Unterschied bei ein und demselben Hund. Zweitens: Die Leitlinie sagt selbst, wie belastbar diese Werte sind. Im Text zu Tabelle VII-6 steht, die Werte seien lediglich Ausgangspunkte, und die Menge, die ein bestimmter Hund am Ende brauche, werde erheblich von weiteren Faktoren beeinflusst, nämlich von Bewegung, Umgebung, Rasse, Temperament, der Isolationswirkung von Haut und Fell, dem Körperzustand und von Erkrankungen.
Noch deutlicher wird Kapitel 7.2.3.1. Dort steht, dass Empfehlungen für den Erhaltungsbedarf den tatsächlichen Bedarf um 10 bis 60 Prozent überschätzen können. Die Begründung ist aufschlussreich: In die Faktoren sei häufig ein angemessenes Maß an Bewegung eingerechnet, während in einer zitierten Erhebung 19 Prozent der Halter nie mit ihrem Hund spielten und 22 Prozent ihn weniger als drei Stunden je Woche zur Bewegung nach draußen ließen. Die Leitlinie zieht daraus eine klare praktische Empfehlung, und sie ist der wichtigste Satz dieses Kapitels: Um Überfütterung und das Risiko von Übergewicht zu vermeiden, könne es besser sein, von einem niedriger berechneten Erhaltungsbedarf auszugehen und nach Bedarf zu erhöhen, bis das optimale Körpergewicht gehalten wird.
Drittens gibt es Korrekturposten, die in keiner der beiden Tabellen stehen, sondern im Fließtext. Wird ein Hund bei einer Temperatur gehalten, die unter oder über seiner thermoneutralen Zone liegt, steigt der Erhaltungsbedarf je Grad Celsius um 2 bis 5 Kilokalorien je Einheit metabolischem Körpergewicht. Draußen gehaltene Hunde können im Winter 10 bis 90 Prozent mehr Kalorien benötigen als im Sommer. Einzeln gehaltene Hunde mit wenig Bewegungsraum können mit 70 Kilokalorien auskommen, während in Gruppen gehaltene Hunde mit viel gegenseitiger Anregung auf über 144 kommen können. Und selbst die Körperhaltung schlägt durch: Stehen kostet 40 Prozent mehr Energie als Liegen.
Rechner: Kilokalorien und Gramm am Tag
Der folgende Rechner nimmt genau die Formel aus dem vorigen Abschnitt und nichts sonst: Körpergewicht hoch 0,75, multipliziert mit einem Faktor aus Tabelle VII-6 oder VII-7. Wenn Sie die Energiedichte Ihres Futters kennen, rechnet er zusätzlich in Gramm um. Er läuft vollständig in Ihrem Browser, speichert nichts und überträgt nichts.
Metabolisches Körpergewicht: 7.62
Erhaltungsbedarf: rund 838 Kilokalorien am Tag
Für die Grammzahl fehlt die Energiedichte des Futters. Ohne diese Zahl bleibt es bei den Kilokalorien.
Davon höchstens 84 Kilokalorien über Leckerli, und diese Menge geht vom Hauptfutter ab.
Gerechnet wird allein mit den Faktoren aus den Tabellen VII-6 und VII-7 der FEDIAF Nutritional Guidelines 2025, multipliziert mit dem Körpergewicht hoch 0,75. Die Zehn-Prozent-Grenze für Leckerli stammt nicht von FEDIAF, sondern von der Stiftung Warentest. Das Ergebnis ist ein Startwert für einen gesunden, ausgewachsenen Hund und keine Diätempfehlung. Es wird nichts gespeichert und nichts übertragen.
Zur Auswahl der Stufe: Die Zeile für hohe Aktivität ist in der Leitlinie mit 150 bis 175 angegeben, der Rechner nimmt mit 160 die Mitte dieser Spanne. Alle anderen Stufen entsprechen exakt einem Tabellenwert. Die Zeile für zu Übergewicht neigende Hunde ist in der Leitlinie als Obergrenze formuliert, also höchstens 90. Wer sich zwischen zwei Stufen nicht entscheiden kann, nimmt die niedrigere. Das entspricht der ausdrücklichen Empfehlung der Leitlinie, lieber von unten heranzugehen und bei Bedarf zu erhöhen.
Fünf Beispielhunde, komplett durchgerechnet
Die folgende Tabelle zeigt dieselbe Rechnung für fünf Gewichte. Die Spalte metabolisches Körpergewicht ist das Zwischenergebnis, also Kilogramm hoch 0,75. Die drei Kalorienspalten sind dieses Zwischenergebnis multipliziert mit 95, mit 110 und mit 130, also mit den drei Altersfaktoren aus Tabelle VII-6. Die letzte Spalte rechnet die mittlere Spalte in Gramm um, und zwar gegen 347 Kilokalorien je 100 Gramm. Das ist keine gegriffene Zahl, sondern die einzige Energiedichte, die im Trockenfutterfeld dieses Bereichs überhaupt von einem Hersteller beziffert wird.
| Hund | Metabolisches Körpergewicht | Wenig aktiv oder über 7 Jahre | Erwachsen, 3 bis 7 Jahre | Jung, 1 bis 2 Jahre | Mittlere Spalte in Gramm |
|---|---|---|---|---|---|
| 5 Kilogramm | 3,34 | 318 Kilokalorien | 368 Kilokalorien | 435 Kilokalorien | 106 Gramm |
| 10 Kilogramm | 5,62 | 534 Kilokalorien | 619 Kilokalorien | 731 Kilokalorien | 178 Gramm |
| 15 Kilogramm | 7,62 | 724 Kilokalorien | 838 Kilokalorien | 991 Kilokalorien | 241 Gramm |
| 25 Kilogramm | 11,18 | 1.062 Kilokalorien | 1.230 Kilokalorien | 1.453 Kilokalorien | 354 Gramm |
| 40 Kilogramm | 15,91 | 1.511 Kilokalorien | 1.750 Kilokalorien | 2.068 Kilokalorien | 504 Gramm |
An dieser Tabelle lässt sich der Effekt des Exponenten ablesen. Der Hund mit 40 Kilogramm ist achtmal so schwer wie der mit 5 Kilogramm, braucht aber nur das 4,76-Fache an Energie. Und der Unterschied zwischen der linken und der rechten Kalorienspalte, also zwischen einem ruhigen Senior und einem jungen erwachsenen Hund gleichen Gewichts, beträgt bei jedem Tier rund 37 Prozent. Beim Hund mit 25 Kilogramm sind das 391 Kilokalorien am Tag, was bei einem Trockenfutter mit 347 Kilokalorien je 100 Gramm rund 113 Gramm entspricht.
Ein Hinweis zur Genauigkeit: Alle Werte sind gerundet. Wer eine Zahl mit Nachkommastelle vor sich hat, sollte sich vom Anschein der Präzision nicht täuschen lassen. Die Leitlinie gibt für den mittleren Faktor eine Spanne von 95 bis 130 an. Der Wert 838 Kilokalorien für einen Hund mit 15 Kilogramm ist also in Wahrheit ein Korridor zwischen 724 und 991 Kilokalorien. Die Zahl aus der Formel ersetzt nicht die Kontrolle über die Waage, sie macht sie nur zielgerichteter.
Von Kilokalorien zu Gramm: die Zahl, die fast nie dasteht
Bis hierher ist die Rechnung sauber. Sie liefert einen Energiebedarf in Kilokalorien am Tag. Nur füllt niemand Kilokalorien in einen Napf. Für den Schritt von der Energie zur Menge fehlt eine einzige Zahl: die Energiedichte des Futters, also wie viele Kilokalorien in 100 Gramm stecken. Mit ihr ist die Umrechnung trivial. Ohne sie ist die ganze Rechnung wertlos.
Diese Zahl ist nicht vorgeschrieben. Anhang VII Kapitel II der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 verlangt für Alleinfutter für Hunde vier analytische Bestandteile, nämlich Rohprotein, Rohfaser, Rohöle und -fette sowie Rohasche. Der Energiewert taucht in der Verordnung nur mit dem Hinweis auf, dass er nach der vorgeschriebenen Methode zu bestimmen ist, falls er überhaupt angegeben wird. Ein Hersteller, der ihn weglässt, verstößt gegen nichts. Er lässt den Halter nur mit einer Rechnung stehen, die sich nicht abschließen lässt. Wie selten die Zahl in der Praxis auftaucht, zeigen die Auszählungen der sieben Vergleichsseiten dieses Bereichs, jeweils an den Angeboten selbst vorgenommen.
Trockenfutter für ausgewachsene Hunde
Eine Energiedichte in Kilokalorien je 100 Gramm nennt 1 von 5 Angeboten. Die analytischen Bestandteile stehen bei 2 von 5, eine Futtermenge nach Hundegewicht bei 1 von 5. Beides zusammen, also Energiedichte und Futtermenge, nennt kein einziges Angebot.
Nassfutter für ausgewachsene Hunde
Analytische Bestandteile, Feuchtegehalt und Energiegehalt stehen bei 2 von 5 Angeboten. Eine Fütterungsempfehlung mit Zahlen steht bei 1 von 5 im Angebot und bei 2 von 5 überhaupt irgendwo im Netz.
Welpenfutter
Eine Energiedichte nennen 2 von 5 Angeboten, einen Feuchtegehalt ebenfalls 2 von 5. Eine Fütterungsempfehlung nach Alter und erwartetem Endgewicht gibt genau 1 von 5.
Seniorenfutter
Eine Energiedichte nennt 0 von 5 Angeboten. Alle vier analytischen Pflichtwerte stehen bei 1 von 5, eine Futtermenge nach Hundegewicht bei 2 von 5.
Hypoallergenes Futter
Eine Energiedichte nennt 0 von 5 Angeboten. Analytische Bestandteile eindeutig zugeordnet stehen bei 1 von 5.
Getreidefreies Futter
Eine Energiedichte in Kilokalorien je 100 Gramm nennt 1 von 5 Angeboten, analytische Bestandteile 4 von 5, einen Feuchtegehalt 3 von 5 und eine Futtermenge nach Hundegewicht 2 von 5.
Hundesnacks und Kauartikel
Ein Kalorienwert steht in 0 von 5 Angeboten, eine Fütterungsempfehlung mit Menge ebenfalls in 0 von 5. Ausgerechnet bei der Produktgruppe, die als Zusatz zur Ration gedacht ist, fehlt die Zahl vollständig.
Zusammengezählt ergibt das ein sehr klares Bild: In 35 einzeln geprüften Angeboten steht die Energiedichte sechsmal. In den beiden Warengruppen, in denen die Rechnung am nötigsten wäre, weil dort mit Sonderbedarf geworben wird, steht sie kein einziges Mal. Nachlesen lassen sich die Einzelbefunde im Vergleich der Seniorenfutter und im Vergleich der hypoallergenen Futter, wo jeweils null von fünf Angeboten einen Energiewert nennen.
Für den Halter bleiben damit drei Wege. Erstens: nachsehen, ob die Zahl auf der Packung steht, auch wenn sie im Online-Angebot fehlt. Der Aufdruck ist häufig vollständiger als der Angebotstext. Zweitens: beim Hersteller nachfragen. Drittens: die Energiedichte aus den analytischen Bestandteilen selbst schätzen. Der dritte Weg klingt nach Aufwand, ist aber eine Rechnung von fünf Minuten, und die Gleichung dafür steht in derselben Leitlinie, aus der auch die Energiefaktoren stammen.
Die Energiedichte selbst schätzen: die Gleichung aus Kapitel 7.2.2.2
Die FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 enthalten in Kapitel 7.2.2.2 eine vierstufige Vorhersagegleichung, die den Gehalt an umsetzbarer Energie aus den analytischen Bestandteilen berechnet. Die Leitlinie führt sie auf den National Research Council zurück und schreibt, sie sei für Trockenfutter genauer als die verbreitete abgewandelte Atwater-Methode; bei Feuchtfutter lieferten beide Verfahren eine gleichermaßen mittlere Genauigkeit. Dieselben Vorhersagegleichungen liegen der europäischen Norm EN 16967 zugrunde, nach der die umsetzbare Energie in Heimtierfutter berechnet und deklariert wird.
Die vier Schritte im Wortlaut der Leitlinie
- Bruttoenergie berechnen. Kilokalorien Bruttoenergie gleich 5,7 mal Prozent Rohprotein, plus 9,4 mal Prozent Rohfett, plus 4,1 mal der Summe aus Prozent stickstofffreie Extraktstoffe und Prozent Rohfaser.
- Verdaulichkeit der Energie berechnen. Für Hunde: 91,2 minus 1,43 mal Prozent Rohfaser in der Trockenmasse. Für Katzen gilt eine andere Gleichung, sie ist hier nicht gemeint.
- Verdauliche Energie berechnen. Kilokalorien verdauliche Energie gleich Bruttoenergie mal Verdaulichkeit, geteilt durch 100.
- Umsetzbare Energie berechnen. Für Hunde: verdauliche Energie minus 1,04 mal Prozent Rohprotein.
Die stickstofffreien Extraktstoffe stehen auf keiner Packung. Sie sind der Rest: 100 minus Feuchtigkeit, minus Rohprotein, minus Rohfett, minus Rohfaser, minus Rohasche. Genau deshalb braucht die Gleichung alle fünf Werte. Fehlt einer, lässt sie sich nicht rechnen.
Das Verfahren ist überprüfbar, und diese Seite hat es überprüft. Als Testfall dient das einzige Futter im getreidefreien Feld dieses Bereichs, das sowohl vollständige analytische Bestandteile als auch eine eigene Energieangabe veröffentlicht: 23 Prozent Protein, 13 Prozent Fett, 4,5 Prozent Rohfaser, 7,9 Prozent Rohasche, 10 Prozent Feuchte, und dazu die Herstellerangabe von 347 Kilokalorien umsetzbarer Energie je 100 Gramm. Nachgerechnet ergibt das: stickstofffreie Extraktstoffe 41,6 Prozent, Bruttoenergie 442,3 Kilokalorien, Rohfaser in der Trockenmasse 5,0 Prozent, Verdaulichkeit 84,05 Prozent, verdauliche Energie 371,8 Kilokalorien, umsetzbare Energie 347,8 Kilokalorien je 100 Gramm. Die Abweichung zur Herstellerangabe beträgt 0,8 Kilokalorien, also 0,2 Prozent. Die weiteren Zutatenangaben dieses Futters stehen im Vergleich der getreidefreien Hundefutter.
Damit ist die Gleichung für den Alltag brauchbar. Ein zweites Beispiel zeigt, was sie leistet, wenn der Hersteller schweigt. Ein Trockenfutter mit 23,5 Prozent Protein, 12,5 Prozent Fett, 3,5 Prozent Rohfaser, 7,0 Prozent Rohasche und 10,0 Prozent Feuchtigkeit nennt keine Energiedichte. Nachgerechnet kommt es auf 43,5 Prozent stickstofffreie Extraktstoffe, 444,2 Kilokalorien Bruttoenergie, 3,89 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse, 85,64 Prozent Verdaulichkeit und damit auf rund 356 Kilokalorien je 100 Gramm. Für einen Hund mit 15 Kilogramm und 838 Kilokalorien Bedarf sind das rund 235 Gramm am Tag. Diese Zahl ist eine Schätzung und keine Herstellerangabe, und so sollte sie auch behandelt werden.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und die erste stammt aus der Leitlinie selbst. Bei Hundefuttern mit mehr als 8 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse und einem hohen Anteil fermentierbarer Faserbestandteile kann die Gleichung die Energiedichte unterschätzen. Die zweite ist praktischer Natur: Deklarierte Nährwerte sind Richtwerte innerhalb zulässiger Toleranzen und keine Analysenwerte der konkreten Charge. Wer mit ihnen rechnet, rechnet mit dem Etikett und nicht mit dem Sackinhalt. Die Leitlinie hält denn auch fest, dass Fütterungsversuche der Goldstandard für die Bestimmung des Energiegehalts sind und Vorhersagegleichungen nur deshalb so verbreitet, weil Tierversuche aufwendig sind.
Der Feuchtegehalt: warum Gramm nicht gleich Gramm ist
Der teuerste Rechenfehler in der Hundefütterung passiert beim Wechsel der Futterart. Er besteht darin, eine Grammzahl zu übernehmen. Nassfutter und Trockenfutter unterscheiden sich vor allem in einem Punkt, und der ist Wasser. In den fünf Nassfuttern, die im Vergleich dieses Bereichs ausgezählt wurden, liegen die Feuchtegehalte zwischen 78 und 82 Prozent. Von 26,82 Kilogramm Nettofüllmenge in den fünf Gebinden sind 21,45 Kilogramm Wasser. Trockenfutter liegt typischerweise bei rund 10 Prozent.
Rechnet man das auf die Trockenmasse um, wird der Unterschied greifbar. In 100 Gramm Nassfutter mit 82 Prozent Feuchte stecken 18 Gramm Trockenmasse. In 100 Gramm Trockenfutter mit 10 Prozent Feuchte stecken 90 Gramm. Das ist exakt das Fünffache. Auf die Energie umgerechnet fällt der Faktor ähnlich aus: Die Energiegehalte der fünf Nassfutter reichen von 76,4 bis 119,5 Kilokalorien je 100 Gramm, das Trockenfutter mit der einzigen bezifferten Energiedichte liegt bei 347. Zwischen 85 und 347 Kilokalorien liegt der Faktor 4,1. Was die einzelnen Produkte im Detail angeben und was ihre Feuchtegehalte für den Preis je Kilokalorie bedeuten, steht im Nassfutter-Vergleich dieses Bereichs.
In der Praxis bedeutet das Folgendes. Ein Hund mit 15 Kilogramm und 838 Kilokalorien Bedarf braucht rund 986 Gramm Nassfutter mit 85 Kilokalorien je 100 Gramm. Derselbe Hund braucht rund 241 Gramm Trockenfutter mit 347 Kilokalorien je 100 Gramm. Wer die 986 Gramm auf Trockenfutter überträgt, weil der Napf gewohnt voll aussehen soll, gibt dem Hund rund 3.421 Kilokalorien statt 838. Das ist das Vierfache des Tagesbedarfs, und es passiert nicht in einem Monat, sondern an einem einzigen Tag. Umgekehrt bekommt ein Hund, dem 241 Gramm Nassfutter vorgesetzt werden, rund 205 Kilokalorien und damit ein Viertel dessen, was er braucht.
Deshalb ist die Regel einfach und ausnahmslos: Beim Wechsel der Futterart wird nicht die Grammzahl übertragen, sondern der Kalorienbedarf neu in Gramm umgerechnet. Die Stiftung Warentest formuliert dieselbe Warnung von der anderen Seite her. In ihrem Ratgeber steht, wer ein Futter neu einführt, solle den Feuchtigkeits- und Fettgehalt mit dem des alten Futters vergleichen; seien sie in etwa gleich, könne dieselbe Menge wie vorher verfüttert werden, sei das neue Futter deutlich fetter, reiche weniger. Auch der Übergang selbst gehört langsam: Von einem Trockenfutter auf ein anderes wird für einige Tage halb und halb gemischt, beim Wechsel auf Feuchtfutter zunächst ein Drittel untergemischt und dann gesteigert.
Ein Randfall, der in derselben Falle steckt: das gemischte Füttern aus Nass und Trocken am selben Tag. Solange beide Anteile über ihre jeweilige Energiedichte in Kilokalorien umgerechnet und dann addiert werden, ist daran nichts falsch. Sobald aber halbe Packungsempfehlungen addiert werden, weil beide Hersteller ihre Menge für einen ganzen Tag angeben, liegt das Ergebnis irgendwo zwischen deutlich zu wenig und deutlich zu viel. Der einzige gemeinsame Nenner beider Futterarten ist die Kilokalorie.
Leckerli anrechnen: die Zehn-Prozent-Grenze und woher sie stammt
Eine Ration, die auf die Kilokalorie stimmt, wird im Alltag routinemäßig unterlaufen. Nicht durch das Hauptfutter, sondern durch alles andere: Trainingsleckerli, Kauartikel, das Stück Leberwurst zur Tablette, den Rest vom Tisch. Die Stiftung Warentest formuliert die Regel dazu in ihrem Ratgeber zum Hundefutter, Stand 28.01.2026, als Faustformel aus der Tiermedizin: Nur höchstens 10 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs mit Leckerli decken. Und sie zieht die Konsequenz, die meistens vergessen wird: Bei 10 Prozent Extrakalorien in Form von Snacks muss das Hauptfutter um 10 Prozent reduziert werden.
Diese Zuschreibung ist wichtig, weil die Zahl oft der falschen Quelle zugeordnet wird. Die FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 nennen keine Prozentgrenze für Snacks. Was dort steht, ist eine Einordnung: Leckerli und Snacks würden üblicherweise gegeben, um die Bindung zwischen Mensch und Tier zu stärken und als Belohnung im Training, und sie seien nicht dazu gedacht, den Hund zu überfüttern. Kauartikel führt die Leitlinie in einer eigenen Gruppe, nämlich als Erzeugnisse, die nicht zur Nährstoffversorgung der Tagesration beitragen sollen, sondern den Hund beschäftigen. Für diese Gruppe hält sie ausdrücklich fest, dass kein Verfahren zur Prüfung der Nährstoffeignung nötig ist. Eine Zahl steht nirgends. Die 10 Prozent stammen von der Stiftung Warentest, nicht von FEDIAF.
In Kilokalorien wird die Regel handlich. Ein Hund mit 5 Kilogramm hat bei Faktor 110 einen Bedarf von 368 Kilokalorien, davon sind 10 Prozent rund 37 Kilokalorien. Bei 10 Kilogramm sind es 62, bei 15 Kilogramm 84, bei 25 Kilogramm 123 und bei 40 Kilogramm 175 Kilokalorien. Das klingt nach wenig, und es ist auch wenig. Genau deshalb weist die Stiftung Warentest darauf hin, dass viele naturbelassene Snacks für kleine und mittlere Hunde schlicht zu groß sind und vor dem Füttern gedrittelt oder geviertelt werden müssen. Und sie nennt eine Zahl, die selten irgendwo steht: Naturbelassene Snacks enthalten bei gleichem Gewicht im Schnitt rund 40 Prozent mehr Kalorien als verarbeitete Snacks.
Der praktische Haken ist derselbe wie beim Hauptfutter, nur schlimmer. Um 10 Prozent einzuhalten, braucht man den Kalorienwert des Snacks, und der steht fast nie auf der Packung. Im Kauartikelfeld dieses Bereichs nennt ihn kein einziges von fünf Angeboten, und eine Fütterungsempfehlung mit Menge ebenfalls nicht. Welche Angaben dort stattdessen stehen und welche Hygieneregeln bei Kauartikeln aus rohen tierischen Erzeugnissen gelten, steht im Vergleich der Hundesnacks und Kauartikel. Wer keinen Kalorienwert findet, kann ihn mit derselben Gleichung aus Kapitel 7.2.2.2 schätzen, sofern alle fünf Nährwerte deklariert sind.
Wann diese Rechnung nicht trägt
Alles bisher Gesagte gilt für einen gesunden, ausgewachsenen, normalgewichtigen Hund. Für vier Gruppen gilt es nicht, und in drei davon gehört die Fütterung in tierärztliche Hände. Die FEDIAF-Leitlinie zieht diese Grenze selbst, indem sie für Wachstum und Reproduktion eigene Gleichungen führt und den Erhaltungsbedarf ausdrücklich als Bedarf eines mäßig aktiven erwachsenen Tieres definiert.
Welpen im Wachstum
Für Welpen von der achten Lebenswoche bis zum ersten Geburtstag nennt Tabelle VII-8b eine eigene Gleichung: 254,1 minus 135,0 mal dem Verhältnis aus aktuellem Körpergewicht und erwartetem Endgewicht, multipliziert mit dem aktuellen Körpergewicht hoch 0,75. Für neugeborene Welpen gilt eine ganz andere Formel, nämlich 25 mal dem Körpergewicht in Gramm geteilt durch 100. Ein Welpe mit 10 Kilogramm, der ausgewachsen 20 Kilogramm wiegen wird, kommt auf rund 1.049 Kilokalorien am Tag, ein gleich schwerer erwachsener Hund auf 619. Der Aufschlag beträgt rund 70 Prozent, und er sinkt mit jedem Kilogramm, das der Welpe zulegt. Genau deshalb ist die Wachstumsfütterung keine feste Zahl, sondern eine bewegliche. Die Leitlinie warnt ausdrücklich: Überfütterung von Welpen führt zu beschleunigtem Wachstum, das Skelettschäden nach sich ziehen kann, besonders bei großen und sehr großen Rassen, und Welpen sollten niemals zur freien Aufnahme gefüttert werden. Sie ergänzt, dass Welpen mit hoher Energieaufnahme nicht zwangsläufig einen erhöhten Körperzustandswert zeigen, das Problem also nicht unbedingt sichtbar ist. Welche Angaben Welpenfutter im Handel überhaupt macht, ist im Vergleich der Welpenfutter ausgezählt; eine Fütterungsempfehlung nach Alter und erwartetem Endgewicht gibt dort genau eines von fünf Angeboten. Das regelmäßige Wiegen und die Abstimmung mit der Tierarztpraxis empfiehlt die Leitlinie an derselben Stelle. Welche Futterarten es überhaupt gibt, sortiert die Übersicht aller Futterarten .
Trächtige und säugende Hündinnen
Auch hier führt Tabelle VII-8b eigene Gleichungen, und sie liegen deutlich über dem Erhaltungsbedarf. In den ersten vier Wochen der Trächtigkeit rechnet die Leitlinie mit 132 mal Körpergewicht hoch 0,75, in den letzten fünf Wochen kommt ein Zuschlag von 26 mal Körpergewicht hinzu. Für die Säugezeit hängt der Bedarf von der Zahl der Welpen und von der Woche ab: Bei einem bis vier Welpen gilt 145 mal Körpergewicht hoch 0,75 plus 24 mal Welpenzahl mal Körpergewicht mal einem Wochenfaktor, der von 0,75 in der ersten auf 1,2 in der vierten Säugewoche steigt. Bei fünf bis acht Welpen wächst der mittlere Term noch einmal erheblich. Die Leitlinie hält fest, dass bei einzelnen Hündinnen sogar die freie Aufnahme nötig sein kann, um einen erheblichen Gewichtsverlust während der Säugezeit zu vermeiden. Diese Lebensphase gehört in tierärztliche Begleitung.
Kranke Hunde
Die Leitlinie nennt Erkrankungen ausdrücklich als einen der Faktoren, die den Bedarf erheblich beeinflussen, und sie tut das ohne jede Zahl. Das ist konsequent, denn ein Diätfuttermittel für einen besonderen Ernährungszweck ist rechtlich eine eigene Kategorie und gehört in die Tierarztpraxis. Dasselbe gilt für jede Fütterung, die eine Behandlung begleitet. Wer für seinen Hund eine Ration im Rahmen einer Erkrankung braucht, bekommt sie dort und nicht aus einer Formel. Diese Seite gibt dazu bewusst keine Zahlen.
Über- und Untergewicht
Der Bundesverband für Tiergesundheit ordnet das Ausmaß ein: Untersuchungen zufolge sind rund 50 Prozent aller Hunde und Katzen von Übergewicht betroffen, Tendenz steigend. Derselbe Verband führt eine Erhebung aus dem August 2022 an, nach der 87 Prozent der Hundehalter ihr Tier für normalgewichtig halten und nur acht Prozent für zu dick. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt das eigentliche Problem: Die Wahrnehmung deckt sich nicht mit dem Befund. Was diese Seite dazu beitragen kann, ist ein Erhaltungswert und keine Diät. Für zu Übergewicht neigende erwachsene Hunde nennt Tabelle VII-7 höchstens 90 Kilokalorien je Einheit metabolischem Körpergewicht. Das ist die Menge, mit der ein solcher Hund sein Gewicht halten soll, und ausdrücklich keine Abnehmration. Eine Gewichtsreduktion muss sicherstellen, dass der Hund trotz kleinerer Menge alle notwendigen Nährstoffe bekommt, und genau das ist der Grund, warum die Stiftung Warentest empfiehlt, mit einem übergewichtigen Hund in die Tierarztpraxis zu gehen und nach einer tierärztlichen Reduktionsdiät zu fragen. Diese Seite nennt deshalb weder ein Kaloriendefizit noch einen Zeitplan. Für Untergewicht gilt dasselbe in die andere Richtung: Ein Hund, der bei bedarfsgerechter Menge abnimmt, gehört untersucht und nicht einfach höher gefüttert.
Kontrolle schlägt Formel
Für alle Gruppen gilt derselbe Satz aus der Leitlinie: Da der Energiebedarf eines einzelnen Tieres vom Durchschnitt der Tabellen abweichen kann, sollten diese Empfehlungen nur als Ausgangspunkte verwendet werden, und der Halter muss die Menge anpassen, sobald das Tier zu- oder abnimmt. Als Zielgröße nennt die Leitlinie einen Körperzustandswert zwischen 4 und 5 auf der neunstufigen Skala und beruft sich dabei auf eine Langzeituntersuchung aus dem Jahr 2002. Die Stiftung Warentest beschreibt denselben Wert als neunstufige Skala, mit der Tierärzte weltweit arbeiten und die sich an der Ausprägung der Taille, des Bauches und daran orientiert, wie gut die Rippen unter dem Fell zu ertasten sind. Ihre praktische Empfehlung dazu ist so einfach wie wirksam: den Hund regelmäßig wiegen, und wenn er nicht allein auf der Waage bleibt, sich selbst mitwiegen und das eigene Gewicht abziehen. Wer die Zahl aus dem Rechner mit dieser Kontrolle verbindet, hat mehr als eine Faustregel: eine Rechnung mit Rückkopplung.
Was dieser Ratgeber nicht beantwortet
- Wie viel ein bestimmter Hund tatsächlich braucht. Die Leitlinie selbst schreibt, dass es unmöglich ist, eine einzige Gleichung anzugeben, die den Energiebedarf jedes einzelnen Tieres ausdrückt, und dass die Tabellenwerte nur Ausgangspunkte sind. Jede Zahl auf dieser Seite ist ein Startwert und kein Sollwert.
- Wie stark die Faktoren im Alltag danebenliegen. Die Leitlinie nennt dazu eine ungewöhnlich offene Zahl: Empfehlungen für den Erhaltungsbedarf können den tatsächlichen Bedarf um 10 bis 60 Prozent überschätzen. Als Grund führt sie an, dass in die Faktoren meist ein gewisses Maß an Bewegung eingerechnet ist, während in einer zitierten Erhebung 19 Prozent der Halter nie mit ihrem Hund spielen und 22 Prozent ihn weniger als drei Stunden je Woche zur Bewegung nach draußen lassen.
- Welcher Wert für eine bestimmte Rasse gilt. Die Leitlinie nennt nur zwei Rassen mit eigenen Zahlen, die Deutsche Dogge und den Neufundländer, und ergänzt, dass Rassenunterschiede weniger wichtig werden, sobald die Daten um das Alter bereinigt sind. Für alle anderen Rassen gibt es keinen eigenen Faktor.
- Ob hoch 0,75 der richtige Exponent ist. Die Leitlinie schreibt selbst, die Genauigkeit dieses Exponenten für Hunde sei in Frage gestellt worden und hoch 0,67 sei eine gültige Alternative, die enger mit der Körperoberfläche zusammenhängt. Sie bleibt trotzdem bei hoch 0,75, weil das auch die Empfehlung des National Research Council ist. Wer mit hoch 0,67 rechnet, bekommt bei großen Hunden deutlich niedrigere Werte.
- Wie viele Leckerli ein bestimmter Snack ausmacht. Die Stiftung Warentest nennt die Grenze von 10 Prozent, schränkt aber selbst ein, dass die Stückzahl je nach Rasse, Energiedichte und Größe der Snacks sehr unterschiedlich ausfällt. Ohne Kalorienangabe auf der Snackpackung lässt sich die Stückzahl nicht bestimmen, und diese Angabe fehlt im Kauartikelfeld dieses Clusters vollständig.
- Wie verbreitet Übergewicht bei Hunden in Deutschland genau ist. Der Bundesverband für Tiergesundheit nennt rund 50 Prozent aller Hunde und Katzen, die Stiftung Warentest verweist auf Studien mit bis zu 60 Prozent der Hunde in Deutschland. Beide Angaben stehen ohne verlinkte Primärstudie da. Die in Ratgebern kursierende Zahl von 52 Prozent mit Zuschreibung an eine bestimmte deutsche Hochschule ließ sich am Datenstand auf keine Originalveröffentlichung zurückführen und wird hier deshalb nicht verwendet.
- Welche Faktoren die deutschsprachige Standardliteratur nennt. In deutschen Ratgebern kursieren Aktivitätsfaktoren, die auf das Lehrbuch Ernährung des Hundes von Meyer und Zentek zurückgeführt werden. Diese Faktoren ließen sich am Datenstand nur über Sekundärquellen belegen, nicht an der Originalveröffentlichung. Sie stehen deshalb nicht in den Tabellen dieser Seite. Die FEDIAF-Leitlinie zitiert dieselben Autoren zwar an mehreren Stellen, aber für Aussagen zum Verhalten und zur Wärmeregulierung, nicht für einen Faktorensatz.
Häufige Fragen zur Futtermenge beim Hund
Wie berechne ich die Futtermenge für meinen Hund?
In zwei Schritten. Erster Schritt: der Energiebedarf. Er ergibt sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm hoch 0,75, multipliziert mit einem Faktor aus den FEDIAF Nutritional Guidelines 2025. Für den durchschnittlichen erwachsenen Hund zwischen drei und sieben Jahren nennt Tabelle VII-6 den Faktor 110 Kilokalorien, für Hunde über sieben Jahren 95 und für Hunde zwischen einem und zwei Jahren 130. Ein Hund mit 15 Kilogramm kommt damit auf 15 hoch 0,75 gleich 7,62, mal 110 gleich rund 838 Kilokalorien am Tag. Zweiter Schritt: die Umrechnung in Gramm. Dafür brauchen Sie die Energiedichte des Futters in Kilokalorien je 100 Gramm. Bei einem Trockenfutter mit 347 Kilokalorien je 100 Gramm sind das 838 geteilt durch 347 mal 100, also rund 241 Gramm. Bei einem Nassfutter mit 85 Kilokalorien je 100 Gramm sind es dagegen rund 986 Gramm. Der Haken liegt im zweiten Schritt: Die Energiedichte steht nur selten auf der Packung oder im Angebot.
Warum wird das Körpergewicht hoch 0,75 genommen und nicht einfach mal einem festen Wert?
Weil der Energiebedarf nicht proportional zum Gewicht steigt. Die FEDIAF-Leitlinie formuliert das ausdrücklich: Der Energiebedarf von Tieren mit stark unterschiedlichem Körpergewicht steht nicht in einem linearen Verhältnis zum Körpergewicht, sondern hängt enger mit dem Körpergewicht zusammen, das mit einem Exponenten versehen ist. Praktisch heißt das: Ein Hund mit 40 Kilogramm braucht nicht das Vierfache eines Hundes mit 10 Kilogramm, sondern das rund 2,8-Fache. In Zahlen: 10 hoch 0,75 ergibt 5,62, 40 hoch 0,75 ergibt 15,91, und 15,91 geteilt durch 5,62 ist 2,83. Wer linear rechnet, überfüttert große Hunde massiv und unterfüttert kleine. Der Fachbegriff für das Ergebnis von Körpergewicht hoch 0,75 lautet metabolisches Körpergewicht. Die Leitlinie merkt selbst an, dass die Eignung dieses Exponenten für Hunde in Frage gestellt wurde und hoch 0,67 eine gültige Alternative wäre, bleibt aber bei hoch 0,75.
Wie viel Gramm Trockenfutter braucht ein Hund mit 15 Kilogramm am Tag?
Diese Frage lässt sich ohne die Energiedichte des konkreten Futters nicht beantworten, und genau das ist der Kern des Problems. Der Bedarf liegt für einen normal bewegten erwachsenen Hund mit 15 Kilogramm bei rund 838 Kilokalorien am Tag. Wie viele Gramm das sind, hängt vollständig vom Futter ab. Bei 347 Kilokalorien je 100 Gramm sind es 241 Gramm, bei 380 Kilokalorien je 100 Gramm nur noch 221 Gramm. Das sind 20 Gramm Unterschied am Tag und rund 7,3 Kilogramm im Jahr, allein weil zwei Trockenfutter unterschiedlich dicht sind. Wer die Energiedichte seines Futters nicht kennt, kann sie aus den analytischen Bestandteilen schätzen; die dafür nötige Gleichung steht in Kapitel 7.2.2.2 der FEDIAF-Leitlinien und ist auf dieser Seite vorgerechnet.
Kann ich die Grammzahl vom Nassfutter einfach auf Trockenfutter übertragen?
Nein, und dieser Fehler ist der folgenschwerste in der ganzen Fütterungspraxis. Nassfutter besteht überwiegend aus Wasser. In den fünf Nassfuttern, die im Vergleich dieses Clusters ausgewertet wurden, sind von 26,82 Kilogramm Nettofüllmenge 21,45 Kilogramm Wasser, die Feuchtegehalte liegen zwischen 78 und 82 Prozent. Trockenfutter liegt typischerweise bei 10 Prozent Feuchte. In 100 Gramm Nassfutter mit 82 Prozent Feuchte stecken also 18 Gramm Trockenmasse, in 100 Gramm Trockenfutter dagegen 90 Gramm, das Fünffache. Auf die Energie umgerechnet ist der Unterschied ähnlich groß: Die Energiegehalte der fünf Nassfutter reichen von 76,4 bis 119,5 Kilokalorien je 100 Gramm, das Trockenfutter mit der einzigen bezifferten Energiedichte im Cluster liegt bei 347. Wer einem Hund die 986 Gramm, die er als Nassfutter braucht, als Trockenfutter gibt, verfüttert rund das Vierfache des Bedarfs. Umgekehrt hungert der Hund.
Wie rechne ich die Energiedichte selbst aus, wenn der Hersteller keine angibt?
Mit der Vorhersagegleichung, die in Kapitel 7.2.2.2 der FEDIAF Nutritional Guidelines 2025 abgedruckt ist und dort auf den National Research Council zurückgeführt wird. Sie hat vier Schritte. Erstens die Bruttoenergie: 5,7 mal Prozent Rohprotein plus 9,4 mal Prozent Rohfett plus 4,1 mal die Summe aus stickstofffreien Extraktstoffen und Rohfaser. Die stickstofffreien Extraktstoffe sind 100 minus Feuchtigkeit, Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche. Zweitens die Verdaulichkeit der Energie beim Hund: 91,2 minus 1,43 mal Prozent Rohfaser in der Trockenmasse. Drittens die verdauliche Energie: Bruttoenergie mal Verdaulichkeit geteilt durch 100. Viertens die umsetzbare Energie: verdauliche Energie minus 1,04 mal Prozent Rohprotein. Die Leitlinie weist selbst darauf hin, dass die Gleichung bei Hundefuttern mit mehr als 8 Prozent Rohfaser in der Trockenmasse und einem hohen Anteil fermentierbarer Faserbestandteile die Energiedichte unterschätzen kann.
Wie viele Leckerli darf mein Hund am Tag bekommen?
Die Stiftung Warentest nennt in ihrem Ratgeber zum Hundefutter, Stand 28.01.2026, eine Faustformel aus der Tiermedizin: höchstens 10 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs über Leckerli. Und sie zieht die einzig richtige Konsequenz daraus: Alle Leckerli, die gefüttert werden, sollten von der Ration des sonstigen Futters abgezogen werden. Bei 10 Prozent Extrakalorien in Form von Snacks muss das Hauptfutter also um 10 Prozent reduziert werden. In Zahlen bedeutet das für einen Hund mit 15 Kilogramm und 838 Kilokalorien Bedarf: höchstens 84 Kilokalorien über Snacks, und die 838 Kilokalorien Hauptfutter werden auf 754 gekürzt. Wichtig ist die Zuordnung dieser Zahl: Die FEDIAF-Leitlinien nennen keine Prozentgrenze für Snacks. Sie ordnen Kauartikel lediglich als Erzeugnisse ein, die den Hund beschäftigen sollen und nicht zur Nährstoffversorgung der Tagesration beitragen, und schreiben zu Leckerli, dass sie nicht zur Überfütterung gedacht sind.
Gilt diese Rechnung auch für Welpen?
Nein. Für Welpen gibt es eine eigene Gleichung, und sie liefert deutlich höhere Werte. Tabelle VII-8b der FEDIAF-Leitlinien nennt für Welpen von der achten Lebenswoche bis zum ersten Geburtstag: 254,1 minus 135,0 mal dem Verhältnis aus aktuellem Körpergewicht und erwartetem Endgewicht, das Ganze mal aktuelles Körpergewicht hoch 0,75. Ein Welpe mit 10 Kilogramm, der ausgewachsen 20 Kilogramm wiegen wird, kommt damit auf rund 1.049 Kilokalorien am Tag. Ein erwachsener Hund mit denselben 10 Kilogramm liegt bei 619. Das ist ein Aufschlag von rund 70 Prozent. Der Bedarf sinkt außerdem laufend, weil das Verhältnis aus aktuellem und erwartetem Gewicht mit jeder Woche steigt. Die Leitlinie schreibt ausdrücklich, dass Welpen niemals zur freien Aufnahme gefüttert werden sollten, weil Überfütterung zu beschleunigtem Wachstum und zu Skelettschäden führen kann, besonders bei großen und sehr großen Rassen. Wachstumsfütterung gehört deshalb in die Abstimmung mit der Tierarztpraxis.
Und bei einer tragenden oder säugenden Hündin?
Auch dafür führt Tabelle VII-8b eigene Gleichungen, und die Werte liegen weit über dem Erhaltungsbedarf. In den ersten vier Wochen der Trächtigkeit rechnet die Leitlinie mit 132 mal Körpergewicht hoch 0,75, in den letzten fünf Wochen mit 132 mal Körpergewicht hoch 0,75 plus 26 mal Körpergewicht. Für die Säugezeit hängt der Bedarf von der Wurfgröße ab: bei einem bis vier Welpen 145 mal Körpergewicht hoch 0,75 plus 24 mal Welpenzahl mal Körpergewicht mal einem Wochenfaktor, der von 0,75 in der ersten Säugewoche auf 1,2 in der vierten steigt. Bei fünf bis acht Welpen wird der mittlere Term noch einmal deutlich größer. Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass bei manchen Hündinnen sogar die freie Aufnahme nötig sein kann, um einen erheblichen Gewichtsverlust während der Säugezeit zu vermeiden. Diese Lebensphase gehört in tierärztliche Begleitung und nicht in einen Rechner.
Mein Hund ist zu dick. Wie viel weniger soll ich füttern?
Diese Frage beantwortet diese Seite bewusst nicht, und zwar aus einem sachlichen Grund: Eine Gewichtsreduktion bei reduzierter Futtermenge muss sicherstellen, dass der Hund weiterhin alle notwendigen Nährstoffe bekommt, und das ist keine Rechenaufgabe, sondern eine tierärztliche. Die Stiftung Warentest empfiehlt genau das: mit einem übergewichtigen Hund in die Tierarztpraxis zu gehen und nach einer tierärztlichen Reduktionsdiät zu fragen. Was die FEDIAF-Leitlinie zum Thema beiträgt, ist ein Erhaltungswert und keine Diät: Für zu Übergewicht neigende erwachsene Hunde nennt Tabelle VII-7 höchstens 90 Kilokalorien je Kilogramm metabolischem Körpergewicht. Der Bundesverband für Tiergesundheit ordnet die Größenordnung des Problems ein: Untersuchungen zufolge sind rund 50 Prozent aller Hunde und Katzen betroffen, Tendenz steigend. Bemerkenswert ist die Wahrnehmungslücke, die derselbe Verband anführt: In einer Erhebung aus dem August 2022 hielten 87 Prozent der Hundehalter ihr Tier für normalgewichtig, nur acht Prozent für zu dick.
Warum soll ich überhaupt selbst rechnen, wenn auf der Packung eine Fütterungsempfehlung steht?
Weil diese Empfehlung nicht durchgängig verlässlich ist, und das ist geprüft. Die Stiftung Warentest hat im Vergleich von 22 Hunde-Nassfuttern, veröffentlicht am 20.04.2022 im Heft 5 aus dem Jahr 2022, die Fütterungsempfehlungen aller Produkte geprüft und kommt zu dem Ergebnis: Acht Empfehlungen sind mangelhaft. Das ist mehr als jedes dritte Produkt, und es betrifft ausdrücklich die Mengenangabe, nicht die Rezeptur. Im Vergleich naturbelassener Hundesnacks, veröffentlicht am 28.01.2026, lautet der Befund noch schärfer: Verbraucher können sich selten auf das verlassen, was auf der Packung steht, nur ein Anbieter erfüllt alle Vorgaben. Und im Ratgeber zum Hundefutter schreibt dieselbe Quelle, die Mengenangaben der Anbieter stimmten nicht immer. Die Empfehlung auf der Packung ist damit ein brauchbarer Startpunkt, aber kein Wert, den man ungeprüft übernehmen sollte.
Wie kontrolliere ich, ob die berechnete Menge stimmt?
Über das Gewicht und über den Körperzustand, nicht über die Formel. Die FEDIAF-Leitlinie ist an dieser Stelle eindeutig: Die Tabellenwerte sind nur Ausgangspunkte, und der Halter muss die Menge anpassen, sobald das Tier zu- oder abnimmt. Als Zielgröße nennt sie einen Body Condition Score zwischen 4 und 5 auf der neunstufigen Skala und beruft sich dafür auf eine Langzeituntersuchung aus dem Jahr 2002. Die Stiftung Warentest empfiehlt den praktischen Weg dazu: den Hund regelmäßig wiegen, und wenn er nicht allein auf der Waage bleibt, sich selbst mitwiegen und das eigene Gewicht abziehen. Sie beschreibt den Body Condition Score als neunstufige Skala, mit der Tierärzte weltweit arbeiten, und die sich an der Ausprägung der Taille, des Bauches und daran orientiert, wie gut die Rippen unter dem Fell zu ertasten sind. Für die tägliche Portionierung rät sie, die abgewogene Menge einmal in einen Becher zu füllen und dort zu markieren.
Ändert sich der Bedarf im Winter oder bei Kälte?
Ja, und die Leitlinie beziffert es. Werden Hunde bei einer Umgebungstemperatur gehalten, die unter oder über ihrer thermoneutralen Zone liegt, steigt der Erhaltungsbedarf je Grad Celsius um 2 bis 5 Kilokalorien je Einheit metabolischem Körpergewicht. Für draußen gehaltene Hunde im Winter nennt das Dokument eine erheblich größere Spanne: Sie können 10 bis 90 Prozent mehr Kalorien benötigen als im Sommer. Die thermoneutrale Zone selbst ist rasse- und typabhängig und wird mit 15 bis 20 Grad Celsius für langhaarige und 20 bis 25 Grad für kurzhaarige Rassen angegeben. Für einen Hund, der im Haus lebt und nur zum Spaziergang hinausgeht, spielt dieser Aufschlag praktisch keine Rolle. Für einen Hund, der ganzjährig draußen lebt, ist er der größte einzelne Korrekturposten überhaupt.
Autor: Clara Busch · Stand: 23.08.2026 · Datenbasiert, kein Hands-on-Test. Alle Energiefaktoren dieser Seite stammen aus den FEDIAF Nutritional Guidelines in der Ausgabe September 2025, die am 23.08.2026 als PDF abgerufen und im Volltext ausgewertet wurden: Tabelle VII-6 für den Erhaltungsbedarf nach Alter, Tabelle VII-7 für den Tagesbedarf nach Bewegung, Tabelle VII-8a und VII-8b für Wachstum und Reproduktion, Tabelle VII-5 und Kapitel 7.2.2.2 für die Vorhersagegleichung des Energiegehalts sowie die Kapitel 7.2.3.1 bis 7.2.3.5 für die Einflussgrößen. Die Befunde zu Fütterungsempfehlungen, Leckerli, Körperzustandswert und Gewichtskontrolle stammen von der Stiftung Warentest aus dem Test der Hunde-Nassfutter, dem Test naturbelassener Hundesnacks vom 28.01.2026 und dem Ratgeber zum Hundefutter mit Stand 28.01.2026. Die Angabe zur Verbreitung von Übergewicht stammt vom Bundesverband für Tiergesundheit. Die Auszählungen zur Energiedichte stammen aus den sieben Vergleichsseiten dieses Bereichs und beziehen sich auf 35 einzeln geprüfte Angebote.
Jede Zahl, die nicht wörtlich in einer dieser Quellen steht, ist eine Rechnung mit den dort abgedruckten Gleichungen und im Text als solche gekennzeichnet. Das gilt insbesondere für alle Kilokalorien- und Grammwerte der Beispieltabellen und für die beiden nachgerechneten Energiedichten. Faktoren aus der deutschsprachigen Ratgeberliteratur, die auf das Lehrbuch Ernährung des Hundes von Meyer und Zentek zurückgeführt werden, sind hier bewusst nicht aufgenommen, weil sie sich am Datenstand nur über Sekundärquellen und nicht an der Originalveröffentlichung belegen ließen. Dieser Ratgeber ersetzt keine tierärztliche Beratung. Er enthält keine Diagnosehinweise, keine Behandlungsempfehlung und keinen Abnehmplan. Wachstum, Trächtigkeit, Säugezeit, Erkrankungen sowie Über- und Untergewicht gehören in die Tierarztpraxis. Dieser Text enthält keine Produktempfehlungen und keine Affiliate-Links; die verlinkten Vergleichsartikel dieses Bereichs enthalten solche Links.

